Ich bin iM EINsatz: Die Welt unter dem Mikroskop

Ich bin iM EINsatz: Die Welt unter dem Mikroskop

  • Ich bin im Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
4 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Eine Soldatin blickt durch ein Mikroskop

Volle Konzentration am Mikroskop: Hauptfeldwebel Melania G. untersucht eine Blutprobe auf Malaria

Bundeswehr/Uwe Weber

Ich heiße Melania G., bin 37 Jahre alt und komme aus dem wunderschönen Ostfriesland. In der Heimat bin ich im Kommando Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst in Leer eingesetzt. Dort bin ich für das Personal zuständig und verantworte die Einsatzbereitschaft des Labormaterials. Innerhalb von 72 Stunden sind wir bereit, in Katastrophengebiete zu verlegen oder militärische Evakuierungen durchzuführen.
Seit 2006 bin ich bei der Bundeswehr, vorher habe ich die Ausbildung zur medizinisch-technischen Laboratoriums-Assistentin absolviert. Mittlerweile trage ich den Dienstgrad Hauptfeldwebel und war bereits zweimal in Afghanistan sowie bei einer maritimen Evakuierungsoperation an der Ostküste Afrikas im Einsatz. Der Einsatz bei MINUSMAUnited Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali in Mali ist somit mein vierter.  

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Eine Soldatin sitzt vor ihrem Laptop und schaut sich Aufnahmen aus dem Mikroskop an

Am Computer ist akribische Kleinarbeit gefragt: Melania G. sitzt konzentriert an ihrem telemedizinischen Arbeitsplatz

Bundeswehr/Uwe Weber

Mein Arbeitsplatz ist das Labor in der medizinischen Behandlungseinrichtung. In unserer Sanitätseinsatzstaffel haben wir neben unserem Truppenarzt und der Notfallaufnahme auch eine Pflegestation. Auf dieser Station ist es beispielsweise möglich, die an COVID-19Coronavirus Disease 2019 erkrankten Patienten aufzunehmen und zu überwachen. Dazu gehört auch, dass wir uns ein umfassendes Bild über die Patienten machen, das Thema COVID-19Coronavirus Disease 2019 ist derzeit auch für meine Tätigkeit bestimmend. Nach einem positiven Antigen-Schnelltest wird ein weiterer Abstrich zwecks Analyse zu mir gebracht. Bei einer Erkrankung an COVID-19Coronavirus Disease 2019 können sich die Blutwerte der Patienten rasch verschlechtern, deshalb ist eine Verlaufskontrolle im Labor unabdingbar, wofür ich eine Blutprobe benötige. In unserem Labor untersuchen meine Kameradinnen und Kameraden auch Wasser- und Lebensmittelproben.

Mein Tagesablauf beginnt frühmorgens. Ich stehe kurz vor 5 Uhr auf und gehe ins Labor. Dort muss ich meine Mess- und Analysegeräte kalibrieren, damit sie zum Beginn der regulären Truppenarzt-Sprechstunde einsatzbereit sind. Während diese Messungen laufen, habe ich Zeit für meinen Frühsport. Mein Tagesablauf richtet sich nach dem Aufkommen der Patientinnen und Patienten beim Truppenarzt und den Proben, die ich zu untersuchen habe. Am Nachmittag bereite ich meine Geräte für die Nacht vor und habe anschließend Zeit für eine zweite Sporteinheit oder für ein Telefonat mit meiner Familie. Das breite Spektrum meines Arbeitsgebietes macht mir sehr viel Spaß: zu Hause die Arbeit als Vorgesetzte und hier die Arbeit direkt an der Analytik im Labor.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Eine Soldatin arbeitet im Schutzanzug im Labor mit Proben

Beim direkten Umgang mit den Proben gelten umfangreiche Schutzmaßnahmen, Proben werden unter einem Luftabzug vorbereitet

Bundeswehr/Uwe Weber

Die Vielfältigkeit der Tätigkeit ist schon etwas Besonderes. Ich ermittle hier Ergebnisse, die direkt Einfluss auf die Behandlung der Patienten haben. Neben der aktuellen Corona-Lage ist in einem Tropengebiet wie diesem die Analyse von Blut auf die Erreger der Malaria ein weiteres wichtiges Detail in der Einsatzlabordiagnostik. Dabei trage ich eine enorme Verantwortung, da diese Krankheit ohne Behandlung tödlich verlaufen kann. Hier ist Konzentration gefragt, um die Malariaparasiten unter dem Mikroskop zu entdecken. Da hilft auch keine moderne Technik, die das für mich analysieren kann.

Ich sitze teilweise sehr lange am Mikroskop, um die Nachweise zu führen. Doch so ganz ist man im Einsatz nicht auf sich allein gestellt, denn die mikrobiologischen Befunde sowie die Befunde der klinischen Chemie werden in den entsprechenden Leitlaboren der Bundeswehr in Koblenz beziehungsweise Berlin überprüft. Dort steht für mich auch ständig eine Rufbereitschaft zur Verfügung. Ich freue mich, dass ich mit meinem Fachwissen zu einer erfolgreichen Behandlung beitragen kann.

Das vermisse ich hier am meisten.

Eine Soldatin packt Geschenke in ein Paket

Familienmensch: Mit Paketen aus dem Einsatz macht Melania G. ihren Söhnen und ihrem Mann daheim eine Freude

Bundeswehr/Uwe Weber

Der Abschied von meiner Familie war nicht so einfach. Allerdings habe ich im Vorfeld viele Vorbereitungen getroffen, die dazu beitragen, dass ich bei meinen Jungs präsent bleibe. Das war mir wichtig, weil es auch mein erster Einsatz als Mutter ist und ich noch nie so lange von meinen „Räubern“ zu Hause getrennt war. Ich weiß, dass ich mich auf meinen Mann verlassen kann, der hat das gut im Griff. Das macht den Einsatz für mich hier natürlich viel leichter. Ab und zu schicke ich auch mal ein Paket, vergessen werden sie mich sicherlich nicht. Ich habe auch meinen Geburtstag im Einsatz gefeiert, die Kameradinnen und Kameraden haben mir einen sehr schönen Tag bereitet. Aber auch das feiere ich das nächste Mal wieder zu Hause.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Wenn ich wieder zu Hause bin, möchte ich erst einmal die Zeit mit meiner Familie genießen. Ich bin quasi direkt aus der Elternzeit in den Einsatz geflogen und freue mich jetzt schon darauf, an meinem Arbeitsplatz in Leer wieder „angreifen“ zu können. Ich bin mal gespannt, wie ich dann mein Familienleben und die Arbeit unter einen Hut bekomme. Dem schaue ich aber gelassen entgegen, schließlich habe ich ja meinen Mann. Der muss jetzt auch noch etwas länger ohne mich auskommen, da sich mein Einsatz gegebenenfalls verlängern wird. Wir sind aber eine Soldatenfamilie und werden die Situation schon meistern. Das soldatische Motto „Leben in der Lage“ ist bei uns beiden ein Stück weit im Familienleben enthalten.

von Melania G.

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