Ausbildung bei EUTMEuropean Union Training Mission: Aus Sicht eines Maliers

Ausbildung bei EUTMEuropean Union Training Mission: Aus Sicht eines Maliers

  • Einsatz
  • EUTM Mali
Datum:
Ort:
Koulikoro
Lesedauer:
4 MIN

In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch wie werden die Deutschen vor Ort wahrgenommen? Leutnant Mamadou N. ist Teilnehmer am Kurs „Instandsetzung für Ausbilder“ der EUTMEuropean Union Training Mission in Mali und hat ein besonderes Verhältnis zu Deutschland.

Zwei Malier und ein Deutscher stehen vor einem großen Schild mit der deutschen und malischen Flagge

Das Schild der ECRRA bezeugt eine über 50 Jahre alte Militärkooperation zwischen Mali und Deutschland

Bundeswehr/Markus Bayer

In der Garnisonsstadt Kati, 20 Kilometer nordwestlich von der malischen Hauptstadt Bamako, fällt einem direkt nach dem Ortseingang ein Schild ins Auge, auf dem steht: „Coopération Militaire Germano-Malienne“, auf Deutsch: „Deutsch-malische Militärkooperation“. Es zeugt von der 50-jährigen Militärkooperation zwischen Deutschland und Mali im „Etablissement Centrale de Réparation et Reconstruction Automobile“ (ECRRA). Die Zeiten sind an dem Schild nicht spurlos vorübergegangen. Die Metallhalterungen sind verrostet und die rote Farbe der Deutschlandfahne ist ausgeblichen.

Doch im Inneren der Kaserne herrscht, anders als das Schild vermuten lässt, lebhafte Betriebsamkeit. Nahe dem Eingangstor findet eine EUTMEuropean Union Training Mission-Ausbildung statt. Unter den aufmerksamen Augen eines deutschen Hauptfeldwebels befestigen malische Soldaten ein Abschleppseil an einem liegen gebliebenen Fahrzeug. Führer der malischen Auszubildenden scheint ein jung aussehender malischer Leutnant zu sein. Er steht zwischen Ausbildungsgruppe und Ausbildern. In fließendem Deutsch unterhält er sich mit den Deutschen und gibt deren Anweisungen auf Bambara, einer lokalen malischen Sprache, an die Ausbildungsgruppe weiter.

Deutschland als zweite Heimat

Der deutschsprechende malische Leutnant Mamadou N. hat in der EUTMEuropean Union Training Mission-Ausbildung in Kati nicht das erste Mal Kontakt mit den Deutschen. Er ist ein wichtiges Bindeglied zwischen den Ausbildern des Instandsetzungskurses der EUTMEuropean Union Training Mission in Mali, den malischen Auszubildenden und der Schule. Der 39-Jährige kennt die Deutschen gut.
Im Jahr 2009 habe er das erste Wort Deutsch an der Universität in Bamako gelernt, berichtet er. Seitdem hat ihn Deutschland mehr und mehr in seinen Bann gezogen. Schlussendlich wurde Mamadou N. für ein militärisches Austauschprogramm in Deutschland ausgewählt. Als KfzKraftfahrzeug-Meister kehrte er 2017 zurück nach Mali. Inklusive Sprachkurs am Bundessprachenamt in Köln sowie Praktikum bei IVECO  war er fast vier Jahre in Deutschland. Seine Kenntnisse sind für die EUTMEuropean Union Training Mission in Mali sehr wertvoll.

Ausbildung in der EUTMEuropean Union Training Mission

Ein deutscher Soldat und ein malischer Mann im Blaumann laufen nebeneinander und unterhalten sich

Leutnant Mamadou N. unterhält sich mit dem EUTMEuropean Union Training Mission-Kursleiter Oberleutnant Kai S.

Bundeswehr/Markus Bayer

Im „Instandsetzungskurs für Ausbilder“ von Oberleutnant Kai S. und seinem Team ist Mamadou N. sowohl Teilnehmer als auch Bindeglied zwischen Ausbildern, malischen Auszubildenden und malischer Verwaltung. Durch seine Fachkenntnisse aus Deutschland kann er sich besonders auf die Ausbildertätigkeit konzentrieren. „Leutnant Mamadou N. nimmt hier sicherlich am meisten von der Ausbildung mit“, bestätigt auch der Kursleiter. Zum einen könne er sein Fachwissen auf den neuesten Stand bringen. Noch wichtiger für den EUTMEuropean Union Training Mission-Ausbilder ist jedoch, dass Mamadou N. bei Herausforderungen oder Problemen immer zur Stelle ist: „Wenn wir zum Beispiel Material oder Ausbildungsorte benötigten, war Leutnant Mamadou N. stets der richtige Ansprechpartner.“
 
Nach seiner Rückkehr aus Deutschland bekam Mamadou N. sofort Verantwortung über seine eigene Werkstatt in Kati und wurde stellvertretender Leiter der ECRRA. Damit hat er die Kontrolle über die Halle, in der die praktische Ausbildung des EUTMEuropean Union Training Mission-Instandsetzungskurses zum großen Teil stattfindet. Das angrenzende Lager fällt ebenfalls in seinen Verantwortungsbereich. Bei Bedarf kann Leutnant Mamadou N. flexibel aushelfen. Auch hat er einen direkten Draht zum malischen Kasernenkommandanten, der wichtigsten Person, wenn es um die Bereitstellung von Ausbildungsorten in und um die Kaserne geht. Eine wertvolle Stütze für die EUTMEuropean Union Training Mission.

Entscheidende Motivation: Erfahrung weitergeben

Ein deutscher Soldat redet mit Maliern

Leutnant Mamadou N. hat sein Wissen im Instandsetzungskurs der EUTMEuropean Union Training Mission aufgefrischt

Bundeswehr/Markus Bayer

Leutnant Mamadou N. hätte mit seinen deutschen Abschlüssen außerhalb der Streitkräfte bei einem westlichen Automobilunternehmen sicherlich einen gut bezahlten Beruf finden können. Doch auch wenn Karriere für ihn wichtig ist, überwiegt ein anderer Aspekt. „Ich möchte meine Erfahrung und mein Wissen weitergeben, das schulde ich all jenen hier in Mali, die keine Chance hatten, nach Deutschland zu kommen. Schließlich hat mir die Armee das alles ermöglicht“, erzählt er. Dabei sind sein Wissen und seine Fachkenntnisse äußerst begehrt: „Ich bin der Einzige in der malischen Armee, der zum Beispiel Fahrzeugdiagnosesysteme nutzen kann.“

Seine Werkstatt in Kati soll ein Vorbild in der malischen Armee, in einem stabilen Mali werden. Für deutsche KfzKraftfahrzeug-Mechaniker und Meister sind solche Geräte Selbstverständlichkeiten, für malische Instandsetzungssoldaten nicht. In der Breite der malischen Armee fehlt es an essenziellem Material: Unterlegkeile und Abschlepphaken werden hier regelmäßig von Fahrzeugen der EUTMEuropean Union Training Mission geborgt, undichte Hydraulikleitungen mit Plastiktüten abgedichtet.

Werkstatt erscheint in neuem Glanz

Ein Malier schaut auf andere Malier

Leutnant Mamadou N. führt in Kati eine eigene Werkstatt

Bundeswehr/Markus Bayer

Für Mamadou N. wird der Kurs nicht die letzte Gelegenheit sein, mit Deutschen zusammenzuarbeiten. „Die Ausbildung in Deutschland ist super, keiner kann Deutschland etwas beim Fahrzeugbau vormachen“, findet der malische Leutnant. Nächstes Jahr wird er deshalb für sechs Monate an der Logistikschule in Osterholz-Scharmbeck weitergebildet. Somit wird er auch in den nächsten Logistikkursen der EUTMEuropean Union Training Mission mit aufgefrischtem Fachwissen ein wichtiges Bindeglied zwischen der EUTMEuropean Union Training Mission und den malischen Strukturen in Kati sein.
Die Ausbildungen der EUTMEuropean Union Training Mission in Kati und der deutsch-malische Militäraustausch lassen die ECRRA mit der Werkstatt von Leutnant Mamadou N. in neuem Glanz erstrahlen.

von Markus Bayer

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