HIV und AIDS bei der Bundeswehr – Aktiv gegen Stigma

HIV und AIDS bei der Bundeswehr – Aktiv gegen Stigma

  • Sanitätsdienst
  • Medizin & Gesundheit

Mehr als 35 Millionen Menschen weltweit sind bislang dem tückischen Virus zum Opfer gefallen und die Menschheit kämpft nach wie vor mit dem „Human Immundeficiency Virus“ (HIVHumanes Immundefizienz-Virus). Mit der Antiretroviraltherapie (ART) ist der Medizin jedoch ein entscheidender Schritt zu einem normalen Leben mit dem Virus gelungen. Innerhalb von 20 Jahren konnte die Medizin, durch medikamentöse Therapien eine unüberwindliche, tödliche Krankheit in eine chronische Infektion ohne gesundheitliche Einschränkungen verwandeln. Es ist heute möglich, auch mit einer HIVHumanes Immundefizienz-Virus-Infektion eine normale Lebenserwartung zu haben.

Randgruppenseuche?

Als 1981 die Erkrankung erstmals auf dem Radar der Seuchenüberwachungsorgane auftauchte, ging die Wissenschaft davon aus, dass sich die Virusinfektion auf sogenannte Randgruppen der Gesellschaft beschränkte. Hauptsächlich Homosexuelle, Prostituierte und Drogen-Konsumierende erkrankten an der Virusinfektion. Als bis zum Sommer 1985 immer mehr Menschen erkrankten, die diesen Populationen nicht zuzuordnen waren, sprachen die Mediziner vom „Acquired Immune Deficiency Syndrome“, ein erworbenes Immunschwäche-Syndrom, vielen bekannt unter der Abkürzung AIDSAcquired immunodeficiency syndrome.

Forschung bedeutet Leben

Aufgrund der wirksamen ART gingen die HIVHumanes Immundefizienz-Virus-assoziierten Todesfälle zwischen 2000 und 2017 um 38 Prozent zurück. Die Zahl der Neuinfektionen sank im selben Zeitraum um mehr als ein Drittel. Diese Tatsache der Treatment as Prevention (TasP) war mit ein großer Schritt in der Vermeidung von Neuinfektionen: Durch eine effektive ART sind HIVHumanes Immundefizienz-Virus-Träger mit nicht detektierbarer Viruslast nämlich nicht mehr ansteckend.  Zusätzlich besteht für Menschen ohne HIVHumanes Immundefizienz-Virus und einem entsprechenden Ansteckungsrisiko die Möglichkeit einer medikamentösen Präexpositionsprophylaxe (PrEP), welche darauf abzielt, durch die regelmäßige Einnahme dieses Medikaments sich vor einer HIVHumanes Immundefizienz-Virus-Infektion zu schützen. Als weiteres Anwendungsgebiet der ART zählt die vierwöchige Post-Expositionsprophylaxe (PEP). Bei Kontakt mit HIVHumanes Immundefizienz-Virus-belasteten Körperflüssigkeiten werden ARV-Medikamente appliziert, um einer Infektion vorzubeugen.

90-90-90

Die Vereinten Nationen haben sich in Sachen HIVHumanes Immundefizienz-Virus beziehungsweise AIDSAcquired immunodeficiency syndrome ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis zum Jahre 2020 sollen weltweit 90 Prozent aller Menschen mit HIVHumanes Immundefizienz-Virus ihre HIVHumanes Immundefizienz-Virus-Diagnose kennen. 90 Prozent der Menschen mit einer HIVHumanes Immundefizienz-Virus-Diagnose sollen eine lebensrettende antiretrovirale Therapie erhalten, und 90 Prozent der Menschen unter einer HIVHumanes Immundefizienz-Virus-Therapie sollen eine Viruslast unter der Nachweisgrenze haben. Deutschland hat die 90 - 90 - 90-Ziele noch nicht erreicht. Die Zahlen in Deutschland liegen derzeit bei 85 - 84 - 93. Um diese Ziele zur erreichen ist es zwingend notwendig, so viele Menschen wie möglich einem HIVHumanes Immundefizienz-Virus-Test zu unterziehen. Die höchste Priorität im Kampf gegen den HI-Virus hat die Prävention, denn wer das Virus nicht in sich trägt, ist auf jeden Fall persönlich besser dran als umgekehrt und kann es auch nicht an andere Menschen weitergeben.

HIVHumanes Immundefizienz-VirusAIDSAcquired immunodeficiency syndrome in der Bundeswehr

Welt-Aids-Tag

Symbolbild Rote Schleife an einer Heeresuniform zum Welt-Aids-Tag in Berlin, am 01.12.2016.

Bundeswehr/Jonas Weber

Eine HIVHumanes Immundefizienz-Virus-Infektion unter einer wirksamen ART, ausreichender Immunkompetenz sowie Fehlen von Krankheitszeichen sind keine Hinderungsgründe mehr für die Einstellung, Dienstzeitverlängerung oder Übernahme in den Status eines Berufssoldaten oder Berufssoldatin bei der Bundeswehr. 

HIVHumanes Immundefizienz-Virus und AIDSAcquired immunodeficiency syndrome haben dazu beigetragen, das Sexualität und sexuelle Gesundheit in der Bundeswehr einen wichtigen Stellenwert gefunden haben. Es gilt auch, Diskriminierungen entgegenzutreten und deutlich zu machen: Trotz HIVHumanes Immundefizienz-Virus kann man heute lange und gut leben – wenn man rechtzeitig von der Infektion erfährt und mit einer Behandlung beginnt. Die Entstigmatisierung von HIVHumanes Immundefizienz-Virus und AIDSAcquired immunodeficiency syndrome ist eine essentielle Voraussetzung dafür, dass sich auch Betroffene angstfrei dem Thema stellen und über HIVHumanes Immundefizienz-Virus-Tests, Untersuchungen auf sexuell übertragbare Infektionen (STI), Risiken und Präventionsmaßnahmen mit ihren Truppenärzten reden. Die Möglichkeit, Soldatinnen und Soldaten mit entsprechendem Risiko im Rahmen der unentgeltlichen truppenärztlichen Versorgung eine Präexpositionsprophylaxe anzubieten, ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

von Dr. Behruz Foroutan