Ich bin iM EINsatz: Als Apotheker in Mali

Ich bin iM EINsatz: Als Apotheker in Mali

  • Ich bin im Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein deutscher Soldat mit einer blauen UN-Mütze beschriftet ein Probenröhrchen, im Hintergrund Wasserbecken

Hier ist Sorgfalt gefordert: Jede Wasserprobe muss genau beschriftet werden, damit nichts verwechselt werden kann

Bundeswehr/Meike Reetz

Ich bin Oberstabsapotheker Alvin H. und 36 Jahre alt. 2007 habe ich die Laufbahn der Sanitätsoffiziere eingeschlagen. Innerhalb dieser Laufbahn habe ich zwei Studiengänge, Pharmazie und Lebensmittelchemie, absolviert. Seit 2017 bin ich als Prüfleiter für Arzneimitteluntersuchungen am Zentralen Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in München tätig. Bei MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali handelt es sich bereits um meinen zweiten Einsatz. Während meines ersten Einsatzes war ich bei Resolute Support in Afghanistan. 

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Drei deutsche Soldaten nehmen Wasserproben, im Hintergrund eine große Wasseraufbereitungsanlage

Bei einer Vor-Ort-Analyse prüft der Labortrupp die Wasserqualität der Wasseraufbereitungsanlage

Bundeswehr/Meike Reetz

Im Fokus meiner Tätigkeiten steht immer der Gesundheitsschutz aller Angehörigen des Deutschen Einsatzkontingentes MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali. Hierzu muss ich zwischen den Camps in Bamako, Gao und Niamey pendeln, da sie alle in meinen Aufgabenbereich fallen. Als Leiter eines Labortrupps für Lebensmittelchemie und Ökochemie untersuche ich Lebensmittel, Wasser und andere Proben. Die regelmäßigen Kontrollen sind notwendig, um gesundheitsschädliche Gefahren, beispielsweise Schwermetalle im Trinkwasser, zu identifizieren. Im Anschluss beurteile ich diese rechtlich und schlage geeignete Maßnahmen zur Abwehr vor. Ich stimme mich eng mit dem Leitenden Apotheker im Einsatz ab. Durch ihn werde ich zum Beispiel beauftragt, die Verpflegungseinrichtungen oder die Wäscherei für den Fachbereich der Wehrpharmazie und Lebensmittelchemie zu kontrollieren.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Zwei deutsche Soldaten mit blauen UN-Mützen verpacken Wasserproben

Die Werte der Proben müssen genau notiert werden, denn sie fließen in die weitere Beprobung ein

Bundeswehr/Meike Reetz

Hier in Mali erhalte ich ungewöhnliche Proben, die in Deutschland nie in meinem Labor landen würden. Eine Herausforderung besteht unter anderem darin, mit den verfügbaren Mitteln geeignete Methoden umzusetzen beziehungsweise zu entwickeln, um den größtmöglichen Erkenntnisgewinn zu erzielen. Was auf den ersten Blick beispielsweise wie ein ganz gewöhnlicher Erdklumpen aussieht, kann sich bei genauerem Hinschauen als etwas ganz Anderes entpuppen. Meine gewonnenen Erkenntnisse werden auch Auswirkungen auf zukünftige Operationen haben. Dabei erfüllt es mich mit höchster Zufriedenheit, dass ich mit meiner Arbeit einen wichtigen Beitrag leisten kann.

Das vermisse ich hier am meisten.

Vor allen Dingen vermisse ich hier natürlich meinen Mann, meine Hunde und meine Freunde. Aber auch Wanderungen rund um das schöne Garmisch-Partenkirchen in Bayern fehlen mir sehr. Da ich nebenbei noch an meiner pharmaziehistorischen Doktorarbeit sitze, vermisse ich auch die Stille und Ruhe, die ich während meiner Recherche im Lesesaal der Archive genießen kann. Für mich ist es nämlich sehr erfüllend, neue Erkenntnisse aus alten Handschriften abzuleiten.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ein deutscher Soldat und ein Zivilist schauen sich Flaschen mit Desinfektionsmittel an

Regelmäßig überprüft der Labortrupp die Hygienemaßnahmen in der Truppenküche

Bundeswehr/Meike Reetz

Nach meinem Einsatz waren die Umwandlung unserer eingetragenen Lebenspartnerschaft in die Ehe mit der Segnung durch einen befreundeten Militärpfarrer und eine Feier geplant. Jedoch hat sich durch die Corona-Pandemie der Zeitpunkt verschoben. Ich wünsche mir, dass wir alle diese Pandemie gesund überstehen und bald wieder ein normales öffentliches Leben führen können. Grüße gehen an das Zentrale Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr München, insbesondere an meine Abteilung C. Auch grüßen möchte ich alle Mitglieder von QueerBw e. V., ehemals Arbeitskreis Homosexueller Angehöriger der Bundeswehr e. V., wo ich als Ansprechpartner für „Regenbogenfamilien“ jederzeit für Austausch und Fragen von anderen Bundeswehrangehörigen zur Verfügung stehe.


von Alvin H.

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