Mali: Spurensuche nach dem Anschlag

Mali: Spurensuche nach dem Anschlag

  • Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Mali
Lesedauer:
3 MIN
Zerstörtes Auto

Der erste Blick auf die Zerstörung

Bundeswehr / PAO MINUSMA

Anschlag auf das Koulikoro-Training-Center

Der Einsatz beginnt im Camp Castor. Die Spezialisten werden zusammengerufen -  Lagebesprechung: Anschlag im Koulikoro-Training-Center (KTCKoulikoro Training Center). Zwei Fahrzeuge wurden zu Bomben umgebaut‚ es fielen Gewehrschüsse. Die Angreifer konnten ihr Ziel jedoch nicht erreichen, der Angriff wurde abgewehrt. Der Anschlag beschäftigt jetzt das Team. Rückschlüsse zum Tathergang müssen ermittelt werden. Sie sind wichtig, um Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Das kann Leben retten. „Jetzt ist es notwendig, sich schnell einen Überblick zu verschaffen“, erklärt Leutnant Matthias S. Er ist der Infanterist und Teamführer. Wie ist der Anschlag abgelaufen? Matthias betrachtet den Anschlag aus „Tätersicht“. Die Absicht der Angreifer und das eingesetzte Material spielen daher eine wichtige Rolle.

Ermittlungen vor Ort sind nicht einfach

Soldat zeichnet etwas an eine Wand

Der Schusskanal wird von der Einschlagstelle aus berechnet

Bundeswehr / PAO MINUSMA

In Koulikoro bilden deutsche Soldaten malische Soldaten aus. In Koulikoro angekommen, stellen die Soldaten sofort Verbindung mit dem Verantwortlichen vor Ort her. Der weist sie direkt ein. „Nicht einfach. Bereits andere, lokale Ermittlungseinheiten untersuchen hier schon. Wir können nicht unbedingt nach unserem Schema auswerten“, stellt Leutnant Matthias fest. Er teilt das Team in seine Aufgabenbereiche auf. Jetzt beginnt die akribische Ermittlungsarbeit. „CSI-MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali im Einsatz.“

Befragungen runden das Lagebild ab

Zeugen des Vorfalls werden befragt. Malische und spanische Sicherungskräfte sind direkt betroffen. „Die Befragung von Zeugen und die Beweissicherung verläuft reibungslos“, erklärt Hauptmann Felix vom militärischen Nachrichtenwesen.

Gewaltige Explosion

Explosionskrater, Verpackungsmaterial und Munitionsteile geben Rückschlüsse auf den Tathergang. Alles ist erst einmal wichtig. Manche Spuren führen bis zu 100 Meter weit vom Anschlagsort weg. „Daran erkennen wir, wie gewaltig die Explosion gewesen sein muss“, beschreibt Hauptfeldwebel Danny die Situation. Er ist der Fachmann für die Kampfmittelabwehr. Er analysiert das verwendete Sprengmittel. Wie funktionierte der Sprengsatz? Welche Art Sprengstoff wurde verwendet?

Markieren – fotografieren – asservieren

Soldaten beim Vermessen

Auch der Explosionskrater muss vermessen werden

Bundeswehr / PAO MINUSMA

Stabsfeldwebel Tom ist der Fachmann der Feldjäger. Als Erheber und Ermittler markiert, fotografiert und asserviert Tom die Beweismittel. „Wichtig ist das professionelle Arbeiten von der ersten Sekunde an“, beschreibt er seine Arbeit. „Wir sind die Einzigen vor Ort, die durch gerichtsverwertbares Arbeiten die Beweiskette bis zu einem eventuellen Gerichtverfahren sicherstellen können“, stellt Tom fest. DNA sichern, Fingerspuren sichtbar machen, Explosionskrater vermessen, Schusskanäle berechnen. Jedes sichergestellte Teil wird verpackt, beschriftet und für die spätere Untersuchung gesichert.
Alle Videos und Bilder von einem Anschlag fließen mit in die Auswertung. In Gao zurück, bereitet Stabsfeldwebel Tom die Beweismittel für den Transport nach Deutschland vor. Dort werden die Asservate weiter untersucht. In Deutschland hat das Team zusammen trainiert. „Jetzt wird es das erste Mal im Einsatz angewendet“, erklärt Tom.

Wie im Tunnel

Soldat im Vordergrund, im Hintergrund viele Menschen

Matthias ist auf der Suche nach Beweismitteln

Bundeswehr / PAO MINUSMA

„Wir sind während der Auswertung wie in einem Tunnel. Es wird uns erst danach bewusst, dass wir gerade das erste Weapons-Intelligence-Team der Bundeswehr zum Einsatz gebracht haben“, stellt Matthias fest. Zurück im Camp Castor wird nun das Dokumentierte zu einem Report zusammengefasst. „Wir sind mit den erzielten Ergebnissen sehr zufrieden. Wir als erstes Weapons-Intelligence-Team im Einsatz konnten echt gute Erfahrungen sammeln“, fasst Matthias zusammen und ergänzt: „Das Wichtigste ist, dass unsere Ergebnisse Leben retten können.“

von Guido Ritter

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