Der Spähtrupp bei MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali

Der Spähtrupp bei MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali

  • Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

„Der Spähtrupp klärt ab jetzt voraus auf!“, befiehlt Ground Force Commander Thorsten W., der Führer der Aufklärungsoperation. Wenige Minuten später brechen zwei gepanzerte Spähwagen vom Typ Fennek in Richtung Horizont auf, geführt von Hauptfeldwebel Anne K. Für die Spähtruppführerin des Aufklärungsbataillons 13 in Thüringen ist dies nicht der erste Einsatz. Erfahrungen hat sie bereits bei der Mission Resolute Support in Afghanistan und bei Enhanced Forward Presence in Litauen gesammelt – wovon sie hier in Mali profitiert.

Mehrere Soldatinnen und Soldaten stehen vor einem gepanzerten Fahrzeug in der Wüste

Befehlsausgabe: Ab jetzt geht der Spähtrupp von Hauptfeldwebel Anne K. als Erstes voran

Bundeswehr/Patricia Franke

Bereits seit fünf Tagen sind einige Soldatinnen und Soldaten der gemischten Aufklärungskompanie in Nordmali unterwegs. Ihr Auftrag: Aufklären und Informationen sammeln. Nun steht der Rückweg an und es zählt jede Minute. Die Witterungsbedingungen, ein bevorstehendes schweres Gewitter, lassen keinen Zweifel: Der Marsch bei anbrechender Dunkelheit wird eine Herausforderung. Schon wenige Tropfen können den sandigen Boden in der südlichen Sahara so stark aufweichen, dass es für schwere gepanzerte Fahrzeuge problematisch werden kann. Zwar sind die Soldatinnen und Soldaten der Aufklärungskompanie auf solche Situationen vorbereitet, ein unnötiges Risiko möchte hierbei aber niemand eingehen.

Auch auf das Bauchgefühl hören

Eine Soldatin steht mit einem Kameraden vor einer an einem Auto befestigten Karte

Hauptmann Thorsten W. plant mit Hauptfeldwebel Anne K. den Rückmarsch

Bundeswehr/Patricia Franke

Nun kommt es auf Anne K. und ihre Fähigkeiten an. Mit ihrem Trupp, bestehend aus zwei Spähwagen Fennek und ihren Besatzungen, erkundet sie die Marschroute für den Weg zurück ins Camp. „Ich kann während einer Operation schnell und gut einschätzen, ob etwas funktioniert oder nicht. Da höre ich auch viel auf mein Bauchgefühl“, erzählt die gebürtige Thüringerin. Dabei muss sie genau darauf achten, dass die Wege für alle Fahrzeuge in der Marschkolonne geeignet und keine versteckten Sprengfallen vergraben sind.  

Zwölf Stunden später ist klar: Ihr Bauchgefühl hatte recht. Die 40 Fahrzeuge sind sicher im Camp Castor angekommen. „Für mich ist es wichtig, dass die Kompanie weiß, dass sie sich immer auf uns verlassen kann“, berichtet Anne K. Auch der Ground Force Commander Thorsten W. ist zufrieden.

Stolz, Teil der Aufklärungskompanie zu sein

Eine Soldatin steht mit zwei weiteren Soldaten vor einem Fahrzeug in der Wüste und schaut auf eine Karte

Hauptfeldwebel Anne K. bespricht mit einem weiteren Spähtruppführer und dem Ground Force Commander das weitere Vorgehen

Bundeswehr/Patricia Franke

Seit sechs Monaten ist Anne K. in Gao im Norden Malis stationiert. Gemeinsam mit ihren Kameradinnen und Kameraden sammelt sie Informationen, die anschließend an das Force Headquarter der VN nach Bamako übermittelt werden. Mit dieser Arbeit trägt ihr Team maßgeblich zu einem besseren Lagebild der Mission bei.
Das Risiko, das sie dabei eingehen, ist Anne K. bewusst: „Wir sind häufig die ersten in einem Raum. Daher ist es immer riskant, wenn ich mit meinem Trupp vorausfahre“, so die 33-Jährige. Als Spähtruppführerin fährt Anne K. meist mit geöffneter Luke in ihrem gepanzerten Fahrzeug, um Präsenz zu zeigen. Für Hauptfeldwebel K. ist das auch aus einem weiteren Grund wichtig. „Ich muss alles sehen, um führen zu können.“

Start in der Mannschaftslaufbahn

Zwei gepanzerte Fahrzeuge vom Typ Fennek fahren durch die Wüste

Hauptfeldwebel Anne K. startet mit ihrem Spähtrupp

Bundeswehr/Patricia Franke

Der Weg zur Spähtruppführerin war für Anne K. nicht leicht. Im Jahr 2007 hat sie ihren Dienst bei der Bundeswehr angetreten, zunächst in der Laufbahn der Mannschaften. 2011 wechselte sie in die Feldwebellaufbahn. Seitdem ist sie im Aufklärungsbataillon 13 in Thüringen stationiert. Anne K. hat während der körperlich fordernden Ausbildung permanent an sich gearbeitet. „Bei verschiedenen Märschen, Übungen und der Einzelkämpfer-Vorausbildung kann ich nicht sagen ‚Ach, heute lieber nicht.‘“ Ihr Fazit: „Die Ausbildung war anstrengend, aber machbar.“ Das harte Training hat sich ausgezahlt. Inzwischen ist sie im Heimatverband in Gotha stellvertretende Zugführerin und mitverantwortlich für zwölf Soldatinnen und Soldaten. 


Wertschätzung anderer Nationen

Eine Soldatin steht mit einem weiteren Kameraden vor einem irischen Soldaten in der Wüste, im Hintergrund Fahrzeuge

Multinationale Zusammenarbeit: Hauptfeldwebel Anne K. stimmt sich während einer Operation mit einem irischen Kameraden ab

Bundeswehr/Patricia Franke

Ihren Beruf würde sie heute auf keinen Fall tauschen wollen: „Ich weiß nicht, was man Besseres machen könnte.“ Als Spähtruppführerin könne sie entsprechend der Auftragstaktik eigenständig agieren. Das heißt, ihr Vorgesetzter gibt ihr einen klaren Auftrag. In der Art und Weise der Umsetzung ist sie frei. In Mali ist sie für fünf weitere Soldaten zuständig. Insbesondere die Ehrlichkeit, die Zuverlässigkeit und die gute Ausbildung schätzt die Spähtruppführerin an ihren Kameraden. Auch der familiäre Umgang innerhalb des Trupps gefällt Anne K.: gemeinsam essen, schlafen und arbeiten. Für Privatsphäre ist während einer Operation kein Platz.

In Mali operieren die Aufklärer bei MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali immer multinational. „Kürzlich haben irische Kräfte angefragt, ob wir sie bei ihrem Auftrag unterstützen könnten. Darüber freue ich mich natürlich, weil es auch zeigt, dass wir hier gute Arbeit leisten“, sagt Anne K. Genauso wie ihre Kameraden sei sie stolz, Teil der Aufklärungskompanie – und damit der Mission – zu sein. „Wir machen hier einen wichtigen Job. Wir machen das auch für Deutschland“, so die Spähtruppführerin.


von Patricia Franke

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