Ein Orca auf der Jagd

Ein Orca auf der Jagd

  • Einsatz
  • Irini
Datum:
Ort:
in See
Lesedauer:
4 MIN

Das erste Mal seit sechs Jahren ist wieder ein Unterseeboot der Deutschen Marine zu einer Fahrt ins Mittelmeer ausgelaufen. Das Boot der Klasse 212A nimmt erstmals an einer EU geführten Operation teil. Bei der EUNAVFOREuropean Union Naval Forces MEDMediterranean Operation Irini klärt das U-Boot  im Auftrag der EU hauptsächlich illegale Waffentransporte auf und leistet damit einen erheblichen Beitrag, das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen durchzusetzen.

Das am 23. März 2015 in Dienst gestellte U-Boot der Klasse 212A steht durch seine Paradedisziplin im großen Kontrast zum zuvor eingesetzten Einsatzgruppenversorger „Berlin“: die verdeckte Aufklärung. Das konventionell angetriebene Unterseeboot ist mit seinem hybriden Antrieb eines der leisesten Boote der Welt. Nicht nur der Form geschuldet hat das Boot den Spitznamen „Orca“, der Schwertwal ist auch das Wappentier der Besatzung GOLF, die mit dem Boot ins Mittelmeer gestartet ist.
Die Besatzungsstärke von U35 umfasst 28 Soldatinnen und Soldaten, im Bedarfsfall können bis zu 36 aufgenommen werden. Sie alle sind hochspezialisiert und wurden mit großer Sorgfalt ausgebildet. Neben den fachlichen Anteilen der Ausbildung erhält jedes Besatzungsmitglied eine umfangreiche Ausbildung im Bereich der U-Bootsicherheit. Damit ist jedes Besatzungsmitglied, vom Smut bis zum Wachoffizier, befähigt, das Boot in einer Notfallsituation wieder an die Oberfläche zu bringen.
Eine der intensivsten fachlichen Ausbildungen erfolgt für das in der Sonarortung eingesetzte Personal.

Sonar: Die Ohren und Augen eines Unterseebootes

Der Bereich Sonar ist das Herz des operativen Geschäftes eines Unterseebootes. Mit Hilfe der vielfältigen Sensoren ist es möglich, Fahrzeuge auch über den Horizont hinaus zu detektieren und zu klassifizieren. Bevor man sie überhaupt sehen kann, weiß man, um welchen Typ Schiff oder Boot es sich handelt. Dabei liegt der Fokus auf der passiven Ortung durch Schall, während das Boot getaucht bleibt. Denn das A und O für ein Unterseeboot ist es, unentdeckt zu bleiben. Dadurch, dass es verdeckt operiert, ist es in der Lage, unverfälschte Daten zu sammeln und an seine Verbündeten zu übermitteln. Aber nicht nur die Detektion von Fahrzeugen liegt im Aufgabenbereich der Sonaristen, auch der Bereich der Unterwasserwaffen gehört zu ihrem Geschäft.

Hauptbewaffnung des Unterseebootes

Ein Soldat leuchtet mit einer Taschenlampe in ein Metallrohr. Darin sind viele kleine Teile und Kabel verbaut

Eines von sechs Torpedorohren des Unterseebootes U35. Der Sonarmeister muss sie alle regelmäßig kontrollieren

Bundeswehr/Christoph Bär

Insgesamt verfügt U35 über sechs Torpedorohre, die auch gleichzeitig eine der größten Druckkörperdurchbrechungen des Bootes darstellen. Aus diesem Grund ist eine regelmäßige Kontrolle der Torpedos und der Rohre durch den Sonarmeister unerlässlich. Zusätzlich zu den sechs Rohren kann das Unterseeboot noch weitere Torpedos mitführen.
Die Bewaffnung der Klasse U 212A ist vollends ausgelegt auf die Jagd von Über- und Unterwasserfahrzeugen. Mit dem „Seehecht“ hat das U-Boot eine wirkungsvolle und weitreichende Waffe zur Verfügung. Er ist mit seinen 1,3 Tonnen ein Schwergewicht in seiner Klasse. Insgesamt kann der Gefechtskopf des Torpedos 255 kg Sprengstoff ins Ziel bringen.
Nicht nur, dass der Mehrzwecktorpedo äußerst effektiv wirken kann, auch die interne Software ist ein hochkomplexes System. Der „Seehecht“ ist drahtgelenkt. Das bedeutet, dass er während des Angriffs kontinuierlich die vom Boot generierten Zieldaten bekommt.

Die Technik: Der Bewegungsapparat eines Unterseebootes

Ein Soldat hält ein Tuch in der Hand und reinigt ein Metallteil

Die hochmoderne Technik will gewartet und gepflegt werden. Regelmäßige Kontrollen und Wartungen sind unverzichtbar

Bundeswehr/Christoph Bär

Ein U-Boot ist ein hochkomplexes technisches System, bei dem alle Zahnräder ineinandergreifen müssen. Deswegen ist gerade der schiffstechnische Abschnitt essentiell, um die operative Leistungsfähigkeit des Bootes aufrechtzuerhalten.
Das insgesamt 57 Meter lange und 1.800 Tonnen schwere Boot wird mit einem Elektromotor bewegt. Hierfür stehen zwei verschiedene Möglichkeiten der Energiegewinnung zur Verfügung: Zum einen gibt es die außenluftabhängige Nutzung eines Dieselmotors. Diesen kann das Unterseeboot sowohl im aufgetauchten als auch im getauchten Zustand nutzen, wenn es auf Sehrohrtiefe den Schnorchel ausfährt. Die andere Möglichkeit besteht in der Nutzung einer Brennstoffzelle. Hierbei wird durch die Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff Strom erzeugt. Das ermöglicht dem U-Boot eine außenluftunabhängige und nahezu rückstandslose Energiegewinnung, die vor allem tiefgetaucht von großem Nutzen ist.

Hoch in der Luft und tief im Meer

Seefernaufklärer P-3C Orion fliegt über dem Meer

Durch die Kombination von Über- und Unterwasserfähigkeiten wird die Aufklärungsreichweite beträchtlich erweitert

Bundeswehr/Sascha Linkemeyer

Noch vor zehn Jahren, waren Unterseeboote der Deutschen Marine als Einzelkämpfer unterwegs. Aber gerade in den letzten Jahren wurde der Fokus immer mehr auf die Zusammenarbeit mit Überwasser- und Luftfahrzeugen gelegt. Die enormen Vorteile einer koordinierten Zusammenarbeit im Bereich des Lagebildaufbaus sind signifikant.
Aus diesem Grund nutzt auch das deutsche U-Boot im Mittelmeer bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Kooperation mit einem MPA  (Maritime Patrol Aircraft), also mit einem Seefernaufklärungsflugzeug. Der eigentlich primär auf die U-Bootjagd spezialisierte Flieger unterstützt das Unterseeboot beim Über- und Unterwasserlagebildaufbau und meldet relevante Kontakte in großer Entfernung. Durch diese zwei Perspektiven bilden beide Einheiten in Kombination ein unschlagbares Team.

von Lisa Nagelschmitz

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