Gesundheitsaufseher, nicht alles was glänzt ist sauber

Gesundheitsaufseher, nicht alles was glänzt ist sauber

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Ein Mann, eine Mission. Oberstabsfeldwebel Manfred Neumann ist als Gesundheitsaufseher ein Spezialist auf dem Gebiet der infektionshygienischen Gefahrenabwehr. Für den 56-Jährigen stehen die Gesundheit und der Schutz der Soldatinnen und Soldaten vor übertragbaren Krankheiten weltweit im Vordergrund.

Alles noch haltbar? Kontrolle der Desinfektionsmittel durch den Gesundheitsaufseher.

Bundeswehr/ Marcel Ernst

Oberstabsfeldwebel Neumann hat den Blick für das Detail. Langsam richtet er den Blick nach unten auf einen unscheinbaren Schrank. In diesem stehen eine Vielzahl von Desinfektionsmittel nebeneinander. Der Gesundheitsaufseher pickt sich ein paar Flaschen heraus und prüft das Haltbarkeitsdatum. Zufrieden stellt er die Flaschen zurück. Alles ist im grünen Bereich.



Hygienebegehung mit dem Blick für das Detail

Eine Hygienebegehung wie diese ist Routine für Neumann. Sein Hauptaugenmerk bei der Begehung im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz liegt in der Aufbereitung der wieder verwendbaren Medizinprodukte. Denn schon hier kann der Teufel im Detail stecken. Wer nun glaubt der Gesundheitsaufseher sei ein skeptisch ausschauender Kontrolleur, der nur Mängel sucht und aufzeigt, täuscht sich.

Jeden mit ins Boot holen

Viele Meschen stehen um einen Tisch und schauen auf die Dokumente.

Der Gesundheitsaufseher kontrolliert die vorgelegten Dokumente und Vorschriften auf ihre Aktualität.

Bundeswehr/ Marcel Ernst

Oberstabsfeldwebel Neumann ist freundlich aber durchaus verbindlich. In erster Linie geht es ihm darum, das ganze Team mit ins Boot zu holen. “Jeder soll sich angesprochen fühlen und einen Aha-Effekt erleben.“ Durch die stringenten Kriterien des Qualitätsmanagements laufen die Inspektionen immer nach dem gleichen Schema ab. Zu Beginn werden nötige Dokumente, Vorschriften oder Weisungen dem Prüfer vorgelegt. Hierbei geht es um die Aktualität der Dokumente und um deren inhaltliche Qualität.


Inspektionsbericht mit gut dosiertem Feedback

So genannte mögliche „Hotspots“ werden abgegangen. Hierzu zählt beispielsweise der Aufbereitungsraum für die Instrumente. Für die Gesundheit der Patienten ist eine richtige Medizinaufbereitung unabdingbar. Am Ende des Tages wird ein Inspektionsbericht erstellt. In diesem finden sich erkannte Mängel, aber auch wirklich gut umgesetzte Forderungen wieder.

Ein gut dosiertes „Feedback“ auf beiden Seiten ist für Neumann der beste Weg. Aus seiner Erfahrung werden dann die Vorschläge eher beherzigt und die erkannten Mängel abgestellt. Schließlich ist nach der Inspektion, vor der Inspektion.


Ein einsatzerfahrender „Globetrotter“

Drei Personen stehen in eimen OP.

Oberstabsfeldwebel Neumann, Gesundheitsaufseher beim Sanitätsdienst der Bundeswehr, und Oberfeldarzt Dr. Streicher begehen das Rettungszentrum in Camp Film City, im Kosovo.

Bundeswehr/ Marcel Ernst

Von seiner Erfahrung können alle Beteiligten profitieren und das nicht nur in Koblenz. Neumann ist weltweit unterwegs. Über 1.000 Einsatztage, vom Balkan bis zum Hindukusch oder von Afrika bis zur humanitären Hilfe nach Südostasien stehen auf seinem Konto. Würden wir anhand einer Karte und Marker alle Routen in eine Weltkarte einzeichnen, so hätten wir eine wilde Geländespinne vor uns skizziert.

Für den gebürtigen Ostfriesen ist das aber völlig normal. Der prägendste Einsatz für ihn war in Banda Aceh, Südostasien, als Gesundheitsaufseher, Desinfektor und Vektorenbekämpfer. Im Jahr 2004 riss ein Tsunami zirka 230.00 Menschen in den Tod und zerstörte große Landstriche der indonesischen Insel Sumatra.

Die Bundeswehr leistete humanitäre Hilfe vor Ort. Mit einem Rettungszentrum wurde die medizinische Versorgung in der Region aufrechterhalten. Der Anblick von Leid und Tod, aber auch die Hilfe am Menschen vor Ort, haben Neumann sehr berührt.

Vor zwei Jahren wäre Schluss gewesen

Eigentlich hätte Neumann bereits vor zwei Jahren in Pension gehen können, aber bekanntlich macht „eigentlich“ jeden Satz kaputt. Die Arbeit mit Menschen, oder die gelebte Kameradschaft sowie die vielen Orte und Eindrücke motivierten ihn, seinen Einsatz für die Gesundheitsprävention zu verlängern. „…weil meine abwechslungsreiche Arbeit, der Umgang mit Menschen und die körperlichen Herausforderungen mir Freude bereiten. Ich gehe jeden Tag gerne zum Dienst!“

Hintergrund:

Porträtbild von Manfred Neumann

Gesundheitsaufseher beim Sanitätsdienst der Bundeswehr, Manfred Neumann

Bundeswehr/ Marcel Ernst

Neumann ist Angehöriger der Abteilung I der Überwachungsstelle für öffentlich-rechtliche Aufgaben des Sanitätsdienstes der Bundeswehr West (ÜbwStÖffRechtlAufgSanDstBw) in Koblenz.

Auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes ist die Abteilung I befugt, Maßnahmen durchzusetzen, die bis hin zum Schließen von bestimmten Einrichtungen, wie Küchen oder Sanitäreinrichtungen, führen kann. Das Aufgabenspektrum ist sowohl im In- als auch im Ausland breitgefächert. Zusammengefasst kann man die ÜbwStÖffRechtlAufgSanDstBw West auch als kleines maßgeschneidertes Gesundheitsamt der Bundeswehr bezeichnen.