Umzug des Naval Operations Centre

UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon: Maritime Führung aus einer Hand

UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon: Maritime Führung aus einer Hand

  • Einsatz
  • UNIFIL
Datum:
Ort:
Naqoura
Lesedauer:
3 MIN

Das Naval Operations Centre (NOC) bei UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon ist der Knotenpunkt für die Führung der Maritime Task Force (MTFMaritime Task Force) vor der Küste Libanons. Ob Einsatzplanung, technischer Zustand der Einheiten oder Proviantmenge an Bord: Alles läuft im NOC zusammen. Zum 1. Mai wurden die Aufgaben des NOC vom UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon-Hauptquartier an die MTFMaritime Task Force übertragen.

Ein Containerbau mit blauem Dach, an dem das Profil eines blauen Kriegsschiffes über einer geschlossenen weißen Tür hängt

Hinter einer unscheinbaren Tür läuft die Kommunikation zwischen UNUnited Nations-Schiffen, Hauptquartier und libanesischer Marine zusammen

Bundeswehr/Andreas Voßen

Die UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon MTFMaritime Task Force ist der bislang einzige Flottenverband der Vereinten Nationen. Sie wurde aufgestellt, um die libanesische Regierung bei der Sicherung der Seegrenzen zu unterstützen, den Waffenschmuggel über den Seeweg zu unterbinden und bei der Ausbildung der libanesischen Marine zu unterstützen. Bis zum Januar 2021 wurde sie auch von See aus geführt, was bedeutete, dass sich der Kommandeur im Admiralsrang mit samt seinem Stab auf einem der Schiffe befand und den Einsatz von dort aus koordinierte. Integriert in das Hauptquartier der Mission im südlibanesischen Naqura befand sich das NOC, unter anderem als Verbindungselement zur Führung von UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon und zur Kommunikation mit den libanesischen Streitkräften.

Von See an Land

Eine Reihe von Masten mit den Flaggen der am Einsatz beteiligten Nationen, dahinter im Meer ein UN-Schiff

Eines der MTFMaritime Task Force-Schiffe, dessen Einsatz über das NOC gesteuert wird. Daten über Personal und Material sind stets aktuell.

Bundeswehr/Andreas Voßen

Als Deutschland im Januar 2021 die Führung der MTFMaritime Task Force von Brasilien übernahm, gab es für die Soldatinnen und Soldaten der Deutschen Marine viel zu tun, denn der Stab verließ ein Schiff und zog in das Camp Martin auf die UNUnited Nations-Basis in Naqura. Ende März dieses Jahres fiel dann die folgerichtige Entscheidung: die Aufgaben des bisherigen NOC im Hauptquartier an die MTFMaritime Task Force zu übergeben und dort eine MTFMaritime Task Force NOC aufzubauen. Im darauffolgenden Monat wurde der Umzug geplant und durchgeführt, am Abend des 30. April wurde das neue NOC im Camp Martin in einer kleinen Zeremonie eingeweiht.

Keine Umwege mehr

Sieben Soldaten mit verschiedenen Uniformen blicken in die gleiche Richtung. Michael S. steht in der Mitte und erklärt etwas.

Beim Rundgang durch das NOC erklärt Stabsbootsmann Michael S. (Mitte), wie sich die künftigen Arbeitsabläufe gestalten

Bundeswehr/Andreas Voßen

„Nun, da das NOC ein Teil der MTFMaritime Task Force ist, fällt für uns eine Zwischenebene sowohl zur Missionsführung als auch zur libanesischen Marine weg“, erklärt Stabsbootsmann Michael S. Der 44-Jährige war in der MTFMaritime Task Force im Bereich Planung eingesetzt, leitete den Aufbau des NOC und hat in diesem nun die Funktion des Schichtführers inne. „Über mir gibt es noch zwei Positionen: den Leiter, ein griechischer Fregattenkapitän, und seinen Stellvertreter, ein deutscher Kapitänleutnant.“

Watchkeeper: Arbeitsmuskel des NOC

Eine Soldatin und zwei Soldaten vor der offenen Eingangstür des NOC im Portrait

Die Obermaaten Kim G., Michelle P. und Lukas L. werden nun bei ihrer Arbeit durch einen vierten Watchkeeper verstärkt

Bundeswehr/Andreas Voßen

Das Team der drei sogenannten Watchkeeper, das bereits vorher im Stab der MTFMaritime Task Force arbeitete, wird ab sofort von einem Hauptbootsmann verstärkt, der zuvor in einer ähnlichen Funktion eingesetzt wurde. „Die Watchkeeper sind das Herzstück des NOC, mit ihnen steht und fällt alles“, führt Michael S. weiter aus. „Bisher haben drei Watchkeeper im Dienstgrad Obermaat in acht-Stunden-Schichten permanent die Verbindung zu den Schiffen gehalten. Nun können wir einen zweiten Watchkeeper im Tagesdienst einsetzen, der die erhöhte Aufgabenlast währenddessen mit abarbeitet und auch für weitere Aufgaben im Kontingent zur Verfügung steht.“

Zentrale Drehscheibe

Ein Soldat sitzt an einem Schreibtisch vor zwei Monitoren. Rechts hängt ein Großbildschirm mit einer Lagekarte des Libanons.

Das NOC besteht aus fünf Arbeitsplätzen in zwei Räumen. Zwei Großbildschirme helfen dem Team, den Überblick zu behalten.

Bundeswehr/Andreas Voßen

Die Watchkeeper erfassen permanent Daten zur operativen Fähigkeit der Schiffe und auftragsgebundene Informationen über den gesamten Schiffsverkehr im maritimen Operationsraum. Diese Daten werden in Berichten zusammengefasst und täglich für die Besprechung mit dem Kommandeur von UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon, einem spanischen Generalmajor, aufbereitet. „Doch für das Team des NOC gibt es noch viel mehr zu tun“, ergänzt Michael S. „Manche Schiffe fahren zur Versorgung regelmäßig libanesische Häfen an. Planen sie in Beirut einzulaufen, müssen sie rechtzeitig vorher eine diplomatische Anfrage stellen, die über das NOC zur Genehmigung an die libanesische Marine weitergeleitet wird.“ Die Soldatinnen und Soldaten überwachen dann, dass dem Schiff die Genehmigung zeitgerecht, spätestens jedoch 24 Stunden vor Einlaufen, zur Verfügung gestellt wird.

Verbindung bis nach Zypern

Im NOC unterhält sich ein bangladeschischer Soldat mit dem deutschen Kommandeur der MTF. Zwei weitere Deutsche hören zu.

Das NOC ist stets im Austausch mit den anderen Stabselementen. Der bangladeschische Offizier führt den Bereich Operationen.

Bundeswehr/Andreas Voßen

Die UNUnited Nations-Schiffe führen in internationalen Gewässern auch regelmäßig Schießübungen durch. Sie beantragen dafür über das NOC bei der zuständigen Stelle im zypriotischen Larnaca die Zuweisung eines bestimmten Übungsraumes. Dazu gehört auch die Beantragung von Warnhinweisen an die zivile Schifffahrt, die über Zeit, Ort, Waffenart und nicht zuletzt deren Reichweite informiert. Das wichtigste Aufgabengebiet sind jedoch die Maßnahmen zur Sicherung der Seegrenze. Befindet sich ein ziviles Schiff in internationalen Gewässern auf dem Weg zu einem libanesischen Hafen, führen die UNUnited Nations-Schiffe ein sogenanntes Hailing bei diesem durch. Dabei fordern sie es auf, sich zu identifizieren, Start- und Zielhafen sowie Informationen zur Ladung anzugeben. Entstehen bei dieser Abfrage Unregelmäßigkeiten, beantragt die MTFMaritime Task Force bei der libanesischen Marine, dass diese eine Inspektion des Schiffes durchführt und es unter anderem auf Schmuggelware untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen fließen mit in das Lagebild des NOC ein, welches sich aus vielen unterschiedlichen Faktoren des maritimen Raumes vor der Küste Libanons zusammensetzt.

von Andreas  Voßen

Mehr zum Thema