MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali: Baugrunduntersuchung im Einsatz

MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali: Baugrunduntersuchung im Einsatz

  • Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

In vielen Einsatzgebieten der Bundeswehr gehören Containerbauten in Form von Unterkünften oder Büros zum gewohnten Bild der Feldlager. Diese sind zweckmäßig und bieten den Soldatinnen und Soldaten eine moderne Unterkunft sowie gute, klimatisierte Arbeitsbedingungen. Dabei muss diese wichtige Infrastruktur zunächst einmal geplant und errichtet werden. Im Prozess unverzichtbar: die Einsatzgeologen des Zentrums für Geoinformationswesen der Bundeswehr. Ohne sie könnten die meisten Bauvorhaben gar nicht erst starten.

Baugrunduntersuchung sorgt für Nachhaltigkeit

Ein Soldat steht in einer Grube und macht sich Notizen zur Bodenbeschaffenheit

Damit Fundament und Bodenplatte bestehen können, muss die Bodenbeschaffenheit erkundet werden

Bundeswehr/Frank Wiedemann

Die Feldlager in den Auslandseinsätzen entwickeln sich je nach Lage und Auftrag, neue Objekte entstehen, nicht mehr benötigte müssen weichen. Im Camp Castor steht den Soldatinnen und Soldaten zunehmend moderne Infrastruktur zum Leben und Arbeiten zur Verfügung, die Zeit der Behelfsunterkünfte ist weitestgehend vorüber.
Bevor ein neues Gebäude errichtet werden kann, muss der Geologentrupp ran. Sie liefern mit ihren Baugrunduntersuchungen wichtige Erkenntnisse, zum Beispiel Kennwerte zur Bodenbeschaffenheit und Tragfähigkeit. Eine Bewertung dieser Geofaktoren ist unverzichtbar für das Planen der Fundamente oder Bodenplatten. Auf diese Weise können Schäden an den Bauwerken nach dem Bau vermieden und die Nutzungsdauer verlängert werden.

Spezialraupe erleichtert die Arbeit

Eine Spezialraupe, circa zwei Meter lang und einen Meter breit

Kraftpaket im Einsatz: Die Spezialraupe wird von den Geologen liebevoll „Rhino“ genannt

Bundeswehr/Frank Wiedemann


Für diese aufwendigen Untersuchungen ist je nach Bauvorhaben eine Bodenerkundung bis in mehrere Meter Tiefe notwendig. Die dafür zuständige Sondierraupe ist in der Lage, Bodenproben aus bis 15 Metern Tiefe zu entnehmen. Bei der Raupe sprechen wir von einem echten Schwergewicht. In der Grundkonfiguration bringt sie rund 1,2 Tonnen auf die Waage, kommt das Sondiergestänge hinzu, erhöht sich ihr Gewicht nochmals um bis zu 400 Kilogramm. Mit einer Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde ist das Fahrzeug sicherlich kein Rennauto, dafür aber äußerst geländegängig. Das Kettenfahrwerk kann zudem in der Spur verbreitert werden – das bietet zusätzliche Standsicherheit auch in schwierigem Gelände. Trotz des beachtlichen Gewichts ist die Sondierraupe ein kompaktes Gerät, das sogar problemlos mit einem Hubschrauber zum Einsatzort gebracht werden kann.

Bodenprobe auf Bestellung

Ein Soldat steht vor der Sondierraupe und befestigt eine Sonde, im Hintergrund Container

Der Geologentrupp befestigt die Sonde zwecks Probennahme an der Sondierraupe

Bundeswehr/Frank Wiedemann

Nimmt die Sondierraupe ihre Arbeit auf, wird es spannend: Mit dem vollhydraulischen Mast, der wahlweise ein Fallgewicht oder einen hydraulischen Schlaghammer aufnehmen kann, wird das Bohrgestänge Meter um Meter in den Boden getrieben. Zum Vergleich: Um diese Bohrleistung zu erreichen, müsste man circa 40 handelsübliche Schlagbohrmaschinen zusammen einsetzen.
Wenn die vorgesehene Tiefe erreicht ist, muss das Sondiergestänge wieder aus dem Boden gezogen werden. Dafür sind große Zugkräfte notwendig, bei Bedarf lässt sich für eine bessere Kraftübertragung der Mast bis zu drei Meter ausfahren. Alle, die schon einmal einen alten Gartenzaunpfahl aus dem Boden ziehen wollten, kennen das Phänomen: Hier kann es schwierig werden. Für den Fall, dass die 15 Tonnen Zugkraft des Mastes nicht ausreichen, kann ein 21-Tonnen-Zuggerät angeschlossen werden. Grundsätzlich lässt sich das Gerät mittels Fernbedienung auch aus sicherer Entfernung bedienen und fahren.

Auswertung der Erkenntnisse

Ein Soldat steht an der Raupe und begutachtet die erste Bodenprobe in der Sonde

Die erste Auswertung der Bodenproben kann direkt vor Ort beginnen

Bundeswehr/Frank Wiedemann

Wenn das Sondiergestänge aus dem Boden geborgen wurde, beginnt die eigentliche Arbeit der Einsatzgeologen: Sie analysieren Bodenproben aus der Tiefe und ermitteln die entsprechenden Kennwerte des Baugrundes. Erste Proben werden direkt am Sondierpunkt vom Einsatzgeologen mit einer „Bodenansprache“ ausgewertet. Dabei steht zunächst die Zusammensetzung und Beschaffenheit des Bodens im Fokus. Der Fachmann nutzt die Ergebnisse, um Grundsätzliches zur Nutzbarkeit des Bodens sagen zu können.

Im Regelfall wird eine Bodenprobe zusätzlich ins Labor nach Deutschland geschickt. Das Erd- und Grundbaulabor der Wehrtechnischen Dienststelle 41 in Koblenz unterstützt bei der Analyse der Bodenprobe. Hierbei steht im Bedarfsfall die gesamte Palette zum Bestimmen der Bodeneigenschaften zur Verfügung. Anschließend erfolgen die Bewertung sowie die Gründungsbeurteilung für das geplante Bauvorhaben durch den Einsatzgeologen. Dieser abschließende Bericht ist der Ausgangspunkt für alle weiteren Arbeitsschritte – bis hin zum fertigen Bauwerk. „Auf die Standsicherheit gebe ich dann auch eine gewisse Garantie“, schmunzelt der verantwortliche Einsatzgeologe.

von Uwe Weber

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