Ich bin iM EINsatz: Frauenpower im Boxer

Ich bin iM EINsatz: Frauenpower im Boxer

  • Ich bin im Einsatz
  • EFP
Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
4 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Eine Soldatin steht vor angetretenen Soldaten

Als Stabszugführerin der EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup Litauen trägt Hauptmann Nathalie F. Verantwortung für 70 Soldatinnen und Soldaten

Bundeswehr/Maurice Fateiger

Ich bin Hauptmann Nathalie F. und führe den Stabszug der Enhanced Forward Presence Battlegroup Litauen. Direkt nach meinem Schulabschluss habe ich mich 2011 mit 19 Jahren bei der Bundeswehr in Munster an der damaligen Panzertruppenschule verpflichtet. Nach meinen Offizierlehrgängen bin ich der Panzertruppe sowie dem Standort Munster treu geblieben und betrachte das Panzerlehrbataillon 93 in der schönen Lüneburger Heide seit 2018 als meine zweite Familie. Mit dem ältesten Panzerbataillon Deutschlands habe ich in drei Jahren an mehreren Übungen im Ausland teilgenommen. Dazu zählten die NATO-Großübung Trident Juncture  2018 in Norwegen sowie die NATO-Alarmierungsübung Noble Jump  2019 in Polen. Die Verwendung in Litauen ist mein erster Auslandseinsatz.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Eine Soldatin sitzt bei Rotlicht an einer PC-Tastatur in einem Fahrzeug

Nathalie F. bedient das Führungs- und Informationssystem „SitaWare“ im Gepanzerten Transport-Kraftfahrzeug Boxer des Kommandeurs

Bundeswehr/Maurice Fateiger

Ich habe das große Glück, auch in Litauen als Stabszugführerin eingesetzt zu sein. Auf diese Weise kann ich meinen Dienst mit dem Großteil meiner Kameradinnen und Kameraden aus Deutschland gemeinsam bestreiten. Damit bin ich zugleich Disziplinarvorgesetzte des Stabszuges. Das bedeutet, dass ich vor Ort die Verantwortung für etwa 70 Soldatinnen und Soldaten trage. Bei einer Alarmierung werden zusätzlich Anteile des Sicherungs-, Fernmelde- und Aufklärungszuges der Unterstützungskompanie in einer Stärke von circa 100 Soldatinnen und Soldaten dem Stab unterstellt. Zusätzlich habe ich mich in Führungs- und Informationssysteme einweisen lassen. Somit kann ich bei Großvorhaben der Battlegroup den Kommandeur auf seiner mobilen Befehlsstelle, dem Gepanzerten Transport-Kraftfahrzeug  Boxer, unterstützen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein Soldat steckt einer Soldatin einen Orden an

Hauptmann Nathalie F. erhielt während ihres Einsatzes in Litauen das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Bronze

Bundeswehr/Maurice Fateiger

Die Arbeit mit dem Stabszug klingt vielleicht zunächst simpel – ist sie jedoch nicht immer. Der Zugführer wird manchmal als „König ohne Land“ bezeichnet. Das liegt daran, dass mein gesamtes Personal auf fachlicher Ebene den unterschiedlichsten Stabsabteilungsleitern unterstellt ist. Anders als in Deutschland habe ich in Litauen nicht nur einen Materialbewirtschaftungsfeldwebel und Kompanietruppführer an meiner Seite, sondern auch einen vollwertigen Spieß. Unserem Team ist es besonders wichtig anzuerkennen, dass unser Aufgabenbereich auch über den Stabszug hinausgeht. Gerade im Falle einer Alarmierung müssen wir in der Lage sein, den gesamten Stab der Enhanced Forward Battlegroup Litauen sowie die unterstellten Teile der Unterstützungskompanie zu versorgen.

Weltweit und auch hier im Einsatz ist außerdem die aktuelle COVID-19Coronavirus Disease 2019-Lage ein heikles Thema. Maßnahmen zum Teambuilding und Veranstaltungen, welche die Kameradschaft stärken, sind nicht einfach zu organisieren. Dennoch ist es mir ein großes Anliegen, unter Beachtung der COVID-19Coronavirus Disease 2019-Maßnahmen so viel wie möglich für meine Männer und Frauen zu realisieren. So kompliziert und herausfordernd das Schaffen einer gemeinsamen Einheit des Stabszuges manchmal auch erscheint, so bereichernd sind die Erfahrungen, die ich als eingesetzte Stabszugführerin sammle.
 
Aufgrund des vielfältigen Aufgabenspektrums kann ich hier tagtäglich an diesen Erfahrungen wachsen, um auch meinem unterstellten Bereich gegenüber eine noch bessere Vorgesetzte werden zu können. Ein Zitat von John Adair trifft aus meiner Sicht den Nagel auf den Kopf: „Perhaps one day they will add about you as their leader: ‚And you made a difference. ‘  That is the true reward of leadership.“ Auf Deutsch: „Vielleicht werden sie eines Tages über dich als ihre Führungskraft sagen: ‚Und du hast den Unterschied gemacht.‘ Das ist die wahre Belohnung von Führung.“

Das vermisse ich hier am meisten.

Eine Soldatin ist im Gespräch. Im Hintergrund sind Soldaten angetreten

Hauptmann Nathalie F. will auch unter COVID-19Coronavirus Disease 2019-Einschränkungen die Kameradschaft im Stabszug pflegen

Bundeswehr/Maurice Fateiger

Gerade jetzt, wo der Frühling langsam aus dem Winterschlaf erwacht, vermisse ich am meisten die langen Mountainbike-Touren mit meinem Partner und meinem sechsjährigen Glatthaar-Foxterrier, um gemeinsam neue Orte in der Natur zu entdecken und sich dabei völlig frei zu fühlen. Das erste Mal so lange und so weit weg von zu Hause zu sein ist natürlich eine außergewöhnliche Situation. Aber es ist auch ein tolles Gefühl zu wissen, dass Familie und Freunde an mich denken. Es gibt mir unendlich viel Halt, dass sie mir regelmäßig die besten Pakete in den Einsatz schicken, die man sich nur vorstellen kann. Dadurch kommt jedes Mal ein Stück Heimat hier in Litauen an, wofür ich unendlich dankbar bin.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Wenn alles klappt, werde ich noch in diesem Einsatz zur Berufssoldatin ernannt. Für mich ist das eines der wichtigsten Ziele, die Soldatinnen und Soldaten erreichen können. Es erfüllt mich mit Stolz, dass ich dieses Ziel in meinem Team und in meinem Bataillon erreichen darf. Bereits Ende des Jahres werde ich als Verbindungsoffizier in eine integrierte Verwendung nach Polen versetzt. Aber ich hoffe, irgendwann wieder zur großen Familie Panzerlehrbataillon 93 zurückkehren zu dürfen.


von Nathalie F.

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