Wir sind iM EINsatz: Der Scharfschützentrupp in Mali

Wir sind iM EINsatz: Der Scharfschützentrupp in Mali

  • Ich bin im Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
4 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Porträt eines Soldaten, im Hintergrund stehen ein Transportpanzer Fuchs und ein weiterer Soldat

Maximilian B. und Jonas L. vor ihrem Transportpanzer Fuchs: Sie gehen immer als Team in die Einsätze

Bundeswehr/Uwe Weber

Wir sind die Oberstabsgefreiten Jonas L.*, 26 Jahre, und Maximilian B., 27 Jahre alt. Im Rahmen der VN-Mission MINUSMAUnited Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali sind wir als Scharfschützen der Bundeswehr im Einsatz. Wir sind beide Angehörige der 2. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 in Bad Reichenhall und bereits zum dritten Mal zusammen im Einsatz. Vor unserem jetzigen Einsatz in Mali waren wir im Jahr 2016 mit unserer Kompanie in Estland und 2017 das erste Mal in Mali.

Wir haben unseren Dienst bei den Gebirgsjägern im April 2015 gemeinsam angetreten und konnten uns auf die Tätigkeit als Scharfschützen spezialisieren. Dafür wurden wir ausgewählt und mussten uns in einer besonderen Ausbildung beweisen. Uns gibt es nur im Doppelpack und gemeinsam gehen wir als Trupp durch dick und dünn. Für uns heißt es: „Nicht mein Einsatz, sondern unser Einsatz.“

Das sind unsere Aufgaben im Einsatz.

Ein Soldat sitzt im Busch und schaut durch einen Entfernungsmesser. Ein zweiter Soldat sitzt vor ihm mit seiner Waffe G22A2.

Der Scharfschützentrupp hat Stellung bezogen und beobachtet das Umfeld

Bundeswehr/Uwe Weber

Wenn wir mit unserer Patrouille unterwegs sind, übernehmen wir viele Aufgaben. Hauptsächlich beobachten wir genau unser Umfeld, überwachen Räume und sichern Objekte. Das bedeutet das Sehen, Erkennen und Identifizieren von Personen oder Fahrzeugen auf größere Distanz. Wir sind dazu ausgebildet, mögliche Bedrohungspotenziale für eigene Kräfte zu erkennen und zu beurteilen, und können mit unseren Waffen auch effektiv auf weite Distanzen wirken.

Typischerweise beginnt unser Tag morgens kurz vor sechs Uhr. Danach geht es zum Frühsport, um unsere hohe körperliche Leistungsfähigkeit als Scharfschützen zu erhalten. Anschließend haben wir unsere morgendliche Besprechung, in der die Aufträge für den Tag und die Woche mit unserem Zugführer besprochen und geplant werden. Wenn anschließend Zeit bleibt, setzen wir uns zusammen und halten uns fachlich auf Stand. Konkret heißt das, dass wir uns zum Beispiel mit neuen ballistischen Berechnungen für unser Scharfschützengewehr G22A 2  beschäftigen.

Unmittelbar vor den Operationen bereiten wir unsere Ausrüstung sorgfältig vor, aktualisieren Karten und machen unsere Fahrzeuge startklar. Wenn wir als Scharfschützentrupp unterwegs sind, wird es spannend. Jonas ist der Scharfschütze, der das Umfeld beobachtet und eventuelle Angreifer abwehrt. Ich habe meine Waffe ebenfalls dabei, beobachte mit und führe den Schützen, in dem Fall Jonas, ins Ziel. Das bedeutet, dass ich Jonas die Angaben, die er für die Einstellung seines Gewehrs braucht, gebe. Dabei geht es zum Beispiel um die exakte Zielentfernung, den Neigungswinkel oder das Wetter.“ Daneben halte ich die Funkverbindung zu den anderen in der Patrouille. Für einige Einsätze gibt es besondere Vorbereitungsübungen, die spezielle Situationen für Scharfschützen enthalten. Die Ausbildung zum Scharfschützen ist extrem anstrengend, aber es erfüllt uns mit Stolz, dass wir es geschafft haben.

Das macht unsere Tätigkeit hier besonders.

Drei Soldaten, darunter die beiden Soldaten des Scharfschützentrupps, sind in einer Ortschaft zu Fuß unterwegs

Die Gebirgsjäger sind nicht nur mit ihren Fahrzeugen auf Patrouille, sondern auch zu Fuß unterwegs

Bundeswehr/Uwe Weber

Als Teil der VN-Mission MINUSMAUnited Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali zeigt auch die Bundeswehr in Gao und Umgebung Präsenz. Wir denken, dass das ein starkes Signal an die Menschen hier ist. Wir wollen ein Stück dazu beitragen, dass die Menschen zur Normalität zurückkehren können, und helfen, Mali zu stabilisieren. Die Bevölkerung soll sich durch unsere Anwesenheit sicherer fühlen. Besonders sind hier auch die klimatischen Bedingungen, die von uns als Scharfschützen eine ganze Menge abverlangen. Neben der körperlichen Anstrengung ist es gut, dass wir uns gegenseitig in jeder Situation unterstützen und uns blind aufeinander verlassen können.

Das vermissen wir hier am meisten.

Ein Soldat joggt auf einer Straße im Feldlager, im Hintergrund steht die Feldkirche

Als Ausgleich geht Maximilian B. gern joggen. Sein Gepäck im Einsatz kann bis zu 50 Kilogramm wiegen

Bundeswehr/Frank Wiedemann

Auch hier sind wir beide auf einer Wellenlänge. Am meisten vermissen wir unsere Freundinnen und die Privatsphäre. Das ist hier nun einmal alles etwas eingeschränkt. Eine ausgiebige Dusche und Sprudelwasser zum Trinken stehen ebenfalls ganz oben auf unserer Liste. Aber auch derart alltägliche Dinge wie der selbstständige Einkauf oder das Zubereiten von eigenem Essen fehlen uns hier. Als geübte Skitourengänger sind wir hier in der Wüste über die Wintermonate etwas von unserem Hobby abgeschnitten. Zum Glück haben wir aber die Möglichkeit, uns sportlich fit zu halten. Jonas ist eher im Fitnessbereich zu finden und ich drehe meine Joggingrunden im Camp.

Das sind unsere Pläne, Wünsche und Grüße.

Zwei Soldaten sitzen sich an einem Tisch gegenüber und reden miteinander

Während der Bereitschaftsphasen bleibt Zeit zum Durchatmen, das Thema Scharfschützen ist aber immer präsent

Bundeswehr/Uwe Weber

Wir hoffen, dass auch für den Rest unserer Einsatzzeit keine schlimmen Ereignisse stattfinden und alle gesund bleiben. Hoffentlich sind die Corona-Maßnahmen in Deutschland nach unserer Rückkehr wieder etwas gelockert, sodass wir die Freiheiten, auf die wir hier einsatzbedingt verzichten mussten, wieder genießen können. Nach diesem Stück mehr Normalität sehnen wir uns schon ein wenig. Wir grüßen natürlich unsere Freundinnen und wir schicken Grüße an unsere Familien und die Kameradinnen und Kameraden der 2. Kompanie im wunderschönen Bad Reichenhall.


* Name von der Redaktion geändert

von Jonas L. und Maximilian B. 

Mehr zum Thema