Ich bin iM EINsatz: Oft das erste Gesicht bei Ankunft

Ich bin iM EINsatz: Oft das erste Gesicht bei Ankunft

  • Ich bin im Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Bamako
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat mit FFP2-Maske sitzt an einem Schreibtisch und unterhält sich mit weiteren Soldaten

Einweisung am Morgen: Bevor es auf den Flughafen geht, gibt es letzte Instruktionen für den Ablauf der Personalrotation

Bundeswehr/PAO MINUSMA

Ich bin Hauptfeldwebel Fabian M., 34 Jahre alt und in der vielleicht schönsten Stadt der Welt stationiert: Hamburg. Dort bin ich an der Führungsakademie der Bundeswehr als Medienproduktionsfeldwebel eingesetzt. Ich bin seit 2012 Soldat und der Einsatz bei MINUSMAUnited Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali in Bamako ist mein zweiter. Hier bin ich als Leiter der Passagierabfertigung tätig, kurz: als PAX-Feldwebel. Da mein Job im Inland diesem hier in keiner Weise ähnelt, war es sehr herausfordernd, mir im Einsatzland die notwendigen Kenntnisse in kürzester Zeit anzueignen.


Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat steht an der Gangway eines Flugzeugs und wartet, dass ein weiterer Soldat die Treppe herunterkommt

Für die Neuankömmlinge eines der ersten Gesichter im Einsatz: der Pax-Feldwebel an der Gangway zum Flugzeug

Bundeswehr/PAO MINUSMA

Mit meinem Team bin ich außer für die Abfertigung aller deutschen Soldatinnen und Soldaten auch für die verbündeten Streitkräfte und das Zivilpersonal zuständig. Der Flughafen Bamako ist das Drehkreuz für alle Einsatzsoldaten in Mali und ich bin verantwortlich dafür, dass alle pünktlich dahin kommen, wo sie letztlich auch eingesetzt werden sollen. Besonders herausfordernd ist neben der enormen Hitze von über 40 Grad Celsius auf dem Flugfeld auch die Zusammenarbeit mit dem Flughafenbetreiber. Die Uhren ticken hier in Nordafrika eben etwas langsamer, als man es von zu Hause gewohnt ist.

Für die Flüge in Mali und Niger stehen uns mehrere Flugzeugtypen zur Verfügung: von der kleinen Propellermaschine für zehn Passagiere bis hin zu zweistrahligen Flugzeugen für bis zu 45 Passagiere. Ein Großteil meiner Arbeit findet allerdings nicht auf dem Flugfeld, sondern am Computer statt. Passagiere müssen auf Flüge gebucht und Passagierlisten, die PAX-Manifeste, müssen aktuell gehalten werden. Dafür arbeite ich sowohl mit dem Flugbucher in Gao als auch mit den internationalen Kameradinnen und Kameraden eng zusammen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Zwei Soldaten mit Warnwesten sitzen nebeneinander und gleichen Listen ab

Abgleich der Listen: Stimmen die PAX-Manifeste? Oberstabsgefreiter Dominic W. übernimmt die Einweisung in der Maschine

Bundeswehr/PAO MINUSMA

Die Zusammenarbeit mit den am Prozess beteiligten Menschen bereitet mir viel Freude. Verständigt wird sich meist auf Englisch oder mithilfe unseres Sprachmittlers, manchmal aber auch mit Händen und Füßen. Donnerstags, wenn die großen Maschinen aus Deutschland kommen, ist hier der Teufel los. Hunderte Neuankömmlinge müssen auf ihre Weiterflüge verteilt werden und diejenigen, deren Einsatz beendet ist, wollen die Maschinen gen Heimat besteigen. Das zu koordinieren ist enorm aufwendig und nur durch die Unterstützung des gesamten Teams der Einsatzzentrale Logistik möglich.

Meine „Waffen“ sind an solchen Tagen Klemmbrett und Funkgerät. Auf dem Flugfeld müssen viele Zahnräder ineinandergreifen, damit der Ablauf insbesondere mit vielen Passagieren reibungslos funktioniert. Flugzeuge müssen betankt und mit den Gepäckstücken beladen werden, die Passagiere müssen noch einmal durch den Sicherheitscheck, bevor sie das Flugzeug betreten dürfen. Obwohl ich vorher nie mit der Passagierabfertigung zu tun hatte, bereitet mir diese Tätigkeit viel Freude und macht sie für mich umso besonderer. Es erfüllt mich mit Stolz, wenn am Ende des Tages alle Passagiere ihren Bestimmungsort sicher erreichen.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ein Mann mit Reiterhelm sitzt auf einem braunen Pferd

Beim Ausritt mit Sportpferd Oonagh findet Fabian M. einen Ausgleich zum Dienstalltag. Ein gemeinsames Hobby mit seiner Frau

Bundeswehr/Privat

Am meisten vermisse ich meine Frau und unsere zwei Pferde, Oonagh und Cinderella. Durch meine Frau ist auch meine Freude am Pferdesport entfacht. Auch das Grün unserer schönen Heimat fehlt mir sehr. Oft sieht man nicht, wie schön wir es in Deutschland eigentlich haben, insbesondere bei gemäßigten Temperaturen und nicht mit über 40 Grad Celsius. Obwohl das Essen in Bamako in der Camp-Kantine wirklich in Ordnung ist, freue ich mich schon wieder darauf, selber zu kochen, worauf ich gerade Lust habe.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ein Soldat sitzt im Büro und arbeitet am Computer. Er telefoniert und schaut dabei auf einen Bildschirm

Im Austausch mit Deutschland und den Flugbuchern im Einsatzland: Ein Telefonat am Morgen gibt Aufschluss über Änderungen

Bundeswehr/PAO MINUSMA

Ich wünsche mir, dass der Kampf gegen COVID-19Coronavirus Disease 2019 endlich gewonnen wird und ich mich wieder unbeschwert mit Freunden und Familie treffen kann. Auch hier im Einsatz müssen wir uns an die wichtigen Regeln im Umgang mit der Pandemie halten. Es ist wichtig bei einem kleinen Team wie in Bamako, dass wir alle gesund bleiben. Ich danke meiner Frau, dass sie alles zu Hause am Laufen hält und ich mich voll und ganz auf meine Aufgabe hier konzentrieren kann. Grüße gehen an meine Kameradinnen und Kameraden an der Führungsakademie der Bundeswehr. Und natürlich auch an Oonagh und Cinderella.



Alle Soldatinnen und Soldaten die in Mali einreisen oder wieder nach Hause fliegen werden vom Team der Passagierabfertigung betreut.
von Fabian M.

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