Porträt: Trompeter im Musikkorps

Porträt: Trompeter im Musikkorps

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Hauptfeldwebel René Sperling ist einer von 50 Musikern des Musikkorps der Luftwaffe in Erfurt. Das bedeutet: häufige Busfahrten. Wechselnde Konzert-Orte. Applaudierendes Publikum. Was nach dem Leben eines Popstars klingt, ist der Arbeitsalltag des Trompeters.

Fast hätte er Informatik studiert. Zum Glück merkte er aber während des Grundwehrdienstes, was die Bundeswehr im Bereich Militärmusik zu bieten hat. „Ich glaube, das wäre wohl auch in die Hose gegangen“, so Sperling und ergänzt: „ITInformationstechnik wäre mir auf Dauer zu theoretisch gewesen – am liebsten arbeite ich kreativ.“

Ein Horn wie eine Geige

Ein Bundeswehrsoldat spielt Trompete

Kreativer als Informatik: René Sperling hat Musik zu seinem Beruf gemacht.

Bundeswehr/Beate Schöne

„Während die Trompeten oftmals die typischen 'Schnetereteng-Signale' spielen, übernimmt das Flügelhorn eher den Melodiepart, vergleichbar mit dem Geigenpart im Sinfonieorchester – was mir persönlich mehr liegt“, erklärt der gebürtige Erfurter.

Sperling spielt aber nicht nur auf den Instrumenten, sondern er ist auch Besetzungsleiter des Quintetts „Die Blechstaffel“ – einem der vielen Ensembles des Erfurter Musikkorps. „Den Namen haben wir uns selbst gegeben. Da wir ein deutsches Quintett sind und die kleinste Einheit, dachten wir das passt ganz gut“, so Sperling schmunzelnd.

Das klassische Blechbläserquintett besteht aus zwei Trompeten, Waldhorn, Posaune und Tuba. Das Besondere an der „Blechstaffel“ ist, dass es nicht wie üblich aus fünf – sondern aus sechs Musikerinnen und Musikern besteht.

„Ursprünglich haben wir zu fünft begonnen“, erzählt Sperling. „Da wir bei der Truppenbetreuung unteranderem auch Märsche, Polka oder Modernes spielen, dachten wir uns, dass ein Schlagzeug eine coole Unterstützung wäre.“

Das Drumset wurde relativ schnell durch eine Cajon ersetzt. „Die Cajon ist ein spezielles Schlag-Instrument, auf dem man sitzt, wodurch man näher zusammen ist. Gleichzeitig dient es als Bass und integriert sich sehr gut ins Quintett“, erklärt Sperling die Wahl.

Einer muss entscheiden

Die Stücke werden jedoch nicht nur geübt, sondern teilweise auch abgeändert oder angepasst. „Man kann Musik nicht als etwas absolut Statisches sehen. Wenn es sich im Verlauf der gemeinsamen Proben zum Beispiel dahin entwickelt, dass ein Forte nicht ganz so laut, sondern etwas leiser gespielt wird, dann trägt sich derjenige das in sein Notenblatt ein.“

In einem Kammer-Ensemble haben alle Mitspracherecht und wirken kreativ mit. Doch am Ende hat Sperling die Verantwortung – dafür ist er Besetzungsleiter.

Immer wieder emotional

Ein Bundeswehrsoldat spielt Trompete

Gänsehaut garantiert: Sperling spielt das „Lied vom guten Kameraden“.

Bundeswehr/Beate Schöne

Man müsse jedoch differenzieren, ob man es privat oder dienstlich spiele – ob man denjenigen, um den getrauert wird, kennt. „Da muss jeder schauen wie er vom Charakter ist. Ich persönlich kann zum Beispiel nicht in die traurigen Gesichter der Hinterbliebenen schauen. Man muss da gefasst sein und darf sich da nicht mitreißen lassen“, so der zweifache Familienvater.

Bei der Beerdigung seines Großvaters sei es schon etwas Anderes gewesen, berichtet Sperling nachdenklich. Da habe er sich schon extrem zusammenreißen müssen, um sich nicht zu verspielen oder sogar aufhören zu müssen.

„Ich habe meinem Opa die letzte Ehre erwiesen, und man möchte dann ja auch nicht die Beerdigung kaputt machen.“

Das „Lied vom guten Kameraden“ spielt im Trauerzeremoniell der Bundeswehr eine grosse Rolle. Es ist Bestandteil einer Beisetzung  mit militärischen Ehren und jeder militärischen Trauerfeier. Der Text „Der gute Kamerad“ wurde 1809 von Ludwig Uhland in Tübingen gedichtet. 1825 vertonte ihn der ebenfalls in Tübingen wohnende Friedrich Silcher.


Das „Lied vom guten Kameraden“ (MP3, 790,2 KB)

Mit den Blechbläsern nach Chile

Ende September geht es für Sperling und seine „Blechbläser“ in die deutsche Botschaft nach Santiago de Chile. Sie werden neben zwei Konzerten auch zwei Workshops in Schulen in sozialen Brennpunkten geben. „Ich bin schon sehr gespannt, was uns dort erwartet, da wir noch nicht so genau wissen, wohin die Reise geht“, so Sperling.

Sie wissen zwar schon, welche Instrumente die zwölf bis 14-jährigen Schüler spielen, aber nicht auf welchem Level. Ein Workshop wird besonders spannend, da keinerlei Blasinstrumente dabei sind. „Es werden Kinder sein, die Ukulele, E-Piano oder Afro-Percussion spielen, womit wir teilweise noch nie was zu tun hatten.“, erklärt Sperling. Mit der verbindenden Sprache der Musik und der Leidenschaft, die er und seine Jungs einbringen, dürfte das aber kein Problem sein.

von Beate Schöne