Ich bin iM EINsatz: Brückenbauer – ein Sprachmittler in Mali

Ich bin iM EINsatz: Brückenbauer – ein Sprachmittler in Mali

  • Ich bin im Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat steht mit einer blauen Kappe vor einem Fahrzeug

Oberstabsgefreiter Laurynas K. ist als Sprachmittler bei MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali eingesetzt

Bundeswehr / Robert Habermann

Ich bin Oberstabsgefreiter Laurynas K. Ich bin 29 Jahre alt und gelernter Dachdecker. Als ich zwölf Jahre alt war, ist meine Familie von Litauen nach Deutschland gekommen. Ich konnte damals ganz wenig Deutsch sprechen. Den anderen rein sprachlich zu verstehen, ist eine Voraussetzung dafür, ihn als Menschen mit seinen Gefühlen zu verstehen. Das habe ich damals am eigenen Leibe erfahren und viel daraus gelernt. Seit 2013 bin ich bei der Bundeswehr. Ich bin damals in Gerolstein in die Streitkräfte eingetreten und zurzeit als Kraftfahrer beim Sanitätsregiment 2 in Rennerod stationiert. Das hier ist mein zweiter Auslandseinsatz bei MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat sitzt an einem Computerarbeitsplatz

Oberstabsgefreiter Laurynas K. bei der Arbeit

Bundeswehr / Robert Habermann

Ich bin hier im MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali-Einsatz als Sprachmittler tätig. Ich übersetze für unsere litauischen Kameraden. Diese gehören hier zur Objektschutzkompanie und sichern das Feldlager. Es ist für die Soldaten des litauischen Zuges nicht einfach, hier in dem Deutsch geprägten Umfeld zu agieren. Zwar bemühen sich die deutschen Soldaten so viel wie möglich Englisch zu sprechen, einige Details bleiben aber dabei auf der Strecke. Und auf die Details kommt es oftmals an. Deswegen hat die Bundeswehr einen Sprachmittler Deutsch-Litauisch gesucht. Als ich zur Bundeswehr kam, hatte ich damals angegeben, dass ich Litauisch sprechen kann. Es ist ja die Sprache meiner Eltern. Die Bundeswehr verfügt meines Wissens nach nur über ganz wenige Soldaten, die die gleiche Fähigkeit haben wie ich. Dazu kommen noch einige zivile Sprachmittler, aber viele sind wir nicht.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Zwei Soldaten stehen an Fahrzeugen und unterhalten sich

Oberstabsgefreiter Laurynas K. ist ein sehr wichtiger Ansprechpartner für die litauischen Kameraden in Gao

Bundeswehr / Robert Habermann

Ich mache hier alles mit den litauischen Soldaten. Wir nehmen gemeinsam an der Morgenlage in der Operationszentrale teil. Wir gehen zur Teileinheitsführer-Besprechung, denn die Litauer sind ja Teil der Objektschutzkompanie. Wir gehen sogar gemeinsam zum Arzt. Erst kürzlich habe ich einen litauischen Kameraden zum Zahnarzt begleitet. Ich stelle mir nur vor, ich müsste zum Zahnarzt und könnte mich nicht mitteilen, was mir wo und wie wehtut. Da wäre ich auch heilfroh, wenn jemand meine Sprache spricht und mir hilft. Ich wohne im gleichen Gebäude wie unsere litauischen Kameraden. Wir essen zusammen, und im Alarmfall bin ich auch zur Stelle. Unsere ca. 30 litauischen Kameraden besetzen hier die Wachtürme und sichern so das Feldlager. Das ist ganz besonders wichtig, wo doch erst vor kurzem Terroristen andere Camps in Mali angegriffen haben.

Das vermisse ich hier am meisten.

Zwei Soldaten geben sich die Hände

Ein gutes Verhältnis zu anderen Nationen auch über Dienstgradgruppen hinweg

Bundeswehr / Robert Habermann

Ich vermisse hier am meisten meine kleine Familie. Ich war leider zum ersten Geburtstag meiner Tochter nicht zu Hause. Das wird sie zwar nicht so mitbekommen haben, aber für meine Frau und mich war das nicht so leicht. Ich bin sehr stolz auf meine Frau, denn sie ist genauso im Einsatz wie ich. Und sie kümmert sich toll um die beiden Kleinen. Sie ist mein größter Rückhalt.



Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Eine deutsche Uniform und eine litauische Uniform

Litauische und deutsche Soldaten arbeiten in Gao sehr eng zusammen

Bundeswehr / Robert Habermann

Natürlich freue ich mich auf meine Familie, aber auch auf meine Freunde, denn dann gehen wir wieder „gepflegt“ ins Waldstadion zur Eintracht. Ich grüße ganz herzlich meinen früheren Zugführer aus Rennerod. Ich drücke ihm alle Daumen dafür, dass seine Operation gut verläuft. Außerdem wünsche ich allen Soldaten, die im Auslandseinsatz sind, eine gesunde Heimkehr zu ihren Familien in die Heimat. Und das gilt natürlich auch besonders für meine litauischen Kameraden.


von Laurynas K.

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