Ich bin iM EINsatz: Für den besten Durchblick

Ich bin iM EINsatz: Für den besten Durchblick

  • Ich bin im Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Blick durch ein Vergrößerungsglas auf einen Soldaten in einer Werkstatt mit elektrischen Apparaten

Nur für Profis: Der Arbeitsplatz von Stabsunteroffizier Ralf L. ist klein, aber speziell

Bundeswehr/Marc Viganksy

Hallo zusammen! Ich bin Stabsunteroffizier Ralf L., 32 Jahre alt und hier bei MINUSMAUnited Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali der Verantwortliche für alle Geräte, die eine Optik haben. Am Anfang meiner Karriere bei der Bundeswehr im Jahre 2009 habe ich als Freiwillig Wehrdienstleistender angefangen. Damals entschied ich mich für die Laufbahn der Unteroffiziere im Bereich des Fernmeldewesens und diente beim 2014 aufgelösten Führungsunterstützungsbataillon in Havelberg. Nach der Schließung meiner alten Einheit wurde ich nach Burg in Sachsen-Anhalt versetzt und setzte dort beim Logistikbataillon 171 meinen Werdegang fort. Durch eine Umschulung wurde ich hier zum Unteroffizier für elektromechanisches optronisches Gerät ausgebildet.
Dies ist bereits mein fünfter Einsatz, in dem ich für die Bundeswehr tätig bin, und das macht mich stolz. Vier der Einsätze verbrachte ich hier bei MINUSMAUnited Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali und einen bei Resolute Support in Afghanistan.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat sitzt an einer Werkbank und repariert eine Sonnenbrille. Auf dem Tisch liegen Utensilien für die Reparatur

Für seine Kameradinnen und Kameraden nimmt sich der Optroniker Zeit für kleinere Reparaturen

Bundeswehr/Marc Vigansky

Meine Aufgabe besteht darin, für Durchblick zu sorgen. Dazu gehört, dass ich alles repariere und warte, was eine Optik hat. Dazu gehören unter anderem Nachtsicht- und Wärmebildgeräte, Laserlichtmodule und Laserentfernungsmesser. Natürlich fallen hier auch viele Reinigungsarbeiten an, die bei dem Klima unvermeidbar sind. Insbesondere wenn die Kameradinnen und Kameraden zurück ins Camp kommen, benötigen die Geräte oftmals eine kleinere oder größere Reparatur.

Derzeit sind es etwa 40 große Instandsetzungen pro Monat, die kleineren Dinge lasse ich in dieser Rechnung außen vor. Durch meine Arbeit kann ich gewährleisten, dass die Nachtsehfähigkeit für das gesamte deutsche Einsatzkontingent sichergestellt ist. Das ist ein gutes Gefühl für mich – aber auch für die, die nachts das Lager verlassen müssen. Ich nehme mir aber auch die Zeit und helfe gern, wenn mal eine Uhr oder eine Brille streikt oder wie zuletzt die Kamera der Presseabteilung. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass der richtige Umgang mit Waffen und Geräten meine Arbeit erleichtert. Die Gebirgsjäger beispielsweise gehen sehr sorgfältig mit ihrem Material um, woraus resultiert, dass ich weniger zu tun habe.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein Soldat schaut durch ein optisches Visier und schraubt an einem Gerät. Das Gerät ist auf einer Werkbank eingespannt

Ralf L. stellt die Nachtsehfähigkeit für das gesamte Kontingent sicher

Bundeswehr/Marc Vigansky

Meine Tätigkeit macht besonders, dass ich der einzige Bundeswehr-Optronik-Instandsetzer in Mali und damit nicht nur verantwortlich für Gao bin. Auf diese Weise knüpft man Kontakte über den eigenen Bereich hinaus. Hinzu kommt, dass ich dieses Camp beim „Aufwachsen“ begleiten konnte. Ich war Angehöriger mehrerer Kontingente und bemerke selbstverständlich, wie hier alles erweitert und vergrößert wird. Wenn ich entscheiden müsste, welcher der schönste Einsatz für mich war, würde ich trotzdem Resolute Support in Afghanistan nennen. Das liegt aber eher an dem Klima und der besser ausgebauten Infrastruktur dort, was natürlich der Tatsache geschuldet ist, dass das Camp dort viel länger existiert.

Das vermisse ich hier am meisten.

Eine sehr kleine Schraube auf einem Finger, im Hintergrund eine Kiste mit verschiedenen Schrauben

Die Schrauben und Teile der empfindlichen Geräte sind oftmals sehr klein und machen den Einsatz der Lupe notwendig

Bundeswehr/Marc Viganksy

Es geht mir wie so vielen anderen Kameradinnen und Kameraden auch, ich vermisse hier meine Familie und meine Freunde. Ich weiß jedoch, für wen ich hier meinen Dienst leiste, und bin sehr stolz, ein Teil dieser Mission zu sein. Ich freue mich jetzt schon sehr darauf, zu Hause im Grünen sitzen zu können, das alkoholfreie Malzbier gegen ein kaltes Pils einzutauschen und mir eine richtig gute Pizza zu gönnen. Das sind alles Sachen, auf die man eine Zeit lang verzichten kann und gleichzeitig Dinge, auf die man sich mit der Zeit hier vor Ort einfach sehr freut.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich denke es ist nicht ungewöhnlich, dass mein oberstes Ziel ist, unbeschadet nach Hause zu kommen. Im Grunde sind es für mich Kleinigkeiten, die wirklich zählen. Ich wünsche mir, dass diese Pandemie ein Ende hat und wir alle zur Normalität zurückkehren können. Mein ganz persönlicher Wunsch ist es, Berufssoldat zu werden, also drückt mir die Daumen für die Zukunft. Ganz liebe Grüße sende ich an meine Familie und Freunde, die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr und an die Kameradinnen und Kameraden der 4. Kompanie des Logistikbataillons 171. Genießt den Frühling und bleibt gesund!

von Ralf L.

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