Die Flugzeugdoktoren der Operation Irini

Die Flugzeugdoktoren der Operation Irini

  • Einsatz
  • Irini
Datum:
Ort:
Nordholz
Lesedauer:
3 MIN

Mitten auf dem Flugplatz in Nordholz steht eine riesige Flugzeughalle, in der Fachsprache „Werft“ genannt. Sie ist eine Art riesige Garage, in der bis zu fünf Seefernaufklärer Platz finden. Ähnlich wie in einer Autowerkstatt arbeiten hierin die verschiedensten Techniker: Sie warten und pflegen die Flugzeuge.

Zwei Techniker überprüfen das Flugzeug

Jeder Winkel des Flugzeugs wird akribisch geprüft

Bundeswehr/Marinefliegerkommando

Vier Uhr in der Früh: Auf dem Flugplatz herrscht Stille, lediglich eine kleine Gruppe von Technikern sammelt sich an der Werft. Das Technikerteam setzt sich aus vielen Spezialisten zusammen. Sie sorgen dafür, dass die Luftfahrzeuge täglich sicher starten und landen können. „Wir sind die Frühschicht und bereiten unseren Seefernaufklärer P-3C Orion vor dem Take-off für den heutigen Einsatzflug Irini vor“, erklärt der Flight Chief Hauptbootsmann Marcel J. Als Schichtleiter koordiniert er die Arbeitsschritte und teilt das Personal ein, er bestellt das Schleppfahrzeug und den Tankwagen.  

Der Vorflug beginnt in der Regel drei Stunden vor dem Flug. „Wir beginnen mit einer Sichtprüfung, in der wir den technischen Zustand des Flugzeugs prüfen. Wir checken beispielsweise Ölstände, Reifendruck und Hydraulikflüssigkeiten.“ Das „fliegende Auge“, die hochauflösende Kamera der P-3C Orion, wird nochmals gereinigt und auf Schäden überprüft. Die Triebwerker begutachten die Triebwerke auf Schäden und kontrollieren die Lufteinlässe auf Fremdteile. „Weiterhin kontrolliere ich vor jedem Flug das Bord- und Wartungsbuch der Maschine auf Vollzähligkeit aller Dokumente“, erklärt der Hauptbootsmann.

41 Tonnen in Bewegung

Ein Soldat verbindet den Flugzeugschlepper mit dem Seefernaufklärer

Ein Soldat stellt die Schleppverbindung zwischen den Maschinen her: Auf den Schlepper wirkt ein Gewicht von rund 41 Tonnen

Bundeswehr/Sascha Jonack

Die ersten Sonnenstrahlen werden am Horizont sichtbar, als sich die riesigen Hangartore der Werfthalle öffnen. Zeitgleich nähert sich ein Flugzeugschlepper, die orangene Rundumleuchte blinkt in der Dämmerung. „Mithilfe dieses kleinen Kraftpakets können die tonnenschweren Flugzeuge und Hubschrauber von A nach B geschleppt werden“, erklärt einer der Soldaten, während er die Schleppstange mit dem Bugfahrwerk verbindet.

In Schrittgeschwindigkeit wird der Seefernaufklärer aus der Werfthalle gezogen. „Während des Schleppvorgangs ist es wichtig, dass ein Techniker neben dem Schleppfahrzeug herläuft, um den Fahrer zu unterstützen“, erklärt der heutige Schleppführer. Er ist das wachsame Auge und achtet darauf, dass sich das Luftfahrzeug stets in der Mitte der Rollbahn befindet.

Der Seefernaufklärer wird in den frühen Morgenstunden von einem Flugzeugschlepper zum Flugfeld gezogen

In Schrittgeschwindigkeit geht es Richtung Flugfeld

Bundeswehr/Sascha Jonack

Die Fahrt wird in Schrittgeschwindigkeit durchgeführt, damit das Flugzeug keinen abrupten Bewegungen ausgesetzt wird. Immerhin wirkt ein Gesamtgewicht von etwa 41 Tonnen über die Schleppstange auf den Schlepper. Im Notfall muss die riesige Masse des Flugzeugs sicher gebremst werden. Aus diesem Grund sitzt während des Schleppens zusätzlich ein speziell ausgebildeter Techniker im Cockpit des Flugzeugs – der Brakerider. Während der gesamten Fahrt achtet er konzentriert auf den mitlaufenden Schleppführer und betätigt im Notfall die Bremse.

Die Orion ist startklar

Kaum hat der Seefernaufklärer seine endgültige Parkposition erreicht, rollt auch schon der Tanklaster heran. „Jetzt müssen wir noch volltanken“, erläutert Oberbootsmann Oliver D. 1.200 Liter können pro Minute in die Tanks gepumpt werden. Nach etwa zwei Stunden ist es geschafft: Der Seefernaufklärer P-3C Orion ist vollgetankt und alle Sicherheitsschecks sind durchgeführt. „Unsere Arbeit ist erst einmal erledigt, jetzt kann die Crew das Flugzeug übernehmen. Wir rücken erneut an, wenn der Flieger wieder gelandet ist. Dann werden wir das Flugzeug im Rahmen des Nachfluges noch ausführlicher unter die Lupe nehmen, bevor unser Seefernaufklärer wieder in die Halle geschoben wird“, erklärt Hauptbootsmann Marcel J. Das Frühstück haben sich die Techniker somit redlich verdient.

von Sascha Jonack

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