Ich bin iM EINsatz: Vom Studium bis nach Jordanien

Ich bin iM EINsatz: Vom Studium bis nach Jordanien

  • Ich bin im Einsatz
  • CD/CBI
Datum:
Ort:
Al-Asrak
Lesedauer:
4 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat sitzt an einem Schreibtisch und schaut auf den Computermonitor vor sich

Als Stabszugführer und Personaloffizier ist sein Arbeitsplatz auch im Einsatzland vorrangig das Büro

Bundeswehr/Stefan Thomas

Ich bin Hauptmann Benedikt G. und wurde vor 28 Jahren in Sankt Augustin geboren. Als gebürtiger Rheinländer wohne ich heute in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn und musste mich örtlich nicht groß verändern. In Deutschland leiste ich meinen Dienst im Taktischen Luftwaffengeschwader 33 in der Eifel. Eingesetzt bin ich dort als Personaloffizier in der Fliegerhorstgruppe. In dieser Funktion berate ich den Kommandeur und alle Disziplinarvorgesetzten in Angelegenheiten der Personalführung und bin für die Leitung der Personalabteilung verantwortlich.

2012 habe ich mich als Soldat auf Zeit für 13 Jahre verpflichtet. Da ich mich für die Laufbahn der Offiziere entschieden habe, durfte ich im Rahmen meiner Ausbildung ein Studium der Staats- und Sozialwissenschaften absolvieren. Meinen Master of Arts habe ich mit den Schwerpunkten Internationales Recht und Politik abgeschlossen. Aktuell befinde ich mich in meinem neunten Dienstjahr und darf mich zurzeit in meinem ersten Auslandseinsatz beweisen. Außer für die disziplinaren Aufgaben als Stabszugführer in Al-Asrak mit 35 Soldatinnen und Soldaten bin ich auch für die Personalbearbeitung des Einsatzkontingents Counter Daesh verantwortlich. Auch die Aufgaben des Einsatzbetreuungsoffiziers nehme ich wahr.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat steht in militärischer Grundstellung. Hinter ihm befinden sich die Deutschlandflagge und ein Rednerpult

Bei seinem Übergabeappell nach der Übernahme war Hauptmann Benedikt G. noch Oberleutnant

Bundeswehr/Stefan Thomas

Meine Aufgaben im Einsatzkontingent haben viele fachliche Gemeinsamkeiten mit meiner Tätigkeit als Personaloffizier in meinem Stammtruppenteil in Deutschland. Umgangssprachlich werde ich hier als Leiter der J1-Personalabteilung „J-Head“ oder einfach der „J1“ genannt. Wenn es um meine Funktion als Disziplinarvorgesetzter geht, dann bin ich einfach „der Chef“ oder „der Stabszugführer“. In beiden Rollen genieße ich die große Verantwortung des Auftrages – insbesondere dann, wenn ich meinem unterstellten Personal persönlich oder auftragsbezogen helfen und Prozesse nachhaltig optimieren kann.

Mein typischer Tagesablauf beginnt für mich stets mit einem Kaffee. Parallel verschaffe ich mir einen ersten Überblick darüber, ob es Vorfälle in meinem unterstellten Bereich gab, und lese die neusten E-Mails. Im Anschluss nehme ich an der Morgenlage des Chefs des Stabes teil. Die jeweiligen Leiter der Sachgebiete informieren hier über Neuigkeiten und anstehende Projekte. Natürlich führe auch ich regelmäßige Antreten durch, um meinem unterstellten Bereich wichtige Informationen weiterzugeben. Ich nutze diese Gelegenheiten auch, um verdientes Personal hervorzuheben oder in die Heimat nach Deutschland zu verabschieden beziehungsweise um neu eingetroffene Soldatinnen und Soldaten im Einsatzland zu begrüßen.

Wirklich spannend und auch mal richtig sportlich wird meine Tätigkeit bei der Durchführung von Übungsalarmen. In einem solchen Fall bin ich dafür zuständig, die Vollzähligkeit des gesamten Personals im Camp festzustellen. Hierzu fließen alle Informationen, auch seitens der multinationalen Partner im Camp, bei mir im Gefechtsstand zusammen. Große Freude bereitet es mir, wenn neue Verfahren und Ideen zu sichtlichen Verbesserungen führen und damit das Gesamtergebnis unseres Einsatzauftrages optimiert wird.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Mehrere Soldaten sitzen an einem Tisch mit Laptops, Telefonen und Listen. Manche tragen Headsets

Hauptmann Benedikt G. prüft die Vollzähligkeit der Soldatinnen und Soldaten des Kontingentes

Bundeswehr/Stefan Thomas

Dieser Einsatz in einer Koalition mit multinationalen Kräften gegen die Terrororganisation Islamischer Staat ist für mich mein erster Auslandseinsatz und dadurch etwas ganz Besonderes. Die Teilnahme an mandatierten Auslandseinsätzen war für mich neben der Sicherung des Friedens und der Wahrung der Freiheitsrechte zu Hause schon immer einer der Hauptbeweggründe, zur Bundeswehr zu gehen. Umso mehr freue ich mich, an dieser wichtigen und bisher ausgesprochen erfolgreichen Mission teilzunehmen. Auch meine Funktion als Disziplinarvorgesetzter ist für mich ein Novum und ich gebe jeden Tag mein Bestes, der mir übertragenen Verantwortung für meine Frauen und Männer gerecht zu werden. Jeder hier vor Ort hat neben der klimatischen Belastung sein eigenes Päckchen an Widrigkeiten zu tragen. Das zu erkennen und die Menschen dahinter individuell zu führen ist eine besondere Herausforderung, der ich mich täglich aufs Neue immer wieder gern stelle.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ein Soldat joggt auf einer Straße im Camp

Sportliche Aktivitäten sind für Hauptmann Benedikt G. sehr wichtig

Bundeswehr/Stefan Thomas

Ich fühle mich hier hervorragend versorgt. Die Verpflegung ist sehr gut und die Sportmöglichkeiten sind trotz der Pandemie ganz ordentlich. Ich vermisse natürlich meine Frau, meine Familie sowie meine Freunde und die daheimgebliebenen Kameradinnen und Kameraden. Aber häufig sind es auch die Kleinigkeiten wie der Spaziergang oder der Lauf im grünen Wald, die mir hier ab und zu doch sehr fehlen.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Die wenigen verbleibenden Wochen meines Einsatzes hier in Jordanien beabsichtige ich professionell zu Ende zu bringen. Ich bin mir absolut sicher, dass die Zeit mit meinen Kameradinnen und Kameraden hier vor Ort besonders zusammenschweißt und geschlossene Freundschaften auch weit über den Einsatzzeitraum hinaus bestehen werden.

Jedoch freue ich mich jetzt schon auf ruhige Nächte zu Hause im Rheinland, ohne die regelmäßigen Nachtflüge der Jets unserer Partnernationen. Und auch einem ordentlich gegrillten Steak im Kreise meiner Freunde und Familie schaue ich freudig entgegen. Viele liebe Grüße sende ich ins Rheinland, aber auch an meine Kameraden-Crew in der Eifel.

von Benedikt G.

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