Ich bin iM EINsatz: Leiter der Einsatzzentrale Logistik

Ich bin iM EINsatz: Leiter der Einsatzzentrale Logistik

  • Ich bin im Einsatz
  • CD/CBI
Datum:
Ort:
Erbil
Lesedauer:
4 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein deutscher Soldat steht abends im grünen Licht vor mehreren Soldaten und hält in der rechten Hand ein Notizbuch

Sven H. bespricht mit allen Akteuren die letzten Details für die Ankunft der neuen Kontingentangehörigen

Bundeswehr/Maximilian Euler

Ich bin Major Sven H., 35 Jahre alt und als Leiter der Einsatzzentrale Logistik in Erbil eingesetzt. In Deutschland bin ich Kompaniechef der 6. Kompanie des Logistikbataillons 467 in Bayern, was mich sehr stolz macht. Wir sind mit unserer Fähigkeit des Luftumschlags eine der Schlüsselkompetenzen der Streitkräftebasis.

Seit 2005 bin ich bei der Bundeswehr. Zunächst war ich als Transportoffizier im Flugabwehrraketengeschwader 5 eingesetzt. Das Highlight dort war das jährliche taktische Schießen auf der griechischen Insel Kreta, das ich gemeinsam mit meinem Team logistisch umfassend unterstützt habe. Somit habe ich wertvolle Erfahrungen mit sämtlichen Verkehrsträgern sammeln können. Die letzten fünf Jahre war ich Hörsaalleiter an der Offizierschule der Luftwaffe im oberbayrischen Fürstenfeldbruck, dort war ich zuständig für die Aus- und Weiterbildung von Offizieren der Luftwaffe.

Der Einsatz im Irak ist mein zweiter. Bei meinem ersten Einsatz 2015 in der Türkei war ich federführend für die logistische Rückverlegung der Flugabwehrraketen verantwortlich.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein deutscher Soldat mit gelber Warnweste steht vor einer Palette von Gepäck

Das Gepäck ist verladen und die Passagiere können nun einsteigen

Bundeswehr/Maximilian Euler

Ich bin hier im Irak für die Koordination der logistischen Folgeversorgung im Lufttransport sowie mit den multinationalen und zivilen Partnern für unsere Kameradinnen und Kameraden zuständig. Mein Team besteht aus mir und zwei weiteren Soldaten. Gemeinsam bewältigen wir das Aufgabenpaket und lenken somit die externen logistischen Unterstützungsleistungen für das Teilkontingent im Irak. Diese Aufgabe erfordert viel Koordination und Flexibilität, um sowohl den strategischen als auch den weiterführenden taktischen Lufttransport von Material und Personal zu gewährleisten.

Zudem sind wir für die Bereitstellung und Koordination von geschützten Fahrzeugen für das Kontingent zuständig, damit Fahrten der deutschen Kräfte reibungslos und sicher stattfinden können. Ebenso kümmern wir uns um Gefahrgutangelegenheiten sowie zollrechtliche Belange, um die Einsatzbereitschaft und Handlungsfähigkeit unserer deutschen Kräfte in Erbil sicherzustellen. Die sich stetig verändernden Rahmenbedingungen und Lageänderungen aufgrund der COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie erschweren jedoch die Planbarkeit der Arbeit.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein Soldat mit einem Funkgerät steht vor einem grauen Flugzeug

Für den reibungslosen Ablauf muss Sven H. mit allen Akteuren über Funk kommunizieren

Bundeswehr/Maximilian Euler

Meine ganz persönliche Motivation liegt darin, Dinge im täglichen Einsatzbetrieb unter besonderen Rahmenbedingungen im Irak realisierbar zu machen. Es ist ein gutes Gefühl zu erleben, wie der Flieger erfolgreich abgefertigt wird, sodass die Maschine pünktlich abheben kann. Herausforderungen entstehen dabei nicht nur aufgrund der derzeitigen Pandemie, auch der vielfältige Kulturmix aus irakischen und multinationalen Partnern spielt eine zentrale Rolle. Verstärkt wird dies außerdem durch die Verteilung der einzelnen Kräfte im Einsatzraum in Kuwait, Bagdad und Al-Asad sowie durch die unterschiedlich zu bedienenden ITInformationstechnik-Netze, welche die Kommunikation aufrechterhalten.
Zum Glück halten wir hier alle zusammen und helfen einander, sodass wir alle Herausforderungen meistern!

In diesem Jahr war die Besonderheit, dass meine Soldatinnen und Soldaten im Luftumschlag in sämtlichen Einsatzgebieten der Bundeswehr gleichzeitig eingesetzt waren. Trotz der Ferne standen wir stets in Verbindung und haben uns fachlich ausgetauscht. Als Kompaniechef möchte ich insbesondere junge Kameradinnen und Kameraden, aber auch zivil Interessierte für das sehr verantwortungsvolle Aufgabenfeld im Luftumschlag motivieren und begeistern.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ein deutscher Soldat in gelber Warnweste hält mehrere Dokumente in der Hand, daneben steht ein niederländischer Soldat

Internationales Teamwork: Der Lufttransport muss auch mit anderen Nationen abgesprochen werden

Bundeswehr/Maximilian Euler

Am allermeisten vermisse ich meine zwei süßen Kids und meine liebenswerte Ehefrau. Ich ziehe respektvoll den Hut davor, dass meine Frau während meiner knapp fünfmonatigen Abwesenheit das Leben mit den Kids und ihre Arbeit meistert – und das trotz dieser drückenden Herausforderung bedingt durch COVID-19Coronavirus Disease 2019. Danke Schatz, ich bin stolz auf dich!

Zudem vermisse ich hier private Rückzugsmöglichkeiten. Gerade hier im Einsatz merkt man schnell: Es sind die kleinen und scheinbar banalen Dinge im Leben, die einem Freude bereiten, beispielsweise einmal ganz in Ruhe und ausgiebig duschen.
Kristallklare Bäche und Seen, saubere und frische Bergluft sowie saftig grüne Wälder und Wiesen fehlen mir. Genauso vermisse ich die Wanderungen durch unsere tolle süddeutsche Alpenlandschaft und anschließend einen liebevoll angerichteten Kaiserschmarrn sowie ein naturtrübes Radler auf einer der unzähligen Hütten.
Aber auch die ausgelassenen Momente und Emotionen beim gemütlichen Beisammensein mit engsten Freunden und Familienangehörigen fehlen mir sehr. Ebenso vermisse ich, den Tag mit einem edlen Gläschen Gin Tonic sowie einem deftigen Döner ausklingen zu lassen.  

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ein Soldat sitzt in einem Gabelstapler und hebt eine Kiste an

Die letzten Meter muss das Material mit einem Gabelstapler bewegt werden

Bundeswehr/Maximilian Euler

Für die verbleibende Zeit im Einsatz habe ich mir vorgenommen, möglichst viele Netzwerke aufrechtzuerhalten. Den multinationalen fachlichen Austausch möchte ich, wo möglich, weiter vorantreiben und vertiefen. Außerdem möchte ich möglichst klare Strukturen, Ansprechpartner und Netzwerke an meinen Nachfolger übergeben, damit ihm der Start in den Einsatz möglichst leichtfällt. Ich wünsche allen Kameradinnen und Kameraden im Einsatz viel Soldatenglück und Durchhaltevermögen!

Ich grüße ganz herzlich meine Umschlagkompanie im idyllischen Volkach mit einem „Umschlag – Luft, Welt – Weit, Immer – Bereit“ sowie unsere Patengemeinde Sommerach. Außerdem grüße ich alle Freunde und Angehörige. Ein besonderer, herzenswarmer Gruß gilt meinen Kids und meiner Ehefrau. Danke für den Rückhalt und die Kraft, die ihr mir hier gebt, um diesen Einsatz erfolgreich zu meistern.

von Sven  H.

Mehr zum Thema