Irini: Seefernaufklärer auf Streife im Mittelmeer

Irini: Seefernaufklärer auf Streife im Mittelmeer

  • Einsatz
  • Irini
Datum:
Ort:
Nordholz
Lesedauer:
3 MIN

Der Schwerpunkt der Operation Irini liegt in der Überwachung des UNUnited Nations-Waffenembargos gegen Libyen. Der Seefernaufklärer P-3C „Orion“ ist der verlängerte Arm der Kriegsschiffe im Einsatzgebiet. Mit modernster Sensorik ausgestattet ist die „Orion“ für die Seeraumüberwachung bestens geeignet. Verdächtige Schiffe können somit schnell geortet, bei Bedarf verfolgt und einsatzrelevante Informationen gewonnen werden.

Ein Flugzeug steht auf einem Flugplatz, mehrere Personen kontrollieren die Technik vor dem Start

Die P-3C „Orion“ steht auf dem Flugvorfeld in Nordholz

Bundeswehr/Sascha Jonack

Am frühen Morgen auf dem Marinefliegerstützpunkt in Nordholz steigt eine Gruppe von Soldatinnen und Soldaten aus einem Crewbus. Mit dabei ist der Kontingentführer, Fregattenkapitän Heiko Millhahn. Er ist ausgebildeter Taktischer Koordinator und wird die Besatzung heute führen.

„Aufgrund der aktuellen COVID-19Coronavirus Disease 2019-Lage wird die „Orion“ bis auf Weiteres von Nordholz aus starten und nach Auftragserfüllung auch dort landen“, erklärt der Marineoffizier. Knapp zwölf Stunden wird der Flug dauern. „Hier im Gefechtsstand erhalten wir zunächst unser Briefing und somit alle notwendigen Informationen für unseren heutigen Auftrag. Anschließend werden wir unsere Einsatzunterlagen empfangen und uns auf den Weg zum Flugzeug begeben.“

Vorbereitung ist alles

Der Seefernaufklärer P-3C „Orion“ steht auf dem Vorfeld. Während die beiden Piloten routiniert ihre Checkliste im Cockpit durchgehen, bereiten sich im hinteren Bereich des Flugzeuges die anderen Besatzungsmitglieder vor. Konzentriert sitzen sie an ihren Arbeitskonsolen und fahren die Sensoranlagen hoch. „Wir überprüfen alle Systeme und gleichen die Daten für unseren Einsatz an. Wir geben unter anderem das Einsatzgebiet und Warngebiete in das System ein“, erklärt einer der Besatzungsmitglieder mit Blick auf den Monitor.

Vorflugkontrolle – alles wird unter die Lupe genommen

Ein Mechaniker steht vor einem der Propeller und hält eines der Rotorblätter in den Händen

Der Bordmechaniker prüft die Propeller bei der Bodenkontrolle

Bundeswehr/Sascha Jonack

Der Bordmechaniker führt währenddessen die Vorflugkontrolle am Luftfahrzeug durch. Er beginnt mit dem Einschalten der Stromversorgung und dem „Inside-Check“. Hierbei werden erstmals die flugrelevanten Anlagen und Instrumente im Cockpit kontrolliert. Anschließend beginnt er mit dem „Outside-Check“. Die Fahrwerksschächte werden nach etwaigen hydraulischen Schäden abgesucht und der Zustand der Fahrwerke, der Triebwerke und der Propeller überprüft. Alle Füllstände der Anlagen und die Betankung werden ebenfalls kontrolliert. Insgesamt verschafft er sich einen Überblick über den technisch einwandfreien Zustand des Flugzeugs.

„Flugsicherheit hat oberste Priorität. Wir arbeiten daher nach dem Mehraugenprinzip: Die Maschine wird vor jedem Start mehrfach inspiziert. Bevor wir an den Flieger gehen, hat sich bereits das technische Personal das Luftfahrzeug angeschaut und sobald ich fertig bin, wird sich noch einer der Piloten ein Bild machen. Dadurch können wir eine größtmögliche Sicherheit gewährleisten“, erklärt Oberstabsbootsmann Oliver K. während seines Kontrollganges.

Inspektion: Vorsicht ist besser als Nachsicht

Ein Mechaniker steht unter dem Seefernaufklärer und prüft das Kamerasystem in einer geöffneten Klappe am Rumpf

Kurz vor dem Abflug wird das „Adlerauge“ überprüft

Bundeswehr/Sascha Jonack

Ein Überwasser-Operator richtet seine Aufmerksamkeit auf das Kamerasystem MX-20HD, eine kugelförmige Kameraeinheit im Rumpf unterhalb des Cockpits. „Sie ist das Auge der P-3C. Die Kameraeinrichtung ist ein extrem leistungsfähiger und unverzichtbarer Aufklärungssensor für unsere Einsatzflüge“, so Hauptbootsmann Stefan G. „Sie liefert zu jeder Tageszeit gestochen scharfe Bilder, auch von weit entfernten Schiffen. Bei meiner Überprüfung schaue ich nach Beschädigungen und Schmutz auf den hochsensiblen Linsen. Dann folgt ein Blick auf den Feuchtigkeitsindikator des Systems. Eine zu hohe Feuchtigkeit kann das System beeinträchtigen und die Bilder verschlechtern.“

Start ins Einsatzgebiet

Die linke Tragfläche des Flugzeugs über den Wolken

Rund vier Stunden Flugzeit benötigt die „Orion“ von Nordholz bis ins Einsatzgebiet

Bundeswehr/Sascha Jonack

Die Triebwerke werden gestartet, der erste Propeller fängt an sich zu drehen. Wenige Minuten später drehen alle vier Propeller-Turbinen. Die „Orion“ rollt mit langsamer Fahrt der Startbahn entgegen und wartet auf die Startfreigabe vom Tower. Die Erlaubnis ist erteilt: Der Pilot schiebt den Gashebel nach vorn. Die Turbinen entfalten ihre volle Leistung und der graue Seefernaufklärer rollt mit tosendem Dröhnen über die Betonpiste. Wenige Sekunden später hebt die „Orion“ ab und fliegt in den Wolkenhimmel. Etwa vier Stunden später kommt sie im Einsatzgebiet an.

Hoch über den Wolken hat die Besatzung nochmals Zeit, sich auf den bevorstehenden Einsatzflug vorzubereiten. Der Auftrag lautet, ein zugewiesenes Seegebiet zu überwachen und ein aktuelles Lagebild zu erstellen. „Unser Radargerät fasst die Kontakte im Einsatzgebiet auf. Schiffe sind heutzutage mit einem AIS ausgestattet, das sie ständig eingeschaltet haben müssen. Es sendet laufend die aktuelle Position mit Kurs und Fahrt. Anhand dieses Systems können wir uns schnell Daten anzeigen lassen. Jedes Schiff, das sich nicht zu erkennen gibt, ist erst mal verdächtig und wird von uns genau unter die Lupe genommen“, erklärt der Kontingentführer.

Das Mittelmeer fast in Sicht

Der Seefernaufklärer mit rechter Schräglage in der Luft, im Hintergrund erstreckt sich eine Bergkette

Kurz vor dem Einsatzgebiet: Die „Orion“ hat Italien fast überflogen

Bundes

Die Alpen und das italienische Festland sind überflogen und die „Orion“ steuert auf das Mittelmeer zu. Das Einsatzgebiet südöstlich Siziliens ist bald erreicht. Dann heißt es „On-Station“, der Auftrag des Aufklärers vor der lybischen Küste kann beginnen.

von Sascha Jonack

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