Ich bin iM EINsatz: Feuerwehrmann in Mali

Ich bin iM EINsatz: Feuerwehrmann in Mali

  • Ich bin im Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie vor Ort genau? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Feuerwehrmann steht vor seinem Feuerwehrauto und hält den Hörer des Funkgerätes in der Hand

Sebastian W. ist als Leiter der Feuerwehr für alle Feuerwehreinsätze in Mali verantwortlich.

Bundeswehr/Elisabeth Rabe

Servus, mein Name ist Hauptfeldwebel Sebastian W., ich bin 33 Jahre alt und komme aus dem schönen Mittelfranken. Seit 2007 leiste ich meinen Dienst bei der Bundeswehr. In der Heimat bin ich im Transporthubschrauberregiment 30 in Niederstetten als Brandschutzfeldwebel eingesetzt. Derzeit bin ich Angehöriger des 12. Deutschen Einsatzkontingentes MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali in Mali. Dies ist zwar nicht mein erster Auslandseinsatz – aber mein erster als Leiter der Militärfeuerwehr.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Da ich mit Leib und Seele Feuerwehrmann bin, ist dies meine absolute Traumverwendung. Ohne uns geht es nicht: Die Militärfeuerwehr des Camp Castor ist für das Bekämpfen von Bränden und die technische Hilfeleistung sowohl im Camp, als auch auf dem Flugplatz, verantwortlich. Auch bei einer sogenannten Luftnotlage, beispielsweise einer Notlandung, kommen wir zum Einsatz. Zwar haben wir theoretisch einen fest getakteten Tagesablauf – dieser kann jedoch jederzeit von einem Alarm unterbrochen werden. Dann sind wir in nur 60 Sekunden auf den Fahrzeugen und innerhalb von drei Minuten an jeder möglichen Einsatzstelle im Camp – ganz egal, warum der Alarm schrillt.  

Bei größeren Einsätzen leite ich in enger Absprache mit meinen zwei Gruppenführern vor Ort den Einsatz. Ich erkunde die Einsatzstelle, setze Lagemeldungen ab und fordere bei Bedarf über meinen Disponenten weitere Kräfte zur Unterstützung an. Ist die Situation gemeistert und unter Kontrolle, übergebe ich die Einsatzstelle an den jeweiligen Verantwortlichen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Deutsche und französische Feuerwehrmänner löschen ein Luftfahrzeug

Gemeinsam mit den französischen Feuerwehrkräften übt Sebastian W. und sein Team verschiedene Szenarien der Brandbekämpfung

Bundeswehr/Elisabeth Rabe

Für mich liegt die Besonderheit in der großen Vielfalt unserer Aufgaben: Von der Beseitigung einer Ölspur, über die Bekämpfung von Flächenbränden bis zur Luftnotlage ist alles dabei. Anders als bei der „normalen“ Feuerwehr können wir auch bei der Rettung von Kameradinnen und Kameraden aus geschützten, sprich gepanzerten, Fahrzeugen alarmiert werden.

Eine weitere Herausforderung meiner Arbeit ist eher logistischer Natur: Als Einsatzleiter muss ich gut mit den vorhandenen Kräften und Mitteln haushalten. So ist beispielsweise Löschwasser in der Wüste nicht an jeder Ecke verfügbar – und auch die Stärke der Mannschaft ist geringer als bei einer zivilen Feuerwehr.  Außerdem sind die Hitze und der feine Sand eine Belastung für unser Material und - insbesondere in unserer dicken Schutzkleidung - auch für uns selbst.

Ein großer Erfolg ist die Zusammenarbeit mit den anderen Nationen im Camp Castor. Bei Einsätzen arbeiten wir oft mit den französischen Feuerwehrkräften zusammen. Aber auch die Kooperation mit den rumänischen und el salvadorianischen Hubschrauberbesatzungen läuft ausgezeichnet – so können wir gegenseitig von unserer Expertise lernen!

Das vermisse ich hier am meisten.

Meine Freundin fehlt mir besonders – wir erwarten ein Baby und sie muss den größten Teil der Schwangerschaft ohne meine Unterstützung meistern. Diese Herausforderung bewältigt sie bisher super, worüber ich sehr glücklich bin. Außerdem vermisse ich meine Familie, meine Freunde sowie unsere drei Katzen. Und nicht zuletzt sehne mich nach dem schmackhaften fränkischen Essen mitsamt einer „kühlen Halben“ – einem leckeren Bier.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Kampfstiefel, Pumps und Babyschuhe stehen nebeneinander

Sebastian W. ist sehr stolz auf sine Freundin, die den größten Teil der Schwangerschaft ohne seine Hilfe bewältigen muss

Privat

Für den restlichen Einsatz wünsche ich mir, dass meine Mannschaft weiterhin so einen großartigen Job macht und dass wir alle wieder heil nach Hause kommen. Ich würde jederzeit wieder mit euch gemeinsam in den Einsatz gehen.

Ich grüße meine Freundin, meine Familie und Freunde sowie meine Kameradinnen und Kameraden in Niederstetten. Ein weiterer herzlicher Gruß geht an die Freiwillige Feuerwehren in Dinkelsbühl und Heidenheim an der Brenz und an meine Kolleginnen und Kollegen der Rettungswache Dinkelsbühl!

Bis zu meiner Rückkehr wünsche ich meiner Freundin weiterhin die Kraft und das Durchhaltevermögen, die sie bisher bereits bewiesen hat. Hinter jeder Soldatin und jedem Soldat im Einsatz steht stets ein Partner oder eine Partnerin, der noch stärker ist.

von Sebastian W.

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