Ich bin iM EINsatz: Mit Muskel- und Motorkraft

Ich bin iM EINsatz: Mit Muskel- und Motorkraft

  • Ich bin im Einsatz
  • EUTM Mali
Datum:
Ort:
Koulikoro
Lesedauer:
4 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat hebt mit einem gelben Gabelstapler eine Palette von einem LKW

Sind die ersehnten Marketender-Lieferungen ankommen, ist der Gabelstapler gefragt

Bundeswehr/Helmmar Schmidt

Ich bin Oberstabsgefreiter Kevin S. und 32 Jahre alt. Im Jahr 2014 bin ich als Wiedereinsteller erneut zur Bundeswehr gekommen. An der Marineunteroffizierschule in Plön habe ich meine Grundausbildung nochmal wiederholt. Die Zeit in Marineuniform war aber nur von kurzer Dauer, denn im Anschluss konnte ich wieder in die Heeresuniform wechseln und kam zum Kommando Territoriale Aufgaben nach Berlin. Dort habe ich meine Ausbildung im Bereich Materialbewirtschaftung durchlaufen. Heute bin ich Soldat auf Zeit für 25 Jahre und zum ersten Mal im Auslandseinsatz.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Gemeinsam mit zwei weiteren Kameraden kümmere ich mich um sämtliches Material des Einsatzkontingents in Koulikoro. Da regelmäßig Lieferungen im Camp eintreffen, bin ich fast jeden Tag mit dem Stapler unterwegs. Besonders gern helfen alle Kameradinnen und Kameraden mit, wenn eine Containerladung für unsere Marketenderwarenverkaufsstelle eintrifft. Wenn es um den Nachschub an Getränken, Knabbergebäck, Süßigkeiten und weiteren Artikeln des täglichen Bedarfs geht, packen alle mit an. Ich hole die Paletten vom Laster und die anderen tragen alles in die Lagercontainer. Unser Trinkwasser bekommen wir in Kartons mit 0,5-Liter-Flaschen an ein zentrales Lager geliefert. Mit dem Gabelstapler geht es dann einmal durchs Camp. Die letzten Meter in die Unterkunftsbereiche müssen dann wieder alle ein menschliches Förderband bilden. Es ist schön, wenn alle mit anpacken.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein Soldat hängt an einer Klimmzugstange

Beim Hindernislauf der spanischen Force Protection ist Kevin S. für das deutsche Team am Start. Die meisten der geforderten 50 Klimmzüge des Teams gehen auf sein Konto

Bundeswehr/Helmmar Schmidt

Mein Team und ich sind für so ziemlich jeden Spaß zu haben – das motiviert und macht die Zeit hier einfacher. Dazu kommt: Es handelt sich um ein super Kontingent. Wir sind ja nicht so viele hier in Koulikoro, aber der Zusammenhalt ist klasse. Ich kann mit jedem quatschen – wirklich eine Ersatzfamilie. Mit den Kameraden der Transportgruppe fahre ich regelmäßig raus, wenn Sachen nach Bamako gebracht werden oder von dort hierher transportiert werden müssen. Da kann ich was vom Land sehen und neue Eindrücke sammeln.
Ein kleines Highlight war unsere Teilnahme am von den spanischen Sicherheitskräften ausgerichteten Hindernislauf. Die iberischen Kameradinnen und Kameraden hatten im und um das Lager verschiedene Hindernisse aufgebaut. Ich war in unserem gemischten deutschen Team – das waren echt anstrengende 30 Minuten. Aber hinterher ist man stolz, es geschafft zu haben.
Ein weiteres Highlight war der Tausch einer Überwachungskamera auf dem Berg hinter unserem Lager. Mit sechs Mann haben wir die 80 Kilo schwere Kiste die Felsen hinaufgetragen. Die neue Kamera hoch und die alte dann wieder runter. Das war zwar echt anstrengend, aber das Team war klasse – und die Aussicht von dort oben ist eine Belohnung der besonderen Art.

Das vermisse ich hier am meisten.

Zwei Soldaten mit Hüten und Sonnenbrillen sitzen nebeneinander

Gemeinsam mit zwei weiteren Kameraden bewegt Kevin S. sämtliches Material des Einsatzkontingents in Koulikoro

Bundeswehr/Helmmar Schmidt

Am meisten vermisse ich hier meine Familie, also Eltern und Geschwister. Aber auch meine Freunde in Berlin gehören dazu. Auch fehlt mir die Privatsphäre – die man hier leider nicht wirklich hat. Wir wohnen zu zweit in unseren Containern und auch sonst ist fast immer jemand um einen herum. Auch wenn wir uns gut verstehen – einfach mal für sich zu sein, ist auch schön.
Natürlich denke ich auch an meine Kameradinnen und Kameraden zu Hause im Kommando Territoriale Aufgaben. Sie sind auch eine tolle Truppe und ich freue mich auf ein Wiedersehen.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Hier im Kontingent bleibt der Zusammenhalt hoffentlich weiterhin so gut. Es kommen und gehen ja ständig Leute. Bei der relativ großen Fluktuation ist es eine besondere Aufgabe, die Neuen richtig zu integrieren. Und dass bis zum Einsatzende nichts Gravierendes passiert, ist natürlich auch wichtig.
Langfristig überlege ich, ob ich nicht noch die Laufbahn wechsle – also einen Antrag zur Übernahme in die Feldwebellaufbahn stelle. Da muss ich mir noch ein paar Gedanken machen.
Wenn ich nach Hause komme, dann freue ich mich auf meine Familie. Und auf gutes Essen oder aufs Grillen mit Freunden. Hoffentlich herrschen dann noch sommerliche Temperaturen, denn ich will mit einem Freund eine Motorradtour an die Ostsee machen. Einfach mal die Seele baumeln lassen. Bis es soweit ist, grüße ich meine Familie, Freunde und das Team aus dem Kommando Territoriale Aufgaben Bundeswehr.

von Kevin S.

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