Ich bin iM EINsatz: Auswerter des Informationsumfeldes

Ich bin iM EINsatz: Auswerter des Informationsumfeldes

  • Ich bin im Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat sitzt im Büro am Schreibtisch und schreibt etwas in den Tischkalender

Oberfeldwebel Thomasz O. bei der Planung des nächsten Besuches

Bundeswehr/Frank Wiedemann

Ich heiße Thomasz O., bin 26 Jahre alt und wohne im rheinland-pfälzischen Bad Breisig. Im Oktober 2015 bin ich als Zeitsoldat in die Bundeswehr eingetreten. Nach meiner Grundausbildung und mehreren Lehrgängen bin ich nun in Mayen am Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr stationiert. Nachdem ich in meiner Dienststelle Fuß gefasst hatte, war für mich der nächste Schritt klar: an einem Auslandseinsatz teilnehmen. Im Dezember 2020 war es soweit – es ging in meinen ersten Einsatz nach Mali und nun bin ich Kontingentangehöriger bei MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat steht mit seinem Kfz im Gelände und liest eine Landkarte, im Hintergrund stehen einheimische Kinder an einer Mauer

Oberfeldwebel Thomasz O. liest bei einem Orientierungshalt das Kartenmaterial genau: Auch das gehört zu seinen Aufgaben

Bundeswehr/ Fabian Meißner

Bei MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali bin ich Teil des Beraterstabes des Kontingentsführers des deutschen Einsatzkontingentes. Dabei unterstütze ich meinen Vorgesetzten insbesondere bei der Auswertung der malischen Medien. Dazu gehören Online-Magazine, aber auch soziale Medien, beispielsweise Facebook. Ziel dieser Aufgabe ist es, ein Verständnis für die Situation der Bevölkerung Malis zu erlangen. Was bewegt die malische Bevölkerung, was weckt ihr Interesse, worüber informieren sie sich und wie kommunizieren sie miteinander? All das sind Fragen, die wir durch unsere Recherche beantworten wollen.

Um das zu erfassen, einen Eindruck von der Atmosphäre zu bekommen und schließlich den Kontingentführer bestmöglich beraten zu können, ist die Pflege von Kontakten außerhalb des Camps ebenso notwendig. Dazu zählen zum Beispiel die örtlichen Radiosender, von denen es allein 13 in Gao gibt. Notwendige Terminabsprachen und Routenplanungen zur Vorbereitung der Treffen füllen ebenso meinen Terminkalender, denn hierbei gilt es viel zu koordinieren und zu beachten. Dabei unterstützen uns zivile Sprachmittler, die aus Mali kommen. Als Kraftfahrer und Materialverantwortlicher überprüfe ich nach jedem Auftrag abschließend das Fahrzeug, die Waffen und das Material auf Funktionsfähigkeit, damit es für den nächsten Auftrag voll einsatzbereit ist.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein Soldat mit Mund-Nasen-Schutz, blauem Basecap, Handschuhen, Weste und Gewehr steht an einem Fahrzeug

Während sein Vorgesetzter Termine in Gao und Umgebung wahrnimmt, bewacht Thomasz O. das Dienstfahrzeug

Bundeswehr/Frank Wiedemann

Durch meine vielseitigen Aufgaben sammele ich jeden Tag interessante Erfahrungen. Insbesondere durch den direkten Kontakt zur einheimischen Bevölkerung kann ich mir ein genaues Bild von Land und Leuten machen, nichts geht über den direkten Kontakt zur einheimischen Bevölkerung. Mir hilft der Austausch mit anderen Abteilungen im Camp genauso wie die unzähligen Kinder, die neugierig sind und einem außerhalb vom Camp zuwinken. Es macht einfach Spaß, das Land kennenzulernen.

Die Besuche bei den verschiedenen Institutionen, beispielsweise den Radiostationen, sind für mich persönlich und beruflich eine große Bereicherung, um ein Verständnis für diese fremde Kultur zu bekommen. Denn jetzt weiß ich, dass das Radio das mit Abstand am meisten genutzte und am weitesten verbreitete Medium ist, um sich zu informieren. So kann ich die vorab durch meine Computerrecherche gewonnenen Informationen vor Ort durch Gespräche abgleichen. Natürlich beschäftigt es mich dabei persönlich zu sehen, wie unterschiedlich die Lebenswirklichkeit der Menschen hier in Mali im Vergleich zu meiner eigenen ist.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ein Soldat steht an seinem Fahrzeug und öffnet die Tür

Marschbereitschaft herstellen: Nachdem der Auftrag erfüllt wurde, fährt Oberfeldwebel Thomasz O. wieder ins Camp

Bundeswehr/Frank Wiedemann

In erster Linie vermisse ich meine Freundin und meine Familie. Die täglichen Telefonate sind zwar schön, aber ersetzen nicht den täglichen persönlichen Kontakt. In dieser für mich schwierigen Zeit bin ich froh, dass meine Freundin, meine Familie und meine Geschwister mich unterstützen, wo immer sie nur können. Für mich ist die größte Herausforderung, so lange von meinen Freunden und meiner Familie getrennt zu sein.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ein Soldat sitzt auf einem Sofa und telefoniert, neben ihm liegt ein hellblaues Barett

Telefonat in die Heimat: Auf diese Weise kann Thomasz O. den Kontakt zu seiner Familie immer halten

Bundeswehr/Frank Wiedemann

Für die restliche Dauer des Einsatzes wünsche ich allen Kameradinnen und Kameraden des Kontingentes beste Gesundheit und viel Fortune in ihrer Tätigkeit. Ich persönlich wünsche mir, dass ich die Zeit hier im Einsatz gesund und munter überstehe. Nach meinem Einsatz plane ich als Erstes einen gemeinsamen Urlaub mit meiner Freundin an einem besonders schönen und romantischen Ort. An dieser Stelle grüße ich meine Familie, meine Freundin, die ich über alles liebe, und natürlich auch meine Staffel in Mayen.

von Thomasz  O.

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