Ein Team, ein Ziel: Personenschützer bei UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon

Ein Team, ein Ziel: Personenschützer bei UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon

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  • UNIFIL
Datum:
Ort:
Naqura
Lesedauer:
5 MIN

Sie alle gehören dem Feldjägerregiment 2 in Hilden/Nordrhein-Westfalen an und für alle ist es das erste Mal, dass sie einen himmelblauen Patch der Vereinten Nationen tragen. Auch die Tatsache, Teil eines Marinekontingentes zu sein, ist neu. Ihr Auftrag: als Personenschützer den Commander der UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon Maritime Task Force (MTFMaritime Task Force) bei seinen Fahrten durch das Land schützen. Ein Auftrag, den sie schon aus Afghanistan kennen, und doch unterscheidet sich ihr Einsatz im Libanon von jenem am Hindukusch.

Gruppenfoto der sechs Personenschützer mit Flottillenadmiral Schulz

Das Team der Personenschützer aus dem 47. Einsatzkontingent UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon mit dem Commander MTFMaritime Task Force Flotillenadmiral Axel Schulz

Bundeswehr/Daniel Angres

CPT steht für „Close Protection Team“ und ist auf die Ärmel der Uniformbluse genäht. Darunter das himmelblaue Patch der Vereinten Nationen und an der Dienstgradschlaufe leuchtet die orangefarbene Litze, die zeigt, dass der Träger der Uniform Feldjäger ist. Martin N. ist Hauptfeldwebel und Kommandoführer der Personenschützer. Er ist erfahren und hat schon einige Einsätze, vorwiegend in Afghanistan, hinter sich. Alle Angehörigen „seines“ Kommandos wurden bei den Feldjägern zum Feldwebel ausgebildet und erwarben anschließend die Zusatzqualifikation des Personenschützers.

Beim Grundlehrgang stehen Prüfungen in unterschiedlichen Bereichen, beispielsweise Fahrtraining, Schießen, Taktik und Selbstverteidigung, auf dem Programm. Erst wenn alle Prüfungen und damit der Lehrgang erfolgreich bestanden sind, dürfen sich die Soldatinnen und Soldaten Personenschützer nennen. Diese Spezialisierung wird in besonderen Lagen sowie im Auslandseinsatz benötigt. Der Dienstalltag in Deutschland wird durch die Wahrnehmung des Feldjägerdienstes allgemein geprägt.

Jeder Einsatz ist anders

Sechs Soldaten stehen vor einer Lagekarte, einer weist mit einen Zeigestab auf einen Punkt der Karte

Das Feldjägerteam bespricht sich regelmäßig, dabei werden alle Informationen für ein ausgeprägtes Lagebild zusammengetragen

Bundeswehr/Tim Gabrys

Der Tag beginnt früh am Morgen. Wenn keine Tour mit dem „Boss“ anliegt, wird gemeinsam Sport gemacht. Ansonsten beginnt der Tag mit einer Lagebesprechung im Büro, bei der alle relevanten Informationen für das Team zusammengetragen werden. Jeder hat bestimmte Aufgaben und trägt seine Informationen in der Lagebesprechung vor, sodass sich ein komplettes Lagebild für den jeweiligen Einsatz ergibt. Dabei sind sie auch auf externe Stellen angewiesen, die ihnen beispielsweise sicherheitsrelevante Informationen über die Fahrtroute für den Tag geben. Trotz der guten Vorbereitung kann es vorkommen, dass das Team und seine Schutzperson hin und wieder überrascht werden und unvorhergesehene Ereignisse rasche Entscheidungen seitens des Kommandoführers erfordern. Beispielsweise können unangemeldete Demonstrationen die Wagenkolonne ausbremsen, in einer solchen Situation muss innerhalb von Sekunden flexibel reagiert werden. „Stehen bleiben ist die schlechteste aller Möglichkeiten. Dabei wird man angreifbar“, so Hauptfeldwebel Nils Z., der stellvertretende Kommandoführer.  

Schnelle Autos fahren kann harte Arbeit bedeuten 

Drei weiße Geländewagen stehen nebeneinander. Drei Soldaten stehen mit verschränkten Armen vor den Fahrzeugen

Drei 280 PS starke SUVs und ihre Fahrer Oberfeldwebel Marcel R., Feldwebel Eddy P. und Oberfeldwebel Oskar L.

Bundeswehr/Tim Gabrys

Ihre Fahrzeuge sehen identisch aus, unterscheiden sich jedoch auftragsbezogen – vor allem im Innenbereich. Jedes der Fahrzeuge ist gepanzert, hat 280 PS und wiegt über sechs Tonnen. Allein die Tür zuzuschlagen ist ein Kraftakt. Hinzu kommt die Verriegelung der Minensperre. „Die Motoren braucht man, um in einer schwierigen Situation das Fahrzeug zu beschleunigen und – falls nötig – so schnell wie möglich loszufahren“, so Oberfeldwebel Marcel R.
Was sich kraftvoll anfühlt und cool anhört, kann körperlich sehr anstrengend sein. „Der Komfort tritt gegenüber den Schutzmaßnahmen in den Hintergrund“, erklärt Hauptfeldwebel Chris S., einer der Personenschützer. Acht Stunden im Auto zu sitzen kann harte körperliche Arbeit sein. „Vor allem muss man als Fahrer immer extrem aufmerksam sein, sich auf den Verkehr konzentrieren, sich orientieren und immer das Umfeld im Auge behalten – und das oft stundenlang“, berichtet Oberfeldwebel Oskar L., der Fahrer eines der Fahrzeuge.

Immer achtsam sein, darauf kommt es an

Ein Soldat steht am weißen Geländewagen aus dem der Admiral steigt

Beim Stopp und dem Ausstieg des Commander MTFMaritime Task Force behält der Personenschützer das Umfeld stets im Blick

Bundeswehr/Tim Gabrys

Auf der Fahrt in den Sektor East im UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon-Gebiet geht es sprichwörtlich über „Stock und Stein“: von gut ausgebauten Straßen über einen kleinen Serpentinenweg bis zu einem Teilstück nicht befestigter Schotterpiste. Hochkonzentriert sitzen Fahrer und Beifahrer in den drei Wagen. Nach gut einer Stunde ein kurzer Stopp, die Kolonne ist gut in der Zeit, aber auch eine kurze Pause will gut geplant sein. Die Wagen werden auf den Parkplatz gefahren und gedreht, sodass eine Abfahrt Richtung Straße sofort möglich ist. Das Team schwärmt nach den Anweisungen des Teamführers aus und sichert den Bereich des Parkplatzes. Nur der Teamführer bleibt nah am „Boss“. In ihren Flecktarnanzügen sind sie kaum sichtbar und beobachten hochkonzentriert ihren zugewiesenen Bereich. Schon bald darauf kommt ein Bus, hält schräg vor der Ausfahrt und versperrt diese. Auch auf diese unvorhersehbare Situation reagiert das Team professionell und lässt Abfahrbereitschaft herstellen.

Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz

Zwei Soldaten sitzen in einem Büro. Im Vordergrund steht ein weiterer Soldat mit einer Kaffeetasse in der Hand

Der Auftrag wird von Anfang bis Ende noch einmal besprochen, um es beim nächsten Mal noch besser zu machen

Bundeswehr/Martin Nowak

Entspannt sitzen die sechs Feldjäger nach einem langen Tag in ihrem Office und lachen - die Anspannung fällt langsam ab. Doch der Tag ist noch nicht zu Ende. Die Waffen müssen gereinigt, verstaut und die Fahrzeuge entladen werden. Es zählt der Leitspruch: „Erst Waffen, Material und dann der Soldat.“ Anschließend wird der vergangene Tag durchgesprochen. Was lief gut, was lief weniger gut an diesem Tag? Worauf müssen sie beim nächsten Mal noch mehr achten? Beispielsweise war die Funkverbindung zeitweise unterbrochen und das Einfahren in einen Kreisverkehr in Beirut muss verbessert werden. Die Fahrer achten genau auf die Worte des Kommandoführers. Für einen Außenstehenden mögen dies Kleinigkeiten sein, doch das Team nimmt jeden dieser Hinweise konzentriert auf. Alles dient der Sicherheit des Admirals, der Gäste und natürlich auch ihrer eigenen.

Übung macht den Meister

Drei Soldaten liegen nebeneinander auf dem Boden mit dem Gewehr im Anschlag. Ein weiterer Soldat steht hinter ihnen

Jeder Handgriff muss in Fleisch und Blut übergehen

Bundeswehr/Tim Gabrys

Jeder Ablauf wird geübt, immer und immer wieder – sei es das Schießen oder der Ausstieg aus dem Fahrzeug über alle möglichen Öffnungen. Nur wenn die Handgriffe sitzen, ist auch Verlass darauf, dass im Ernstfall alles klappt und jeder weiß, was zu tun ist. „Drill“ muss sein, denn im schlimmsten Fall heißt es, Leben zu schützen und zu retten, auch das eigene. Ausgestattet sind sie mit ihren Gewehren G36K A4  und der Pistole P30 , die sich in einigen Eigenschaften von der P8 unterscheidet und für die Personenschützer viele Vorteile bietet. Der Verantwortung, dass es um Leben und Tod gehen kann, ist sich das Team in jeder Sekunde bewusst.

von Tim Gabrys

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