Ich bin iM EINsatz: Als Waffensystemtechniker bei EFPEnhanced Forward Presence

Ich bin iM EINsatz: Als Waffensystemtechniker bei EFPEnhanced Forward Presence

  • Ich bin im Einsatz
  • EFP
Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat steht auf einem Schützenpanzer Marder 1A3 und zieht an dem Rohr

Bevor die Waffenanlage ausgebaut und in Einzelteile zerlegt wird, muss das Rohr entriegelt und gezogen werden

Bundeswehr/PAO EFP

Mein Name ist Vural Y., ich komme aus Uelzen und bin 26 Jahre jung. Mit 13 Jahren bin ich mit meiner Familie aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Wir haben uns dank unserer Mitmenschen, meiner Freunde aus der Schule und des Fußballvereins schnell eingelebt. Nach dem Schulabschluss habe ich eine Lehre als Zerspanungsmechaniker abgeschlossen.
Da ich schon immer von der Bundeswehr begeistert war und meine technischen Fähigkeiten als Soldat anwenden wollte, habe ich mich 2018 beworben. Zur Kampftruppe wollte ich nicht, aber als Techniker konnte ich mir das sehr gut vorstellen. Es hat auf Anhieb funktioniert und seitdem bin ich Zeitsoldat bei der Bundeswehr. Ich bin Stabsunteroffizier und arbeite als Waffenmechaniker der Maschinenkanone 20 mm. Meine Stammeinheit ist die 2. Kompanie des Versorgungsbataillons 141 in Munster. Der Einsatz in Litauen bei der Enhanced Forward Presence Battlegroup ist mein erster.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat steht vor der geöffneten Waffenwiege eines Schützenpanzers Marder und demontiert einzelne Baugruppen

Stabsunteroffizier Vural Y. ist Spezialist für die Maschinenkanone 20 mm. Die Waffe ist in der Waffenwiege vom Marder 1A3 verbaut

Bundeswehr/PAO EFP

Die Maschinenkanone 20 mm ist das Hauptwaffensystem der Panzergrenadiere auf ihrem Schützenpanzer Marder. Als Waffenmechaniker dieses Waffensystems behebe ich auftretende Fehler und repariere die Schäden. Außerdem sind regelmäßig Wartungen und Funktionsprüfungen durchzuführen. Bevor ich einen Reparaturauftrag erhalte, macht mein Gruppenführer eine Eingangsprüfung und stellt die technischen Mängel fest. Anschließend erhalte ich den Reparaturauftrag für die Waffe. Habe ich alle Teile instandgesetzt oder ausgetauscht und die Waffe wieder funktionstüchtig gemacht, findet die Ausgangsprüfung statt.
Ich mag es, eng mit den Panzerbesatzungen zusammenzuarbeiten. Nach meinen Reparaturen können sie ihren Auftrag fortsetzen und sich auf ihr Hauptwaffensystem wieder zu 100 Prozent verlassen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein Soldat steht mit einer Taschenlampe an einem Tisch und beugt sich über ein Anbauteil der Bordmaschinenkanone

Nach dem Zerlegen der Waffenanlage inspiziert Stabsunteroffizier Vural Y. die Baugruppen, um Beschädigungen auszuschließen

Bundeswehr/PAO EFP

Ich bin jeden Tag motiviert, da mir die Aufgabe einfach Spaß macht. Daher kennen mich meine Kameradinnen und Kameraden eigentlich nur mit einem Lächeln im Gesicht. Täglich halte ich mich fit durch Ausdauer- und Kraftsport in unserem Fitnesszelt. Das ist zum einen wichtig, um meine Aufgaben als Techniker richtig machen zu können. Das Waffengehäuse der Maschinenkanone wiegt mit allen Anbauteilen über 30 Kilogramm. Immer wieder müssen diese und andere Baugruppen angehoben und in dafür vorgesehene Halterungen eingepasst werden. Zum anderen möchte ich den Jungs meiner Fußballmannschaft zeigen, dass ich noch gut in Form bin, wenn ich zurück nach Hause komme.

Als Instantsetzungssoldaten halten wir die Fahrzeuge und Waffensysteme der kämpfenden und der unterstützenden Truppenteile immer einsatzbereit. Schäden können je nach Ausbildungsintensität und Nutzung immer irgendwo auftreten. Dadurch sind wir immer wieder gefordert. Ich finde, dass wir hier einen tollen Job leisten und ich bin stolz, ein Teil dieses Teams zu sein.

Das vermisse ich hier am meisten.

Dank der Videotelefonie fühle ich mich meiner Familie näher, als vor dem Einsatz erwartet. Die Kameradinnen und Kameraden, die noch nicht die Möglichkeit moderner Kommunikationsmittel hatten, müssen es schwerer gehabt haben, den Kontakt zur Familie zu halten. Trotzdem vermisse ich meine Freundin sehr. Gemeinsam sind wir immer mit unseren Pferden in den Wäldern rund um Uelzen ausgeritten. Das ist ihr Hobby, aber ich begleite sie gern dabei. Außerdem denke ich oft an meine Familie und die Freunde.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ein Soldat sitzt in einem großen Fitnesszelt vor einem Spiegel auf einem Rudergerät und treibt Sport

In einem der Fitnesszelte der Kaserne entspannt sich Stabsunteroffizier Vural Y. nach dem Dienst mit Kraft- und Ausdauersport

Bundeswehr/PAO EFP

Die verbleibende Zeit des Einsatzes werde ich nach der getanen Arbeit weiterhin viel Sport treiben. Das ist mein Hobby und ein Ausgleich zu meinem Dienst hier in Litauen. Jetzt, wo der Frühling kommt und die Temperaturen steigen, freue ich mich auf gemütliche Abende mit den Kameradinnen und Kameraden. Endlich gemeinsam grillen und den Tag ausklingen lassen, sofern die Einschränkungen der Coronapandemie das zulassen. Wenn ich aus dem Einsatz zurück nach Deutschland komme, ist ein Besuch in der Türkei geplant. Meine Freundin wird zum ersten Mal mit dabei sein und meine ganze Familie kennenlernen.
An alle, die mich vermissen, sende ich liebe Grüße. Ich denke an euch!


von Vural Y.

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