Ich bin iM EINsatz: Zum Schutz des Camps Castor

Ich bin iM EINsatz: Zum Schutz des Camps Castor

  • Ich bin im Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat schraubt einen Belüftungsschlauch ab, im Hintergrund ein Camp in der Wüste

Regelmäßig prüft Sheraz N. die Belüftungsanlagen und reinigt die Filter

Bundeswehr/Johann Flaum

Ich bin Feldwebel Sheraz N., 27 Jahre alt und seit 2016 bei der Luchtmacht, den Luftstreitkräften in den Niederlanden. Hier bin ich als Feuerleitfeldwebel, als Tactical Control Assistant, in der Fire Unit 2 im 802 Squadron in der niederländischen Provinz Limburg eingesetzt. Darüber hinaus bin ich am Waffensystem Patriot ausgebildet. Der Einsatz mit dem Waffensystem MANTISModular, Automatic and Network capable Targeting and Interception System bei MINUSMAUnited Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali ist der erste für mich. Hier unterstütze ich im Rahmen des binationalen Projektes Apollo das deutsche Einsatzkontingent in Mali. Das Projekt Apollo steht für die deutsch-niederländische Zusammenarbeit in der bodengebundenen Luftverteidigung und ist nur ein Beispiel für die deutsch-niederländische Streitkräfteintegration.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat reinigt eine optische Linse, in der sich ein Camp in der Wüste spiegelt

Zu den täglichen Wartungsarbeiten gehört auch das vorsichtige Reinigen der Linse

Bundeswehr/Johann Flaum

Das Einsatzteam MANTISModular, Automatic and Network capable Targeting and Interception System der Objektschutzkompanie hat den Auftrag, die dauerhafte Alarmierung im Falle eines Angriffs auf das Camp Castor und das benachbarte VN Super Camp sicherzustellen. Hier in Gao bin ich in der Bedien- und Feuerleitzentrale in einem rund um die Uhr besetzten Schichtbetrieb eingesetzt. Meine Kernaufgabe besteht darin, die aktuelle Lage im Luftraum auszuwerten und dem Kampfführungsoffizier ein sauberes Luftlagebild zur Verfügung zu stellen.

Dabei kommt es besonders darauf an, auch nach mehreren Stunden noch konzentriert zu arbeiten, um im Ernstfall sofort auf Bedrohungen reagieren zu können. Die Kommunikation mit meinem deutschen Kampfführungsoffizier ist dabei ein wichtiger Bestandteil und bereitet mir große Freude, da wir viel voneinander lernen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Zwei Soldaten arbeiten vor Monitoren in einem abgedunkelten Raum

Die binationale Zusammenarbeit ist ein Erfolg, Sheraz N. wurde für seinen Einsatz speziell in Deutschland ausgebildet

Bundeswehr/Johann Flaum

Ich bin für diesen Einsatz speziell in Deutschland ausgebildet worden und empfand es von Anfang an als Privileg, aber auch als große Herausforderung, zusammen mit einer anderen Nation in den Einsatz zu gehen.
Die deutschen Kameradinnen und Kameraden haben mich von Beginn an in ihre Gemeinschaft integriert und über die Monate hinweg haben wir bereits viel voneinander gelernt. Die sprachliche Barriere, die es zu Beginn noch gab, ist inzwischen völlig verschwunden und es macht mir viel Spaß, mit allen Deutsch zu sprechen. Es passiert mir sogar inzwischen regelmäßig, dass ich in Gesprächen mit meiner Familie in die deutsche Sprache wechsele oder mir Worte in meiner Muttersprache nicht mehr einfallen. Für mich ist es eine großartige Gelegenheit, meinen Horizont zu erweitern, und ich würde mich jederzeit wieder freiwillig für solch einen Einsatz melden.

Das vermisse ich hier am meisten.

Das Porträt eines Soldaten vor einem Schild mit der Aufschrift „Apollo“

Im Rahmen des Projekts Apollo reiste Sheraz N. auch nach Kreta, um dort an Übungen teilzunehmen

Bundeswehr/Johann Flaum

Das Entscheidende für mich ist das Wiedersehen mit meiner Freundin und meiner Familie. Ich habe gelernt, gewisse Dinge im Einsatz einfach anders wertzuschätzen. Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit, sich in das eigene Auto zu setzen und irgendwo hinzufahren. Es mag komisch klingen, aber ich freue mich auch wirklich sehr auf die Herbstzeit und das damit verbundene kühlere Wetter. Einen dicken Pullover oder eine Jacke habe ich seit Monaten nicht mehr getragen. Ansonsten war das Angebot hier im Camp Castor wirklich gut und ich wurde regelmäßig mit heimischen Köstlichkeiten und Carepaketen versorgt.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ein Soldat schaut auf verschiedene Monitore in einem abgedunkelten Raum

Etwas düster, aber man gewöhnt sich daran: der Arbeitsplatz von Sheraz N. in der Bedien- und Feuerleitzentrale

Bundeswehr/Johann Flaum

Ich wünsche mir, dass die restlichen Tage weiterhin ohne Vorfälle vorübergehen und alle Kameradinnen und Kameraden nach Ende ihres Einsatzes unbeschadet zu ihren Familien zurückkehren können!
Die Rückkehr in die Heimat ist in der jetzigen Zeit der COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie keine gewöhnliche. Falls möglich, würde ich trotzdem sehr gern mit meiner Freundin noch in diesem Jahr in den Urlaub fahren. Ich freue mich auch schon wieder auf meine Fire Unit und möchte alle dort ganz besonders grüßen.


von Sheraz N.

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