Ins Feindesland

Ins Feindesland

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Mit Faltbooten können Fernspäher bei Bedarf das Hinterland des Gegners infiltrieren. Doch der Umgang mit den Kajaks will geübt sein. Auf dem Truppenübungsplatz Klietz passiert genau das.

Zwei Soldaten paddeln in einem Kajak auf dem Wasser. Sie tragen Gesichtsschutz.

Faltboote sind für die Infiltration wie geschaffen.

Bundeswehr/Christian Vierfuß

Langsam gleiten drei Faltboote mit je zwei Fernspähern über den Klietzer See. Die Paddel bewegen sich perfekt synchron. Ruhige Schläge, konstante Geschwindigkeit. Die Boote des Trupps halten etwa eine Bootslänge Abstand. Stabsfeldwebel Horst Grabert am Ufer sieht zufrieden aus. „Reine Übungssache“, murmelt der Ausbilder aus Seedorf gedankenverloren und nickt.

Je nach Auftrag können die Faltboote den Fernspähern als Mittel zur Infiltration des Einsatzraums dienen. Die Boote sind gut fünf Meter lang und tragen zwei Mann mit deren Ausrüstung. Über den hölzernen Rahmen wird die Außenhaut aus imprägnierten Leinen und Gummi gespannt. Bei gut 30 Kilo Eigengewicht tragen die Boote etwa 380 Kilogramm. „Zusammenbauen müssen die Männer die Boote selbst“, sagt Grabert. „Das wird hier auch ausgiebig geübt.“

Einsatz in Binnengewässern

Zwei Soldaten mit Mundschutz paddeln in einem Kajak über Wasser, im Hintergrund ein weiteres Zweierkajak.

Zwei Soldaten plus deren Ausrüstung können die Boote tragen.

Bundeswehr/Christian Vierfuß

Faltboote sind primär für Binnengewässer geeignet. Grundsätzlich können die Fernspäher damit zum Beispiel Flussläufen weit ins Landesinnere folgen. „Wie weit, hängt vor allem vom Zeitfenster für den Auftrag ab“, sagt Grabert. Denn die Infiltration mit den Booten ist zeitintensiv, die Marschgeschwindigkeit hängt von vielen Faktoren ab. Nicht zuletzt von Strömungen und Wind. Gefahren wird im Einsatz nur nachts, dass erschwert die Navigation zusätzlich. Schließlich darf der Trupp nicht den Kontakt untereinander verlieren. Damit die Grundfertigkeiten im Einsatzfall auch sitzen, wird in Klietz jedes Modul gründlich geübt. Beim Paddeln über den See legen die Männer regelmäßig Horchhalte ein. Dazu bilden die Boote ein Päckchen, bleiben also eng längsseits beieinander, um die Kommunikation zu erleichtern. Kurz darauf geht es weiter.

Viele, viele Paddelschläge

Zwei Soldaten sitzen in einem Kajak. Einer paddelt, der andere hält seine Waffe Richtung Ufer.

Das Handling des Bootes muss geübt werden.

Bundeswehr/Christian Vierfuß

Um den richtigen Rhythmus zu finden, müssen die Soldaten üben. Für den Folgetag ist deshalb eine Tour auf der Havel befohlen. „Das sind etwa 30 Kilometer und drei Schleusen bis Havelberg“, sagt Grabert. Viele, viele Paddelschläge. „Einfach, damit die Jungs mal ein paar Kilometer in die Arme kriegen. Damit jeder weiß, wie es sich anfühlt und Zeit hat, seine Technik zu verbessern.“ Eine weitere Herausforderung ist, im Trupp zusammenzubleiben und die Verbindung nicht abreißen zu lassen.

In der Bewegung stößt der Führende plötzlich sein Paddel einmal beidhändig nach oben, die anderen geben das Zeichen weiter. „Taktisches Zeichen, jetzt sammeln sie“, sagt Grabert. Kurz darauf bilden die Boote ein Päckchen. Offenbar wurde eine brauchbare Landezone erkannt. Schon löst sich ein Boot des Trupps zur Erkundung. Die übrigen bleiben gedeckt in der Nähe.

Ein Soldat steigt am Ufer aus einem Kajak.

Ein Fernspäher erreicht mit seinem Faltboot die Anlandungszone.

Bundeswehr/Christian Vierfuß

Dann geht es flott. Noch ein taktisches Zeichen und die übrigen Boote ziehen nach. Dann gehen die Männer in ihren schwarzen Trockenschwimmanzüge an Land, sichern und verschwinden im Wald. „Im Einsatz wären jetzt die Boote und Anzüge zu verstecken. Dann beginnt der Marsch zum Objekt.“ Ein Wiedersehen mit den Kajaks gibt es dann vielleicht bei der Exfiltration.


von Markus Tiedke

Gewässer: Ein Element der Fernspäher