Ich bin iM EINsatz: Als Marketenderfeldwebel in Mali

Ich bin iM EINsatz: Als Marketenderfeldwebel in Mali

  • Ich bin im Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
4 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat steht neben einem runden Schild mit einem Elefanten darauf. Auf dem Schild steht: German Shop Marketender

Aufgrund der Pandemie ist der Laden derzeit nur für das Personal zugänglich. Die Ware wird einzeln ausgegeben

Bundeswehr/Marc Vigansky

Mein Name ist Julian P., ich bin 34 Jahre alt und diene in Deutschland beim Gebirgsversorgungsbataillon 8 in Füssen. Ich habe meinen Dienst bei der Bundeswehr im Jahr 2008 als Gebirgsjäger in Strub/Bischofswiesen begonnen. Nach verschiedenen Aufgabenfeldern als Gebirgsjäger und Spezialpionier sowie einer Unteroffizierausbildung bin ich schließlich bei den Versorgern gelandet. Der Einsatz in Mali als Marketenderwarenfeldwebel ist mein erster.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Zwei Soldaten und ein einheimischer Zivilist nehmen Ware auf einem Lkw an. Ein Soldat überprüft die Waren anhand einer Liste

Rund zehn Wochen nach einer Bestellung kommen die Waren im Camp an

Bundeswehr/Frank Wiedemann

Da Soldatinnen und Soldaten im Einsatz nicht wie zu Hause im Supermarkt einkaufen können, gibt es ein Grundsortiment für Waren des täglichen Bedarfs, das zum Verkauf in den Einsatzgebieten bereitgestellt wird. Vom Softdrink über den Schokoriegel bis hin zum Deoroller werden viele Produkte als Marketenderwaren angeboten.
Als Verantwortlicher für die Marketenderwarenversorgung bin ich dafür zuständig, dass von der Bestellung über die Anlieferung bis hin zum Verkauf im Laden alles koordiniert wird. Hierbei kommt es darauf an, langfristig und vorausschauend zu planen. Denn der Transport von Hamburg führt zuerst auf dem Seeweg nach Afrika und im Anschluss kommt die Ware per Landtransport über Tausende Kilometer hinweg ins Camp Castor. In Verbindung mit der Zollabwicklung vergehen hierbei in der Regel circa zehn Wochen, bis die bestellte Ware an die Soldatinnen und Soldaten weiterverkauft werden kann. Mich unterstützen zwei weitere Soldaten, die täglich nicht nur als Verkäufer eingesetzt sind, sondern auch bei der Bewirtschaftung des Lagers unterstützen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein Soldat steht mit einem Ordner in der Hand vor einem Anhänger und gleicht die Lieferung mit der bestellten Ware ab

Die Überprüfung der Ware bei der Annahme ist ein wichtiger Teil des Aufgabenbereichs von Julian P.

Bundeswehr/Frank Wiedemann

Besonders fordernd war die Zeit um den Jahreswechsel, als Lieferungen nur sehr unregelmäßig kamen und die Bestände bei vielen Artikeln zur Neige gingen. Umso mehr freue ich mich – auch dank der Unterstützung durch meine Vorgesetzten –, aktuell auf einem stabilen Lagerniveau angekommen zu sein und eine Kontinuität in den Lieferungen erreicht zu haben. Auch die Menge der gelieferten Ware hat sich verdoppelt.

Die Soldatinnen und Soldaten, unsere Kunden im Camp, sind dankbar für ein großes Sortiment. Im Schnitt kommen alle 14 Tage zwei 40-Fuß-Container im Camp an. Um die Ausmaße ein wenig zu verdeutlichen: Ein solcher Container ist für ein Gewicht von mehr als 26 Tonnen ausgelegt. Eine Tafel Schokolade wiegt etwa 100 Gramm und eine Dose Softgetränk etwa 500 Gramm. Da kann man sich vorstellen, wie viele Warengebinde und Paletten bewegt werden müssen. Manchmal fühle ich mich wie ein Filialleiter eines kleinen Einkaufsmarktes. Von der Warenbestellung über die Einlagerung in Kühlcontainern bis hin zum Befüllen der Verkaufsregale sowie zur Kassenabrechnung mit Bargeldverkehr ist alles dabei. Ich bin stolz darauf, dass wir auch unter den erschwerten Bedingungen der Pandemie unseren Betrieb aufrechterhalten können und einen kleinen Beitrag zur Betreuung aller Angehörigen im Camp leisten dürfen.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ein Mann sitzt in einem Boot auf einem See und hält einen großen Fisch in beiden Händen

Das Hobby von Julian P. ist das Angeln: Hierbei kann er sich entspannen und oft einen großen Fang machen

Privat

Aufgrund der anhaltenden COVID-19Coronavirus Disease 2019-Situation in Deutschland fällt mir die Trennung von der Heimat relativ leicht. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich aktuell viel verpasse. Ich hoffe natürlich, dass sich das bald ändern wird. Natürlich vermisse ich mein gewohntes Umfeld und meine Freunde und Familie. Grundsätzlich bin ich jedoch eher pragmatisch veranlagt und komme mit der räumlichen Trennung recht gut zurecht. Die Zeit vergeht ja auch schnell, wenn viel zu tun ist.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Nach dem Einsatz ist es mein Ziel, als Zugführer eingesetzt zu werden. Ich möchte mit meiner gewonnenen Einsatzerfahrung meine Soldatinnen und Soldaten im Heimatbetrieb professionell mit aktuellem Wissen ausbilden und auf den nächsten Einsatz in zwei Jahren vorbereiten. Des Weiteren strebe ich an, Berufssoldat zu werden. Bevor ich aber wieder in den Dienst einsteige, werde ich meine Urlaubstage dazu nutzen, um Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie zu verbringen – natürlich unter Einhaltung der derzeitigen Beschränkungen.

Am meisten freue ich mich jedoch darauf, meinem Hobby wieder nachgehen zu können und viele Tage beim Angeln am Wasser zu verbringen. Dabei lässt es sich am besten ausspannen und alleine im Boot oder am Ufer in der freien Natur sollte auch COVID 19 kein Thema sein. Allen im Einsatz befindlichen Kameradinnen und Kameraden wünsche ich einen guten und sicheren Einsatz und vor allem eine gesunde Rückkehr nach Hause.


von Julian  P.

Mehr zum Thema