Der NHNATO-Helicopter-90

Ich war iM EINsatz: Als Rettungshubschrauber in Mali

Ich war iM EINsatz: Als Rettungshubschrauber in Mali

  • Ich bin im Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
4 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Hubschrauber NH90 steht auf einem Flugfeld

Der Hubschrauber NHNATO-Helicopter-90 in seinem Einsatz in Mali auf dem Flugbetriebsbereich im Camp Castor

Bundswehr/Falk Bärwald

Gestatten, NATO HELICOPTER 90 mit der Kennung 79+10. Seit 2015 gehöre ich zur Bundeswehr und bin mit meinen Geschwistern im Transporthubschrauberregiment 10 in Faßberg stationiert. Im November 2021 startete bei MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali in Gao mein zweiter Einsatz für die Bundeswehr. Nach einem Anschlag auf eine deutsche Patrouille hat das Ministerium entschieden, dass Deutschland wieder eigene Hubschrauber in Mali bereitstellt, um die Soldatinnen und Soldaten zu unterstützen. Als MedEvacMedical Evacuation-Helikopter bin ich speziell für medizinische Rettungsflüge ausgestattet. Ich war im Camp Castor in Gao stationiert und habe als einer der letzten NHNATO-Helicopter-90 meines Geschwaders vor knapp drei Woche Mali verlassen.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz

Mehrere Soldaten knien oder liegen in der Wüste. Im Hintergrund landet ein Hubschrauber.

Die Besatzung und der Verletzte warten auf die Landung des Rettungshubschraubers

Bundeswehr/Marcus Schaller

Ich war in Gao als Rettungsflieger (MedEvacMedical Evacuation) für die Blauhelmsoldaten. Mein Auftrag lautete: verletzte und verwundete Soldatinnen und Soldaten der UNUnited Nations-Truppe transportieren und schnellstmöglich in die Sanitätseinrichtung bringen. Das Ziel ist es, Verwundete oder Verletzte innerhalb der ersten Stunde notfallmedizinisch zu versorgen. Innerhalb von zwei Stunden soll der Patient in einer Sanitätseinrichtung sein, in der eine weitere notfallchirurgische Behandlung erfolgen kann.

Die Straßen in Mali sind nicht mit denen in Europa zu vergleichen, selbst für kurze Strecken braucht ein Fahrzeug manchmal mehrere Stunden. Deshalb komme ich ins Spiel, denn ich bin etwas schneller. Meine Besatzung ist immer in Bereitschaft und daher dauert es nie lange, bis wir in der Luft sind. Wir sind ein eingespieltes und routiniertes Team.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders

Ein Fluss und eine Düne

Die bekannte Düne von Koima am Ufer des Nigers

Bundeswehr/Peter Küpper

Dass sich unsere Soldatinnen und Soldaten auf uns verlassen, ist ein gutes Gefühl. Sie wissen, dass wir sofort zur Stelle sind, sollte etwas passieren. Ich bin immer wieder stolz auf die Truppe, wenn ich sehe, was sie auch unter den heißen klimatischen Bedingungen leistet. Sie haben es mit ihrer Ausrüstung nicht leicht, mit den Schutzwesten wird es ordentlich heiß. Zum Glück haben wir in den Hangars Klimaanlagen, die uns runterkühlen – und wenn wir erst mal fliegen, kühlt uns der Wind. 
Ganz besonders in Erinnerung wird mir das Wiedersehen mit unseren Nachfolgern bleiben. Das erste Treffen über der Wüste und der gemeinsame Flug über das Camp Castor mit sechs Maschinen ist schon selten. Das Video solltet ihr euch unbedingt anschauen.

Mali wird mir in Erinnerung bleiben, das Land mit seinen weiten und beeindruckenden Landschaften. Zu bestimmten Jahreszeiten ist der Himmel so klar, da schaut man gerne in die Sterne, vor allem, wenn über der Wüste kaum Licht vom Boden stört. 
Aber aktuell ist es meist durch den Sand etwas diesig, es herrscht nicht immer so ein tolles Flugwetter und jetzt kommt auch noch die Regen- und Sandsturmzeit. 

Diese Sandstürme sind natürlich etwas Beeindruckendes, aber ich war froh, wenn mein Hangar zu war und ich lediglich den Wind und den Sand hörte. Im Anschluss war die Luft viel kühler, manchmal hat es auch geregnet, dann ist das Fliegen viel schöner. 
Auch wenn ich mich wiederhole: Wenn ich einen scharfen MedEvacMedical Evacuation-Einsatz geflogen bin und damit ein Leben retten konnte, das ist das Beste an meinem Einsatz. Dafür bin ich hier und auf die Leistung meiner Besatzung bin ich jedes Mal aufs Neue stolz!

Das vermisse ich hier am meisten

Ein Soldat spricht mit einer Zivilistin. Im Hintergrund stehen mehrere Soldaten und ein Hubschrauber.

Besuch der Außenministerin Annalena Baerbock

Bundeswehr/Marcus Schaller

Mir fehlten in Mali der kühle Wind, der Regen, die grüne Landschaft und das Rauschen der Wälder in Deutschland, wenn ich über sie hinwegfliege. 
Auch habe ich die anderen Hubschrauber aus meinem Heimatverband sehr vermisst. Wir sind eine große Familie und gehen alle irgendwann in den Einsatz, aber die Zeit war nun schon lang und der Sand kroch wirklich in alle Ritzen. Ursprünglich war ich froh, nicht im Winter in Deutschland zu sein, aber die gratis „Dauersauna“ ging dann doch an meine Technik und mein Material. Als unsere Außenministerin hier war, war es bei mir im Cockpit fast 80 Grad heiß. War ich froh, als ich wieder an die Klimaanlage angeschlossen wurde. Ich wurde ständig gekühlt, wenn wir in Bereitschaft waren, damit wir direkt starten konnten, wenn uns jemand brauchte.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße

Vor knapp drei Woche ging es für mich zurück nach Deutschland, seitdem übernimmt ein Hubschrauber der Luftwaffe meine Aufgabe. Die CH-53 kenne ich noch aus Afghanistan. Sie sind zwar nicht mehr die jüngsten, aber dafür sind sie einsatzerfahren und fast so cool wie ich. Die gemeinsame Zeit in Gao war echt toll und wir haben sogar noch den ein oder anderen Flug gemeinsam durchgeführt. In der Handover-Takeover-Phase, so nennt man bei uns die Übergabezeit, habe ich meine Ablösung in den Raum und die Gegebenheiten eingewiesen. 

Dann hieß es für mich packen: Rottorblätter einpacken, Technik mitnehmen, Munition und Waffen abgeben. Schließlich ging es am 13. Juli mit einem Transportflieger nach Hause . Ich wurde dann erst einmal sauber gemacht, war beim Technik-Check und der Instandsetzung. Das war wie Wellness, danach fühle ich mich immer direkt ein paar Flugstunden jünger.
Nun bin ich bereit für meine nächste Aufgabe. Ich werde die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr bei der NATO-Speerspitze „Very High Readiness Joint Task Force“ (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ) unterstützen. Mit diesem Jahr beginnt die Bereitschaftsphase für die NATO. Ich bin ein Teil davon, jederzeit bereit zu fliegen und die Soldatinnen und Soldaten der NATO zu unterstützen.

von NATO HELICOPTER 90

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