Ein besonderes Kaliber: Der „Gun Shop“ in Mali

Ein besonderes Kaliber: Der „Gun Shop“ in Mali

  • Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
4 MIN

„Mit schlechten Waffen wird man nie gut schießen“ – wusste im 17. Jahrhundert bereits der spanische Schriftsteller Baltasar Gracián y Morales. Jede Armee braucht funktionierende Waffen. In einem Krisengebiet wie Mali ist die Waffe nicht weniger als eine Lebensversicherung. Aus diesem Grund sorgen die Soldatinnen und Soldaten des 12. Deutschen Einsatzkontingentes MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali in Mali permanent dafür, ihre Waffen, wie das Gewehr G36, für den Ernstfall einsatzbereit zu halten.

Warum „Gun Shop“?

Zwei Soldaten prüfen die Optronik der aufgesetzten Waffe

Der „Gun Shop“ setzt auch die Optiken und Optroniken der Waffen und Waffenanlagen instand

Bundeswehr/Elisabeth Rabe

Um die Waffen des deutschen Kontingentes in Mali stets einsatzbereit zu halten, stehen die Soldatinnen und Soldaten der Instandsetzungsgruppe für Handwaffen im Camp Castor, nahe der malischen Stadt Gao, rund um die Uhr bereit. Im Laufe der Zeit hat sich dafür bei der Truppe der Begriff „Gun Shop“ etabliert. Was genau passiert dort? „Unser Auftrag ist es, die Waffen und Waffenanlagen, sowie die Optiken instand zu setzten. Mit meinem Team führen wir regelmäßig  erforderliche Wartungsarbeiten an den Schusswaffen durch“, beschreibt Hauptfeldwebel Ignat N., Gruppenführer und Waffenfeldwebel, seine wichtige Arbeit.

Eine in ihre Einzelteile zerlegte Pistole liegt auf dem Tisch

Für eine gründliche Reinigung muss die Pistole P8 in ihre Einzelteile zerlegt werden

Bundeswehr/Elisabeth Rabe

Dabei reflektiert die große Nachfrage im „Gun Shop“ das hohe Operationstempo in Mali. Da wäre zunächst einmal der allgemeine Verschleiß, also die Abnutzung von Metall und Kunststoff an den Waffen. Speziell in Mali setzen aber auch die hohen Temperaturen den Waffen erheblich zu, weiß Hauptfeldwebel Ignat N.: „Die Waffen sind hier einer ganz anderen Belastung als in Deutschland ausgesetzt. Durch die enorme Hitze – von außen durch Sonneneinstrahlung, von innen durch Schussbelastung – wird das Material weich und verschleißt noch schneller.“

Erschwerend hinzu kommt die extreme Beanspruchung des Materials durch feinen Sand und Staub im Gelände. Die feinen Partikel setzen sich in jeder Rille der Waffe ab. Dies führt zu einem Scheuereffekt: Der Sand wirkt wie Schleifpapier auf das Material und nutzt es dadurch viel schneller ab als gewöhnlich. Um dem entgegen zu wirken, müssen die Gewehre und die Pistole P8 vom Fachpersonal komplett zerlegt werden. Nur so können die vielen kleinen Einzelteile gründlich gereinigt werden.

Ignat N. macht deutlich: „Wir stellen für alle Waffen und Waffenanlagen, die die Truppe hier in Mali nutzt, passendes Reinigungsmaterial zu Verfügung. Wir stehen immer bereit, sollten Fragen oder Probleme beim Reinigen, Zerlegen oder Zusammensetzen der Waffen auftreten.“

Mehrere Tausend Waffen an drei Standorten

Ein Soldat nimmt die Feder aus dem Magazin des Gewehr G36

Aufgrund der Hitze leiden die Federn der Magazine, weswegen sie regelmäßig getauscht werden müssen

Bundeswehr/Elisabeth Rabe


Ein typischer Fall im „Gun Shop“? Obermaat Alexander J., Waffenunteroffizier, berichtet: „Routinearbeit ist der Austausch von Magazinfedern. Diese stauchen sich bei der Hitze so stark zusammen, dass manchmal die letzte Patrone nicht mehr in das Rohr der Waffe gedrückt wird.“ Aber die Arbeit ist nicht allein auf den „Gun Shop“ in Gao beschränkt. Von Bamako bis Niamey: Das Team von Hauptfeldwebel Ignat N. ist regelmäßig auf Reisen. Denn: „Wir sind für alle Waffen an den Standorten der MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali-Mission zuständig. Insgesamt kümmern wir uns um 2.600 Waffen.“ Bei der Vielfalt des Materials ist eine gewisse Expertise unerlässlich. Ignat N. fasst zusammen: „Wir sprechen von knapp 35 verschiedenen Waffen, Waffensystemen und dazugehörigen Optiken.“


Millimeterarbeit für das Trefferbild

Ein Soldat schaut durch die Optik eines Scharfschützengewehres

Der „Gun Shop“ stellt auch sicher, dass die Waffen exakt dort treffen, wohin der Schütze zielt

Bundeswehr/Elisabeth Rabe


Neben dem „Gun Shop“ zählt auch die Schießbahn außerhalb des Camp Castor zum Arbeitsplatz der Waffenspezialisten. Zur Instandsetzung und Wartung der Waffen gehört nämlich auch deren Justierung: So sorgen die Männer und Frauen nicht nur dafür, dass die Waffen funktionieren – sie stellen auch sicher, dass sie exakt dort treffen, wohin der Schütze zielt. „Der „Gun Shop“ verfügt über einen eigenen Justiercontainer. In diesem justieren wir die Waffen mit einem Laser. Die anschließende Feinjustierung führen wir dann gemeinsam mit den Schützen auf der Schießbahn durch“, erklärt Hauptfeldwebel N. Schmunzelnd ergänzt er: „Das Ziel ist: Jeder Schuss ein Treffer“.


Internationale Waffen und Bediener

Soldatinnen und Soldaten setzten ihre vorher zerlegten Gewehre wieder zusammen

Auch Soldatinnen und Soldaten von Partner-Nationen nehmen gerne die Fachexpertise des „Gun Shops“ in Anspruch

Bundeswehr/Elisabeth Rabe


Internationales Stimmengewirr im „Gun Shop“ ist keine Seltenheit. Denn auch die Soldatinnen und Soldaten der anderen MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali-Nationen im Camp nehmen die Unterstützung der deutschen Waffenspezialisten gerne in Anspruch. „Wir arbeiten sehr eng mit den belgischen, salvadorianischen und rumänischen Kameraden zusammen. Teilweise nutzt die Bundeswehr die gleichen Waffensysteme wie die anderen Nationen in Gao – so, können wir bei Fragen und Problemen weiterhelfen“, erläutert Ignat N.

Dabei findet der Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den Truppen der befreundeten Nationen nicht nur im „Gun Shop“ statt. „Wenn wir auf der Schießbahn sind, lassen wir uns auch gerne an den Gewehren und Pistolen der internationalen Kameraden einweisen. Je besser wir die Waffen der Anderen hier im Feldlager kennen, desto zielgerichteter können wir bei Störungen unterstützen“, erzählt Stabsunteroffizier Nico Z. Er ist ebenfalls als Waffenunteroffizier in Mali eingesetzt.


Das Herzstück des Camp Castor

Multinationale Soldatinnen und Soldaten stehen vor dem „Gun Shop“

Kameradschaft und Teamgeist hat im „Gun Shop“ oberste Priorität

Bundeswehr/Elisabeth Rabe

Wer den „Gun Shop“ im Camp Castor besucht, merkt schnell: Alle sind willkommen und können jederzeit auf die Hilfe von Ignat N. und seinem Team zählen. Im Laufe der Zeit hat sich der „Gun Shop“ somit zum Herzstück des Camps entwickelt. Davon zeugt nicht zuletzt der tägliche und äußerst rege Publikumsverkehr. Denn alle Soldatinnen und Soldaten wissen: Professionelle Vorbereitung ist die halbe Miete. Das gilt umso mehr, wenn es um lebensrettende Waffen im Einsatz geht. Schriftsteller Baltasar Gracián y Morales wäre sicherlich zufrieden, wenn er das Team von Ignat N. im Einsatz sehen könnte. 

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Ein Soldat schießt mit der Granatmaschinenwaffe

Die Granatmaschinenwaffe wird auf der Schießbahn eingeschossen

Bundeswehr/Elisabeth Rabe
Ein Spähwagen Fennek schießt auf der Schießbahn

Neben den Handwaffen müssen auch die Waffenstationen des Spähwagens Fennek justiert werden

Bundeswehr/Elisabeth Rabe
Ein Soldat schießt mit der Granatmaschinenwaffe, während ein Zweiter die Treffer im Ziel bewertet

Auf der Schießbahn überprüfen die Soldatinnen und Soldaten den Haltepunkt der Granatmaschinenwaffe

Bundeswehr/Elisabeth Rabe
Soldatinnen und Soldaten stehen um einen Tisch und reinigen die zerlegten Waffen

Im „Gun Shop“ wird alles gereinigt: Das deutsche Gewehr G36, das salvatorische Sturmgewehr Colt M4 und auch das rumänische Sturmgewehr AK PA md. 86

Bundeswehr/Elisabeth Rabe
Zwei Soldaten sitzen vor einem Bildschirm in einem Spähwagen

Die Soldaten des „Gun Shops“ überprüfen den Bildschirm der Waffenstation im Spähwagen Fennek

Bundeswehr/Elisabeth Rabe
Ein Gewehr G36 liegt eingespannt in einer Vorrichtung

Im Justiercontainer werden die Waffen für die Schießbahn „vorjustiert“

Bundeswehr/Elisabeth Rabe

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von Elisabeth Rabe

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