Ich bin iM EINsatz: Kommandeur der EU Trainings- und Ausbildungsmission in Mali

Ich bin iM EINsatz: Kommandeur der EU Trainings- und Ausbildungsmission in Mali

Datum:
Ort:
Bamako
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein General hält eine blaue Flagge mit EUTM-Wappen. Hinter ihm viele europäische Flaggen, neben ihm ein französischer Soldat

Brigadegeneral Jochen Deuer bei seiner Kommandoübernahme im Juli 2021

Bundeswehr/Thomas Horvath

Mein Name ist Jochen Deuer. Ich bin 55 Jahre alt, verheiratet und lebe in Berlin. Nach meinem Eintritt in die Bundeswehr 1986 durchlief ich zunächst die Ausbildung zum Offizier, bevor ich in München mein Studium der Betriebswirtschaftslehre absolvierte. Die Multinationalität begleitet mich schon von Beginn an mit Verwendungen als Logistikchef im deutsch-französischen Versorgungsbataillon, meiner Teilnahme am französischen Generalstabslehrgang an der École de Guerre in Paris oder, ganz aktuell, als stellvertretender Chef des Stabes Operationen beim Eurocorps in Straßburg. Das gilt natürlich auch für die Auslandseinsätze bei SFORStabilisation Force in Bosnien, ISAFInternational Security Assistance Force in Afghanistan oder jetzt bei der EUTMEuropean Union Training Mission in Mali – dies ist mein vierter Einsatz.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat in Tropentarn mit Schutzweste und EUTM Mali Patch steigt in einen spanischen Hubschrauber des Typs NH90

Als Kommandeur der EUTMEuropean Union Training Mission Mali ist General Deuer viel unterwegs – aufgrund der großen Distanzen oftmals mit dem Hubschrauber

Bundeswehr/Torsten Stephan

Ich bin der Mission Force Commander der Europäischen Trainingsmission in Mali und trage die Verantwortung für rund 1.100 Soldatinnen und Soldaten aus 25 Nationen. Das kann ich selbstverständlich nicht alleine, sondern nur mit einem Team von Spezialistinnen und Spezialisten, die mich in allen wesentlichen Bereichen, von der Trainingsplanung bis zur Materialbeschaffung, unterstützen. Deshalb beginnt jeder Tag mit einer Morgenlage, in der all unsere Bereiche vortragen und den Stab und mich somit auf den neuesten Stand bringen.

Wichtig ist mir, möglichst häufig draußen bei der Ausbildung zu sein. Findet diese in der Nähe Bamakos statt, wie zum Beispiel der Logistikkurs in Kati, erreiche ich sie mit Fahrzeugen. Häufig liegen die Ausbildungsorte jedoch nicht in unmittelbarer Nähe, sondern in Koulikoro, Ségou, Sévaré oder Gao. Aufgrund der weiten Entfernungen in Mali und dem Sahel erreiche ich diese Ziele mithilfe spanischer NH90-Hubschrauber oder dem Flugzeug.

Für mich ist es ein großes Privileg, dass die malischen Führungskräfte uns europäischen Soldatinnen und Soldaten darin vertrauen, sie bestmöglich auszubilden. Zur Abstimmung und Verbesserung besuche ich sie regelmäßig und stimme mich hierbei auch eng mit den Partnern der Vereinten Nationen, der französischen Operation BARKHANE sowie der zur europäischen Familie gehörenden EU Polizeimission EUCAPEU Capacity Building Mission ab. Das Knüpfen, Pflegen und Intensivieren dieser vielen verschiedenen Kontakte empfinde ich als eine der größten Bereicherungen dieses spannenden und gleichzeitig fordernden Einsatzes.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein deutscher Soldat geht zusammen mit einem malischen Soldaten, beide lachen

Der Mission Force Commander, Brigadegeneral Deuer, unterwegs mit seinen malischen Partnern

Bundeswehr/Torsten Stephan

Die Zusammenarbeit mit den vielen unterschiedlichen europäischen Nationen, aber besonders auch mit unseren Partnern in Mali und in den anderen Sahel-Staaten empfinde ich täglich als eine große Bereicherung. Gleichzeitig habe ich das Glück, vor Ort die Fortschritte im Rahmen der Ausbildung hautnah miterleben zu dürfen. Das spornt mich an und lässt mich trotz der schwierigen Lage zuversichtlich in die Zukunft blicken, auch wenn noch viel Geduld und Arbeit vor uns liegen.

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich meine Familie. Aber auch ein guter Kaffee, eine Fahrt mit dem Fahrrad in und um Berlin oder einfach nur ein nettes Gespräch mit meinen Freunden fehlen mir. Andererseits durfte ich hier auch zahlreiche neue Freundschaften mit tollen Menschen aus verschiedenen Staaten der Europäischen Union, aber auch aus Mali schließen. Sie sind es dann wohl, die mir nach meiner Rückkehr in Deutschland fehlen werden.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ein deutscher General steht an einem grünen Pult, auf dem ein Zettel liegt. Vor ihm stehen viele Soldatinnen und Soldaten.

Bei der Medal Parade der Trainer in Koulikoro wird die Multinationalität der Mission mit insgesamt 25 Nationen deutlich

Bundeswehr/Frankie Schittgen

Für mich ist und bleibt die Sicherheit und Gesundheit der mir anvertrauten Soldatinnen und Soldaten die größte und wichtigste Aufgabe. Ich will, dass sie alle gesund nach Ende ihres Einsatzes zu ihren Familien und Freunden zurückkehren und sich hoffentlich an eine bereichernde und sinnstiftende gemeinsame Zeit in Mali erinnern. Ich wünsche mir sehr, dass wir alle den Staaten im Sahel ernsthaft zuhören, respektvoll mit ihnen umgehen und ihnen dort unsere Unterstützung anbieten, wo sie erforderlich ist.

von Jochen Deuer

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