Ich bin iM EINsatz: Vier Räder statt vier Hufe

Ich bin iM EINsatz: Vier Räder statt vier Hufe

  • Ich bin im Einsatz
  • EUTM Mali
Datum:
Ort:
Koulikoro
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Eine Soldatin sitzt am Steuer eines Geländewagens

Volle Konzentration: Der Straßenverkehr und die örtlichen Gegebenheiten sind nicht zu unterschätzen

Bundeswehr/Nicole Middeldorf

Ich bin Stabsgefreiter Ines A., 22 Jahre alt und das ist mein erster Einsatz. Zu Hause in Deutschland bin ich Tragtierführerin in der Gebirgsjägerbrigade 23 im wunderschönen Bad Reichenhall. Ich habe meine Dienstzeit im November 2017 als Freiwillig Wehrdienstleistende für zwölf Monate begonnen. Zunächst wollte ich mal schauen, ob die Bundeswehr etwas für mich ist, bevor ich mich endgültig für einen beruflichen Weg entscheide. Dann hat es mir bei den Mulis in Bad Reichenhall so gut gefallen, dass ich mich für eine Verlängerung auf vier Jahre als Zeitsoldatin entschieden habe. Mulis sind unsere Lastentiere.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Eine Soldatin inspiziert die Unterseite eines angehobenen Militärfahrzeugs

Die Straßen und Wege in Mali verlangen den Fahrzeugen viel ab. Da sind regelmäßige Kontrollen wichtig

Bundeswehr/Nicole Middeldorf

Im Einsatz bin ich Militärkraftfahrerin und gehöre damit zur Transportgruppe. Die beiden Fahrzeugtypen, mit denen ich unterwegs bin, sind zum einen das in der Bundeswehr gut bekannte Führungs- und Funktionsfahrzeug Eagle V  und zum anderen der Toyota Land Cruiser. Dieser SUVSport Utility Vehicle ist ebenfalls gepanzert, sodass es eine gesonderte Einweisung braucht, um damit fahren zu dürfen. Wir sind in der Transportgruppe zu acht und kümmern uns darum, dass Personal oder Material zwischen Koulikoro und der Hauptstadt Bamako transportiert werden. Auch im näheren Umkreis des Camps sind wir unterwegs. Dort bringen wir alles, was gebraucht wird, an seinen Bestimmungsort, beispielsweise zu den Schießbahnen. Da ich gerade erst im Einsatz angekommen bin, muss ich mir zunächst vieles aneignen und einprägen – ich will ja immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein Esel mit einem Wagen überquert eine dicht befahrene Straße

Hier muss man mit allen Arten von Verkehrsteilnehmenden rechnen

Bundeswehr/Nicole Middeldorf

Das Schöne an der Verwendung als Kraftfahrerin ist, dass ich das Camp regelmäßig verlassen kann und etwas vom Land und der Umgebung sehe. Auf diese Weise bekommt man im Laufe der Zeit ein besseres Gefühl für das Land und die Menschen. Eine Verwendung ausschließlich im Stab wäre nichts für mich. Wir bringen die Kameradinnen und Kameraden am Ende ihres Einsatzzeitraumes zum Flughafen nach Bamako, zum langersehnten Rückflug in die Heimat. Auf dem Rückweg haben wir dann die neuen Soldatinnen und Soldaten an Bord, die oft von den vielen neuen Eindrücken im Land sowie – insbesondere im Frühjahr – von der vergleichsweise großen Wärme „erschlagen“ sind. Material ist häufig auch mit dabei auf unserer Fahrt.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ein silberner Geländewagen fährt auf einer Straße. Im Hintergrund ein Turm mit den Umrissen Afrikas auf der Spitze

Markanter Punkt auf dem Weg zum Flughafen Bamako: der Afrika-Turm

Bundeswehr/Helmmar Schmidt

Ich bin ja noch gar nicht so lange hier. Aber durch die zwei Wochen der isolierten Unterbringung vor dem Abflug und die erste Zeit hier in Mali fehlt mir natürlich meine Familie – die ich hier gerne grüßen möchte. Nach den Schnee- und Graupelschauern, die wir vor dem Abflug in Hannover hatten, sind die Sonne, die Palmen und Mangobäume hier zwar schön, aber mir persönlich ist es viel zu warm. Das wunderschöne Bergpanorama in Bad Reichenhall vermisse ich auf jeden Fall. Und natürlich fehlen mir auch meine Tragtiere – ganz besonders „meine“ Gerti.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich hoffe, dass ich mich hier sehr schnell eingewöhne und bald alle wichtigen Strecken im Kopf habe. Wenn ich dann mal auf dem Weg zum Flughafen nicht mehr selbst am Steuer sitze, sondern „Abfliegerin“ bin, freue ich mich besonders auf das Wiedersehen mit der Familie sowie auf meine Gerti. Am Ende dieses Einsatzes ist mein Dienstzeitende langsam in Sicht. Ich werde also die Zeit nach der Heimkehr dafür nutzen, mich in der Abendschule weiterzubilden – wahrscheinlich zur Bürokauffrau. Dann muss ich mir überlegen, wie es ohne die Bundeswehruniform weitergeht und wo ich mich bewerbe.

von Ines A.

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