Ich bin iM EINsatz: Der Radartechniker in Al-Asad

Ich bin iM EINsatz: Der Radartechniker in Al-Asad

  • Ich bin im Einsatz
  • CD/CBI
Datum:
Ort:
Al-Asad
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat steht vor einer Werkbank in einem Container und überprüft das Werkzeug. Er lächelt in die Kamera.

Hier hat alles seine Ordnung: René G. überprüft das Werkzeug für Wartungsarbeiten an den Systemcontainern

Budeswehr/ PAO CD/CBI

Mein Name ist René G., ich bin 34 Jahre alt, geborener Leipziger und lebe heute in der Nähe von Bitterfeld. 2007 bin ich als gelernter Kraftfahrzeug-Elektriker in die Bundeswehr eingetreten. Direkt nach meiner Grundausbildung wurde ich zur Einsatzunterstützungsstaffel 34 nach Holzdorf versetzt. Nachdem ich eine weitere Ausbildung zum Geräte- und Systemelektroniker erfolgreich abgeschlossen habe, wurde ich als Radarfeldwebel und Techniker eingesetzt. Mittlerweile bin ich verantwortlich für eines der beiden verlegbaren Radargeräte. Dieser Einsatz in Al-Asad im Irak ist mein erster Einsatz.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat kniet in einem Systemcontainer vor elektronischen Bedienelementen und überprüft diese

Hauptfeldwebel René G. bei der Wartung der technischen Systeme

Bundeswehr/PAO CD/CBI

Im Einsatz mache ich fachlich gesehen das Gleiche wie im Inland. Ich sorge dafür, dass das Radar unterbrechungsfrei Daten liefern kann. Das mag vielleicht simpel klingen, ist es aber nicht. Meist steckt der Teufel in technischen Details. Die klimatischen Bedingungen hier vor Ort sind natürlich ganz andere als zu Hause in Deutschland oder bei den meisten Übungen. Konkret führe ich in regelmäßigen Abständen die erforderlichen Durchsichten und Wartungsarbeiten am Radar durch. Auf diese Weise bemerke ich auch frühzeitig mögliche Fehler und kann rechtzeitig handeln. Wenn im laufenden Betrieb eine unerwartete Störung auftritt, bin ich selbstverständlich zur Stelle.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein Soldat sitzt in einem Systemcontainer, vor ihm vier Bildschirme und drei Tatstaturen

Bei der Wartung des Radarsystems muss jeder Handgriff sitzen

Bundeswehr/PAO CD/CBI

Besonders schwierig finde ich die klimatischen Bedingungen. Die große Hitze und der extreme Staub, der wirklich überall ist, erschweren viele Tätigkeiten. Wir Menschen und auch unsere Geräte werden da wirklich herausgefordert. Da das Radar durchgängig laufen muss, arbeiten wir im Schichtbetrieb, 12,5 Stunden, sieben Tage die Woche. Auch das ist ein nicht unerheblicher Unterschied zur Arbeit zu Hause.

Wir sind hier in Al-Asad ein „Mini-Kontingent“ mit zehn deutschen Soldatinnen und Soldaten. Die vielen Dinge, die unser Zusammenleben verschönern, haben wir mit viel Kreativität und handwerklichem Geschick selbst hergestellt – beispielsweise manch Möbelstück. Das macht Spaß und darauf sind wir auch stolz. Unsere Kameradschaft hier ist ganz besonders. Trotz der unterschiedlichen Schichten versuchen wir, uns mehrmals in der Woche zusammenzusetzen, um bei Gesellschaftsspielen oder bei sportlichen Aktivitäten gemeinsam einen Ausgleich zu finden.

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich meine Frau, meine Familie und meine Freunde. Was das bedeutet, wird einem erst im Einsatz so richtig bewusst. Was mir auch wirklich fehlt, ist, in heimischen Gewässern angeln zu gehen. Genauso gern sitze ich einfach mal mit meiner Frau oder mit meinem Bruder am Wasser. Ich liebe es, der Natur zu lauschen, die grüne, vielfältige Landschaft und die wunderbare Stille zu genießen. Das habe ich hier im Irak so nicht, eher genau das Gegenteil: Ich bin hier in der Wüste, kein Wasser weit und breit und die Generatoren und Klimageräte produzieren eher Lärm als Stille. Und es ist kaum möglich, diesen Geräuschen und der Hitze zu entfliehen.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ein Soldat steht bei Dunkelheit vor dem Eingang des Camps Teslar, im Hintergrund ist das Wappen zu sehen

Hauptfeldwebel René G. grüßt alle Kameradinnen und Kameraden in den Einsätzen der Bundeswehr

Bundeswehr/PAO Jordanien

Vor allem wünsche ich mir, dass wir alle gesund und munter nach Hause kommen. Das wünsche ich ebenfalls allen Kameradinnen und Kameraden, die uns nachfolgen werden, sowie all jenen, die sich in anderen Einsatzkontingenten befinden. Wenn ich wieder zu Hause bin und die COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie es zulässt, planen meine Frau und ich etwas ganz Besonderes: Wir wollen unsere noch ausstehende Hochzeitsreise endlich nachholen. Diese konnten wir bisher nicht realisieren, aber ich freue mich sehr, diese Reise bereits im Einsatz ein wenig gedanklich zu planen, und vielleicht geht es ja im nächsten Jahr dann endlich los!

von René G.

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