Wir sind iM EINsatz: Das Küchenteam aus Gao

Wir sind iM EINsatz: Das Küchenteam aus Gao

  • Ich bin im Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Eine Soldatin und ein Soldat sitzen an einem Schreibtisch in einem Büro

Täglich wird sich kurz zusammengesetzt, um die wichtigsten Punkte für den Tag zu besprechen

Bundeswehr/Meike Reetz

Wir sind das Küchen-Team aus Gao: Ich bin Stabsfeldwebel Hans-Georg H., aber alle hier nennen mich nur George. Ich bin als Küchenmeister bei MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali in Gao eingesetzt. Meine Küchenbuchhalterin ist Feldwebel Irma S. Wir gehören mit unseren Dienstposten zur Einsatzwehrverwaltung und waren beide schon viele Male in den unterschiedlichsten Einsätzen der Bundeswehr. In Deutschland bin ich beim Bundeswehr-Dienstleistungszentrum in Bergen als Küchenmeister eingesetzt und Irma ist als Küchenbuchhalterin in Minden tätig. In Deutschland sind wir keine Soldaten, sondern zivile Arbeitnehmer. Als Reservistendienst Leistende tragen wir in den Einsätzen eine Uniform und einen militärischen Dienstgrad.

Das ist unsere Aufgabe im Einsatz.

Eine Soldatin prüft die Temperatur auf der Anzeige eines Kühlcontainers

Feldwebel Irma S. kontrolliert regelmäßig die Temperaturen an den Kühlcontainern

Bundeswehr/Meike Reetz

Als Küchenmeister und Küchenbuchhalterin sind wir das Bindeglied zwischen dem zivilen Caterer, der Truppe und dem Verpflegungsamt der Bundeswehr in Deutschland. Wir bestellen das Essen für alle Personen im Camp Castor, ganz unabhängig davon, welcher Nation jemand angehört und ob sie oder er Zivilistin oder Zivilist beziehungsweise Soldatin oder Soldat ist. Als gelernter Koch fällt es mir oft schwer, nicht selbst mal den Topf und die Pfanne zur Hand zu nehmen und etwas Leckeres zu kochen. Aber dafür gibt es hier vor Ort das eingespielte Team des Caterers.

Als Küchenmeister bin ich in der Küche dafür zuständig, die Hygienemaßnahmen und Mindesttemperaturen zu überwachen. Irma bestellt die Lebensmittel und sorgt dafür, dass immer alles vorrätig ist. Gerade die Verpflegungspakete sind wichtig für die Soldatinnen und Soldaten, denn sie fahren raus ins Gelände und bleiben dort oft mehrere Tage bei Operationen. Samstags werden uns immer die Lebensmittel für die Folgewoche geliefert. Bei Außentemperaturen von rund 45 Grad Celsius müssen die Lebensmittel schnell in die Kühlcontainer gebracht werden, um die Kühlkette nicht zu unterbrechen. Hierbei erhalten wir immer reichlich Unterstützung aus dem Kontingent. Als Dank gibt es danach oft noch Eis für alle Helferinnen und Helfer – so bleibt die Motivation hoch!

Das macht unsere Tätigkeit hier besonders.

Ein Soldat steht hinter einem Tresen, im Hintergrund an der Wand verschiedene Poster

Hans-Georg H. weiß, dass Küche auch Logistik bedeutet: Die Verpflegung wird meist 90 Tage im Voraus bestellt

Bundeswehr/Thomas Bierbaum


Besonders war dieses Mal, dass wir für einige Wochen Isolationszonen innerhalb des Camps Castor hatten. Diese wurden zum Schutz vor Corona errichtet und alle Neuankömmlinge mussten dort hinein. Die Soldatinnen und Soldaten sowie zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Baufirmen innerhalb dieser Zonen wurden durch unsere Küche ebenfalls mit Essen versorgt. Zu Beginn war das schon eine kleine logistische Herausforderung. Es mussten Thermen, das sind isolierte Transportboxen für Lebensmittel, aus Deutschland nachgefordert werden und auch die Menge an benötigtem Essen erhöhte sich. Vor dem Hintergrund, dass die Verpflegung normalerweise rund 90 Tage im Voraus bestellt werden muss, war es für einige Wochen ein Kraftakt, alles am Laufen zu halten.


Das vermissen wir hier am meisten.

Ein Soldat spricht mit einem Mitarbeiter

Hans-Georg H. prüft täglich die vorgeschriebenen Temperaturen der zubereiteten Mahlzeiten

Bundeswehr/Thomas Bierbaum

Bei der Frage, was wir hier am meisten vermissen, sind Irma und ich uns recht einig. Natürlich fehlen uns hier besonders unsere Familien sowie unsere Freundinnen und Freunde. Gerade in Zeiten von Corona sind die Gedanken doch häufiger daheim bei unseren Liebsten, als es vielleicht in vergangenen Einsätzen der Fall war. Aber es gibt auch andere Dinge, die wir hier vermissen und die daheim ganz selbstverständlich erscheinen. Dazu gehört zum Beispiel das Zwitschern von Vögeln am Morgen, sei es auf dem heimischen Balkon oder im eigenen Garten.

Das sind unsere Pläne, meine Wünsche und Grüße.

In erster Linie freuen wir uns natürlich beide, wenn wir wieder sicher zu Hause bei unseren Familien ankommen. Dann steht erst mal Urlaub an. Aufgrund von Corona dieses Mal allerdings daheim. Im Urlaub einfach mal spontan ein paar Tage wegfahren geht ja derzeit leider nicht. Wir möchten außerdem ganz liebe Grüße an unsere Kolleginnen und Kollegen daheim in den Dienststellen oder auch im Homeoffice senden.

von Hans-Georg H. und Irma S.