Ich bin iM EINsatz: Mit dem Fennek durch die Wüste

Ich bin iM EINsatz: Mit dem Fennek durch die Wüste

  • Ich bin im Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat sitzt im Spähwagen Fennek und fährt

Als Fahrer kennt Marcel S. das fordernde Gelände Nordmalis, er ist fast immer abseits der Wege unterwegs

Bundeswehr/Johann Flaum

Ich bin Oberstabsgefreiter Marcel S., 28 Jahre alt und in Deutschland Fennek-Fahrer in der 2. Kompanie des Aufklärungsbataillons 13. In Gotha bin ich bereits seit 2011 stationiert. Vor dem Einsatz bei MINUSMAUnited Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali war ich als Systembediener auf dem Fennek bei Resolute Support in Afghanistan sowie bei Enhanced Forward Presence in Litauen. In diesen Einsätzen habe ich mich um die Waffenanlage und das Kommunikationssystem auf dem Spähwagen gekümmert.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat reinigt den Spähwagen Fennek

Nach jeder Operation reinigt Marcel S. sein Fahrzeug

Bundeswehr/Johann Flaum

Hier bei MINUSMAUnited Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali bin ich als Kraftfahrer auf dem Fennek eingesetzt und habe in den vergangenen sechs Monaten fast 4.800 Kilometer innerhalb Nordmalis zurückgelegt. Das war manchmal eine echte Herausforderung, da wir mit unserem Spähwagen fast immer abseits der Wege unterwegs sind.
Mein Trupp und ich waren dabei fast immer als Vorauskräfte unterwegs und haben den Weg für die restlichen Fahrzeuge bei den verschiedenen Operationen erkundet. Mein Job ist es, immer genau darauf zu achten, dass die Fahrzeuge hinter uns auch denselben Weg bewältigen können, obwohl sie häufig wesentlich schwerer sind als unser Fennek. Das ist natürlich eine besondere Verantwortung. Gerade das Fahren bei Nacht ist nicht einfach. Wenn dazu noch Regen oder Sandstürme kommen, wird es manches Mal extrem schwierig. Beim Fahren über sandiges Gelände kann ich zum Glück den Reifendruck variieren und ihn ans Gelände anpassen. Das ist ein großer Vorteil beim Fennek.

Am besten gefällt mir die Eigenständigkeit, die ich als Fennek-Fahrer habe. Bei Operationen gibt mir meine Kommandantin zwar immer die Richtung vor, aber letztendlich bin ich frei in der Entscheidung, welchen Weg ich genau nehme. Innerhalb unseres Trupps vertrauen wir uns blind. Meine Kommandantin und ich waren schon zusammen in Afghanistan im Einsatz und den Systembediener kenne ich mittlerweile auch seit sieben Jahren. Als Spähtrupp sind wir gemeinsam seit einem Jahr eingesetzt. Daher ist der Umgang untereinander bei Operationen hier in Mali gleichzeitig professionell und sehr familiär. Gegen die Gefahren im Einsatz hilft höchste Konzentration auf das Wesentliche: reinsetzen ins Fahrzeug und los geht’s.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Bundeswehr/Johann Flaum

Marcel S. checkt vor der Abfahrt den Fennek jedes Mal ganz genau

Mich motiviert der familiäre Umgang in unserem Spähtrupp und dass wir alle aufeinander aufpassen. Für mich ist es ein Erfolg, wenn wir nach einer Operation alle gesund und munter ins Lager zurückkehren.
Die Gefahr lauert bei unseren Aufträgen übrigens nicht immer zwingend auf den Wegen, sondern manchmal auch in der Stellung. Bei einer Operation saßen wir abends am Fennek, als es plötzlich hinter mir fauchte. Als ich mich umdrehte und meine Stirnlampe anmachte, sah ich eine Sandrasselotter hinter mir. Die Schlange gehört zu den gefährlichsten Giftschlangen der Welt. Deshalb haben wir sofort die Sanis kontaktiert und die Schlange von der Stellung entfernt. Denn unser Motto ist: „Alles, was am Fennek ist, ist auch kurze Zeit später im Fennek.“

Das vermisse ich hier am meisten.

Ein Soldat sitzt auf dem Spähwagen Fennek in der Wüste

Marcel S. freut sich auf seine Rückkehr nach sechs Monaten im Einsatz

Bundeswehr/Patricia Franke

In den vergangenen sechs Monaten habe ich zu Hause sehr viel verpasst. In dem kleinen Dorf, in dem ich wohne, haben wir Schafe, Kaninchen, Ziegen, Schweine und Hühner. Durch den Einsatz konnte ich meiner Familie daheim nicht helfen. Zudem habe ich die Getreide- und Heuernte verpasst. Hier in Mali vermisse ich meine Familie und Freunde. Ganz besonders fehlen mir auch meine Kameradinnen und Kameraden bei der Feuerwehr und die regelmäßigen Treffen am Sonntag.  
Zu Hause bin ich auch Mitglied im Heimatverein. Gemeinsam gestalten wir das Dorfleben schöner und organisieren beispielsweise Skat- und Romméabende für die älteren Leute in unserem Dorf. Das hole ich nach, sobald ich zurück bin.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Nach dem Einsatz freue ich mich darauf, ein eiskaltes Bier zusammen mit meiner Familie und meinen Freunden zu trinken. Das wird etwas ganz Besonderes.

von Marcel S.

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