Ich bin iM EINsatz: Ein Koch für alle Fälle

Ich bin iM EINsatz: Ein Koch für alle Fälle

  • Ich bin im Einsatz
  • CD/CBI
Datum:
Ort:
Al-Asrak
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat steht lachend vor dem Kontingentwappen mit der Aufschrift „Operation Inherent Resolve“

Stabsunteroffizier Paul O. setzt in seiner Küche auf frische Zutaten und regionale Spezialitäten

Bundeswehr/PAO Counter Daesh

Ich bin Stabsunteroffizier Paul O. und erblickte 1988 in Polen das Licht der Welt. Ein Jahr später zog ich mit meiner Familie nach Deutschland. Seitdem besitze ich auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Nach dem Schulabschluss erlernte ich den Beruf des Kochs. Meine Erfahrungen habe ich in verschiedenen Küchen an der Ostseeküste sowie in den Schweizer Bergen gesammelt. Ende 2017 war ich auf der Suche nach einer beruflichen Veränderung.

Weil ich durch meinen Beruf quasi schon immer in einem bundeswehrähnlichen Umfeld tätig war, wollte ich mich dieser neuen Herausforderung stellen. Seit 2018 bin ich Soldat und wurde nach meiner Grundausbildung in das Taktische Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ versetzt. Dort bin ich als Verpflegungsunteroffizier in der Truppenküche eingesetzt. Da es für mich zum Soldatenberuf dazugehört, habe ich mich freiwillig für einen Auslandseinsatz gemeldet. Seit zwei Monaten bin ich inzwischen in Jordanien in meinem ersten Einsatz.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat sitzt an einem Schreibtisch vor zwei Monitoren, links ein Telefon

Der Arbeitsplatz des Küchenchefs ist nicht nur die Küche, auch die Arbeit am Computer gehört dazu

Bundeswehr/PAO Counter Daesh

Ein Großteil meiner Tätigkeit wird durch die internationale Zusammenarbeit mit den jordanischen Ortskräften geprägt. Ich überprüfe zum Beispiel den Speiseplan und übersetze ihn vom Englischen ins Deutsche. Der Speiseplan wird durch mich und unseren jordanischen Küchenmeister erstellt. Dabei gilt es einiges zu beachten, unter anderem alle geltenden deutschen Bestimmungen, beispielsweise zur Hygiene. Aber auch eine ausgewogene Ernährung der Kontingentangehörigen mit der richtigen Tagesmenge an Kalorien ist wichtig.
Die Hauptaufgaben der Küchencrews sind fest zugeteilt. Es obliegt jedoch mir, die Ortskräfte für besondere Küchentätigkeiten einzuteilen. Es freut mich, dass wir alle Produkte frisch zubereiten, wozu hier alle Möglichkeiten gegeben sind. Das fängt mit der Bäckerei an und geht über die kalte Küche bis hin zum „Live Cooking“ im Speisesaal.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Soldaten bei der Essensausgabe, im Hintergrund ein Koch

Während einer Kontingentfeier wird das Essen frisch zubereitet und ausgegeben

Bundeswehr/PAO Counter Daesh

Das Essen jeden Tag so zu gestalten, dass alle Kontingentangehörigen und unsere internationalen Gäste immer zufrieden sind, macht meine Arbeit besonders. Dazu zählt für mich nicht nur das Endprodukt, sondern auch das Miteinander im Küchenteam. Zum Beispiel können wir immer wieder mit kleinen Überraschungen wie einem Kaiserschmarrn den Soldatinnen und Soldaten ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Um der Vielfalt der jordanischen Gerichte und ihren Gewürzen gerecht zu werden, stehen auch immer wieder lokale Spezialitäten auf dem Speiseplan. Dass diese Gerichte den deutschen Anforderungen entsprechen und zusätzlich großen Anklang finden, ist ein gemeinsamer Erfolg des Teams.

Das vermisse ich hier am meisten.

Neben meiner Verlobten fehlt mir hier besonders der persönliche Kontakt zu meiner Familie und zu meinen Freunden. Was ich mir vorher auch nicht hätte vorstellen können: Seitdem ich hier in der Wüste bin, vermisse ich tatsächlich „dat Schietweer“, wie man bei uns so schön sagt. Die Übersetzung ins Hochdeutsche lautet übrigens „schlechtes Wetter“ – also einfach das ganz typische Wetter im hohen Norden.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich grüße meine Stammeinheit und dort ganz besonders meinen Küchentrupp in Jagel.

von Paul O.

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