Ich bin iM EINsatz: Der Truppenarzt in Erbil

Ich bin iM EINsatz: Der Truppenarzt in Erbil

  • Ich bin im Einsatz
  • CD/CBI
Datum:
Ort:
Erbil
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat sitzt auf dem hinteren Sitz eines gepanzerten Fahrzeugs

Als BATBeweglicher Arzttrupp-Arzt ist Philipp L. in einem gepanzerten Fahrzeug vom Typ Eagle IV BATBeweglicher Arzttrupp bei allen Fahrten außerhalb des Camps mit dabei

Bundeswehr/René Kuhn

Moin und hallo! Ich bin Oberstabsarzt Philipp L. und 32 Jahre alt. Hier im Irak bin ich als Arzt des Beweglichen Arzttrupps (BATBeweglicher Arzttrupp) sowie als Truppenarzt eingesetzt. Der BATBeweglicher Arzttrupp ist das militärische Gegenstück zum zivilen Notarztwagen. In Deutschland bin ich derzeit Truppenarzt im Sanitätsversorgungszentrum Schortens und Ende nächsten Jahres geht es ins Bundeswehrkrankenhaus Westerstede zur Facharztausbildung zum Allgemein- und Orthopädie/Unfallchirurgen. Zur Bundeswehr bin ich 2010 gekommen und habe Medizin in Bonn studiert. Dies ist mein erster Einsatz.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Als Truppenarzt bin ich für die sanitätsdienstliche Versorgung der Soldatinnen und Soldaten im Einsatz zuständig. Doch in diesem multinationalen Einsatz bin ich nicht nur für deutsche Kameradinnen und Kameraden verantwortlich, sondern auch für Belgier, Niederländer, Briten und unterstützendes Personal. Nebenbei begleite ich als Teil des BATBeweglicher Arzttrupp viele Fahrten außerhalb des Feldlagers mit dem gepanzerten Fahrzeug vom Typ Eagle IV BATBeweglicher Arzttrupp. Unsere Besatzung besteht neben mir als Arzt aus einem Fahrer sowie einem Notfallsanitäter, der gleichzeitig Kommandant des Fahrzeugs ist.
 
Ein typischer Tag beginnt mit der Morgenlage um 9 Uhr. Hierbei erläutert uns der Beratende Sanitätsoffizier (BSO) die wichtigsten Tagespunkte wie die aktuelle Corona-Lage oder bevorstehende Übungen. Das gesamte Sanitätsteam besteht aus vielen Kameradinnen und Kameraden und wir werden vom Leitenden Sanitätsoffizier (LSO) aus Jordanien fachlich geführt. Im Anschluss der Morgenlage erfolgt die Neukrankensprechstunde. Das Überprüfen der Medikamente und die Impforganisation gehören ebenfalls zu meinem Aufgabengebiet.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein Soldat überprüft in einem Container Regale, die mit Medikamenten befüllt sind

Als Truppenarzt gehört es zu den Aufgaben von Oberstabsarzt Philipp L., regelmäßig die Medikamentenbestände zu überprüfen

Bundeswehr/René Kuhn

Wie jede Soldatin und jeder Soldat wurde auch ich bereits als Sanitätsoffiziersanwärter gewissermaßen darauf eingestimmt, dass ich irgendwann in den Einsatz geschickt werde. Nach all den Vorbereitungen – dem Studium und den truppenärztlichen Tätigkeiten in den einsatzvorbereitenden Trainings der Taktischen Verwundetenversorgung  (TVV) – freue ich mich darauf, die Truppe im Einsatz unterstützen zu können. Einen zusätzlichen Bonus stellt dabei die multinationale Zusammenarbeit dar: Ob beim Erstellen eines MasCal-Planes mit den Niederländern und Briten, sprich eines Plans für den Massenanfall von Verwundeten, oder beim Pokern mit der Crew der Blackhawk-MedEvacs der USAUnited States of America – es macht einfach Spaß und die Erfahrung ist unbezahlbar. Stolz macht mich die gesamte Zusammenarbeit des Kontingents. Ich merke, wie hier alle zusammen an einem Strang ziehen.

Das vermisse ich hier am meisten.


Ein Soldat sitzt im Eagle IV BAT. Im Vordergrund sind einige Sanitätsgeräte.

Wie ein ziviler Krankenwagen ausgestattet: Im Eagle IV BATBeweglicher Arzttrupp ist Platz für drei Besatzungsmitglieder und einen liegenden Patienten

Bundeswehr/René Kuhn

Selbstverständlich ist es für jemanden mit Familie nie einfach, für längere Zeit getrennt zu sein. Die zu Hause Gebliebenen müssen den erheblichen Teil des im Einsatz befindlichen Elternteils mittragen. Daher ist es das Wichtigste, dass ich weiß: Der Familie zu Hause geht es gut. Glücklicherweise haben wir im Camp die Möglichkeit, jederzeit über das Internet verbunden zu sein und Videotelefonie zu betreiben. Das vereinfacht vieles und hilft gewissermaßen, die Verbindung nach Hause zu halten.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich wünsche mir, dass alle Soldatinnen und Soldaten hier in Erbil gesund bleiben und unbeschadet wieder nach Hause zurückkehren.
Selbstverständlich grüße ich alle Kameradinnen und Kameraden des gesamten Objektschutzregiments in Schortens und vor allem das Sanitätsversorgungszentrum. Grüße gehen auch an meinen Spieß und Leiter Behandlung und Begutachtung. Natürlich darf ich hierbei auch nicht die beste Zahnärztin der Welt und das gesamte Zahnheilkundeteam sowie meine zwei Freunde Kevin K. und Martin K. vergessen.

von Philipp L.

Mehr zum Thema