Ich bin iM EINsatz: Der Fahrzeugkommandant

Ich bin iM EINsatz: Der Fahrzeugkommandant

  • Ich bin im Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat steht in der Wüste vor einem gepanzerten Radfahrzeug

Stabsunteroffizier Patrick H. ist der Fahrzeugkommandant des gepanzerten Dingos und einer fünfköpfigen Besatzung

Bundeswehr/Uwe Weber

Mein Name ist Patrick H., ich komme aus Bamberg und bin 31 Jahre alt. Hier im Einsatz in Gao bin ich als Truppführer und Fahrzeugkommandant auf dem gepanzerten Radfahrzeug Dingo eingesetzt. In der Heimat diene ich im Gebirgspanzerpionierzug des Gebirgspionierbataillons 8 in Ingolstadt. Das klingt für manch einen vielleicht etwas unverständlich, bedeutet aber nichts anderes, als dass wir mit unseren geschützten und gepanzerten Fahrzeugen die eigenen Pionierkräfte sichern. Weiterhin beraten und unterstützen wir andere infanteristische Kräfte, beispielsweise die Gebirgsjäger. Ich bin im vierten Dienstjahr und der Einsatz im Rahmen der VN-Mission MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali ist mein erster Auslandseinsatz für die Bundeswehr.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat steigt in sein Fahrzeug ein, er trägt eine Schutzweste und seine Waffe

Stabsunteroffizier Patrick H. nimmt vorn im Fahrzeug Platz, von hier aus hat er alles im Blick und kann schnell reagieren

Bundeswehr/Uwe Weber

Hier im Einsatz übernehme ich die Verantwortung für eine fünfköpfige Besatzung und mein gepanzertes Fahrzeug. Als Kommandant führe ich das Fahrzeug auf Patrouillen und bin dafür zuständig, dass das Fahrzeug sowie die Waffen einsatzbereit sind und bleiben. Diese Aufgaben erledige ich zusammen mit meinem Team. Dieses besteht aus meinem Kraftfahrer, der das Fahrzeug fährt, einem Bediener, der die Waffenstation sowie weitere Systeme des Fahrzeuges im Griff hat, und den drei Absitzkräften. Diese sind die Ersten, die bei jedem Halt aus dem Fahrzeug aussteigen und die Sicherung des Fahrzeuges und der näheren Umgebung durchführen. Das ist wichtig, damit wir unsere Aufträge sicher durchführen können.

Meine Jungs sind mir besonders wichtig. Ich sorge dafür, dass es ihnen immer gut geht, und bin so gesehen das Bindeglied zwischen ihnen und dem Gruppen- beziehungsweise dem Zugführer. Wir kennen uns alle und haben bereits in der Einsatzvorbereitung zusammen geübt. Durch regelmäßige Trainings verbessern wir ständig unsere Leistungen und ich weiß, dass wir als Team bei unseren Aufträgen sehr gut funktionieren. Wir sind aufeinander eingespielt, was mir ein gutes Gefühl gibt, da ich die Verantwortung für die Besatzung trage. Unsere Hauptaufträge, die Patrouillen in und um Gao sowie die Lagersicherung, gehen wir sehr routiniert an.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Drei Fahrzeuge der Objektschutzkompanie fahren durch die Wüste, die Sonne steht im Hintergrund tief am Himmel

Zu jeder Zeit sorgen die Männer und Frauen der Objektschutzkompanie für die Sicherheit des Camps Castor

Bundeswehr/PAO MINUSMA

Wenn wir außerhalb des Feldlagers unterwegs sind, winkt uns die Bevölkerung zu oder zeigt uns den „Daumen hoch“, das empfinde ich als Bestätigung unserer Arbeit hier. Insbesondere für die Kinder in den Dörfern ist das ein tolles Ereignis, wenn wir vor Ort unsere Präsenz zeigen. Als Besatzung sind wir die meiste Zeit zusammen, trainieren und führen die Operationen im Einsatzgebiet durch. Das schweißt uns sehr zusammen und der Zusammenhalt sowie die Kameradschaft hier sind noch stärker als im Inland.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ein Soldat joggt eine Runde im Camp: Er trägt dabei seine Schutzweste, im Hintergrund gehen zwei weitere Soldaten

Stabsunteroffizier Patrick H. hält sich fit: Regelmäßiges Laufen innerhalb des Camps ist Teil seines Fitnessprogramms

Bundeswehr/Uwe Weber

Ich habe mich schon im Voraus geistig darauf eingestellt, sechs bis sieben Monate von meiner Familie und meinen Freunden getrennt zu sein. Trotzdem vermisse ich sie natürlich, vor allem das gemeinsame Lachen, zusammen durch die Stadt zu schlendern und ein Bierchen zu trinken. Ich habe viel Kontakt nach Hause über Videotelefonie, das läuft hier zum Glück meistens ganz gut. Wenn die Aufträge es zulassen, telefoniere ich mindestens dreimal in der Woche. Das ist gut für das Gemüt und man weiß, dass man auch vermisst wird.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ein Soldat schaut aus einer Stellung, die mit Sandsäcken verstärkt ist

Stabsunteroffizier H. blickt konzentriert nach vorn: Bei der Lagersicherung gilt es, wachsam zu sein

Bundeswehr/Uwe Weber

Ich wünsche uns allen seelische und körperliche Unversehrtheit, auch noch lange nach dem Einsatz. Zudem wünsche ich mir, dass die Bevölkerung sowie die Politik uns und das, was wir hier tun, mehr zu schätzen wissen. Schöne Grüße aus dem Camp Castor in Mali schicke ich meiner Familie, meinen Freunden, meinem ehemaligen Verein FCFinanzen und Controlling Falke Röbersdorf und allen, die mich in Bamberg kennen. Haltet auch in Zeiten von COVID-19Coronavirus Disease 2019 und des Lockdowns durch und vor allem zusammen.

von Patrick H.

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