MINUSMA: Aufklärer im Krisenherd

MINUSMA: Aufklärer im Krisenherd

  • Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

Raubüberfälle, tödliche Übergriffe und improvisierte Sprengfallen: Tin Hama die südöstliche Ortschaft Malis ist seit Monaten von Gewalt bestimmt. Ethnische Spannungen, Terroristen und Kriminelle nutzen die angespannte Sicherheitslage, um sich daraus einen Vorteil zu verschaffen. Genau dort setzt die Operation an. Die Aufklärer der Intelligence Surveillance Reconnaissance Company (ISRIntelligence, Surveillance and Reconnaissance) sollen Bewegungen von Kriminellen und Aufständischen aufklären. Dazu führt sie ihr Kompaniechef, Hauptmann Jan-Christoph S., in die Mitte des Krisenherdes.

Menschen und Fahrzeuge auf einem Marktplatz

Wilder Trubel herrscht am Markttag im Dorf

Bundeswehr / Marcus Schaller

Angespannte Sicherheitslage vor Ort

Kurz nach sieben Uhr morgens machen sich die Aufklärer auf den Weg. Sie werden von Kameraden der Unterstützungs- und Objektschutzkompanie aus Gao begleitet. „Kraftstoff, Essen und weitere Versorgung müssen für die nächsten vier Tage mitgeführt werden. Aber die angespannte Sicherheitslage vor Ort lässt uns keine Wahl – wir müssen auf alles vorbereitet sein.“, sagt der erfahrene Kompaniechef. Er hat mittlerweile unzählige Operationen geführt, war mit seinen Männern über Tage außerhalb des Lagers. „Wir sind mittlerweile vier Monate hier und haben einiges an Erfahrung sammeln können. Nichtsdestotrotz müssen wir uns auf jede Operation immer wieder neu und gewissenhaft vorbereiten. Für Fehler gibt es im Einsatz keinen Platz.“, macht er deutlich.

Aufklärung beginnt

Ein Luftbild von einem Fluss mit einer querenden Brücke

Luftbild einer Aufklärungsdrohne „HERON“

Bundeswehr / PAO MINUSMA

Nach vier Stunden Marsch erreichen die ersten Spähwagen „Fennek” die kleine Ortschaft. Sie beziehen Stellungen und beobachten. Melden jedes ungewöhnliche Ereignis. Dann macht sich der belgische Aufklärungszug auf in die Stadt. Alles ist klar koordiniert. Hauptmann Jan-Christoph S. hat mit seiner beweglichen Befehlsstelle zu jeder Zeit einen Überblick über seine Männer und Frauen. Nach Ankunft vor Ort sprechen die belgischen Kameraden die Dorfbewohner an, fragen, wie es ihnen geht und ob sie sich bedroht fühlen.

Es ist unübersichtlich

Die Lage hier in Mali ist sehr komplex. Sie wird bestimmt durch ethnische Spannungen, Flüchtlingsströme und islamistische Terrorgruppen. Zusätzlich kämpfen eine Vielzahl von weiteren bewaffneten Gruppen um die Vorherrschaft in Mali. Jan-Christoph S erklärt: “Die Lage ist für alle sehr unübersichtlich, aber wir versuchen Stück für Stück ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.” Jeder Motorradfahrer kann ein unbescholtener Bürger Malis sein – oder ein Krimineller, welcher die Aufklärer beobachtet. Die Lage bleibt angespannt. Die Bevölkerung reagiert in diesem Raum verhalten. Es ist Markttag, viele junge Menschen sind unterwegs. Die Lage wird unübersichtlicher. Hier behält Hauptmann Jan-Christoph S. den Überblick.

Aufklärung aus der Luft

Er lässt sich Lageinformationen von „Heron“ geben, welche über den Aufklärern kreist. So weiß er immer, was auch einige Kilometer von ihm entfernt passiert. Die Drohne gibt allen Soldaten am Boden weitere Sicherheit im Handeln. In der Ferne sind Maschinen im Himmel zu erkennen. Die salvadorianischen Kameraden aus Camp Castor unterstützen die Aufklärer mit ihren Helikoptern. Sie sind ein wichtiger Teil der Operation, sie können im Notfall schnell reagieren. “Die Helikopter und Heron am Himmel erleichtern uns die Arbeit hier sehr. Wir können uns voll auf unseren Job konzentrieren.”, erklärt Jan-Christoph S.

Zwei Gefechtsfahrzeuge fahren in der Wüste

Zwei „Fenneks“ fahren in ihr Aufklärungsgebiet

Bundeswehr / Marcus Schaller

Aufklären – Erkennen - Melden

Von Tin Hama aus lässt der Kompaniechef seine Aufklärer weiter in den Norden aufklären. Dort ist eine der Hauptverbindungsstraßen in den Osten des Landes. Sie ist die Lebensader vieler Dörfer, an ihr führt kein Weg vorbei. Seit Jahren kommt es hier zu Sprengstoffanschlägen. Terroristen nutzen die günstige Lage der Straße aus, um ihre Ziele zu treffen. Mit diesem Wissen klären Jan-Christophs Soldaten auf. Sie beherrschen ihr Handwerk und sind sich dem unsicheren Umfeld zu jeder Zeit bewusst. Auch im nächsten Dorf ist die Stimmung der Bevölkerung verhalten. “Normalerweise ist uns die Bevölkerung sehr freundlich gesinnt. Hier sind wir nicht so oft, daher reagiert sie etwas zurückhaltend. Das kann ich verstehen.”, erklärt der Kompaniechef.

Rückmarsch

Nach drei anstrengenden Tagen in der Wüste gibt Jan-Christoph S. seinen Befehl für den Rückmarsch. Seine Soldaten kennen den Weg, belastende fünf Stunden Marsch durch steiniges und sandiges Gelände liegen vor ihnen. Angekommen im Camp Castor resümiert Jan ein letztes Mal: “Meine Soldaten haben wieder einmal einen Auftrag erfüllt. Jetzt geht es ans Berichteschreiben und in die Nachbereitung. In wenigen Tagen beginnt bereits unsere nächste Operation. Wir wollen hier viel erreichen.”

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