Kampfjets der Bundeswehr - Starfighter

Kampfjets der Bundeswehr - Starfighter

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Stabsgefreiter Janette Wieland, Radio Andernach (RA): Der Starfighter bleibt unvergessen. Ein Kampfflugzeug, bei dem Faszination und Gefahr eng beieinander lagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß eine moderne, atomwaffenfähige Mehrzweckwaffe. Die Luftwaffe sollte mit einem modernen Kampfflugzeug ausgerüstet werden, das es mit jedem Gegner aufnehmen konnte. Vor allem mit der russischen MiGMikoyan-Gurewitsch. Zur Auswahl stand unter anderem einerseits die französische Mirage III. Sie wäre ein erprobtes Modell gewesen. Außerdem noch der amerikanische Grumman Super Tiger. Oder eben die noch in der Entwicklung stehende amerikanische Lockheed F-104 – der Starfighter. Die Wahl fiel schließlich auf den Starfighter. Nicht zuletzt, weil Lockheed unter anderem mit der Serienproduktion in Deutschland lockte. Für die Piloten waren die Hintergründe aber eher Nebensache – sie waren gleich Feuer und Flamme für den Starfighter. So wie damals auch General a. D.außer Dienst Hubert Merkel. Er hat rund 1000 Flüge mit der F-104 absolviert.

General a.D. Hubert Merkel (HM): Und dann war da natürlich die ungeheure Leistungsfähigkeit des Flugzeugs - ein täglich tolles Erlebnis, wenn man mit so einer Maschine geflogen ist! The power and the glory! Wir waren die Herrscher des Himmels über Deutschland! Die Amerikaner flogen die F-105. Wenn wir sie gesehen haben und gesagt haben: ‚So jetzt zeige ich Dir, was ich kann.‘ Dann hat man gemerkt, der andere hat mich auch gesehen, zündete auch den Nachbrenner. Aber da wurde der Contrain nur dicker, aber er kam nicht weg. Wir konnten alles einholen, was damals am Himmel flog.

RA: Der Starfighter war nicht nur extrem wendig. Auch stellte er gleich drei Weltrekorde hintereinander auf. Die Schattenseite dieses Ausnahmeflugzeugs war jedoch seine Unfallquote: insgesamt gingen 269 Starfighter durch Abstürze verloren, 116 Piloten kamen dabei ums Leben. Grund dafür waren unter anderem die sogenannte „Kicker Malfunction“ – eine technische Einrichtung, die bei zu großer Steigrate die Nase des Flugzeugs herunterdrückte. Aber genau die führte oftmals zum Kontrollverlust über den Starfighter – und er stürzte ab. Auch der Schleudersitz funktionierte nicht richtig. Lockheed besserte nach. Trotzdem gab es weitere – auch tödliche – Unfälle. Auch General a. D.außer Dienst Hubert Merkel entkam nur knapp einer Katastrophe.

HM: Ich habe die Gigakraft von etwa 50 Pfund mit beiden Händen, am Knüppel nach hinten ziehend, die Füße gegen das Instrumentenbrett stemmend, so handhaben können, dass ich knapp von einer Bodenberührung davongekommen bin.

RA: Der Gefahr immer ins Auge blickend, ließen sich die Starfighter-Piloten trotzdem nicht einschüchtern. Sie stiegen immer wieder ins Cockpit.

HM: Bei allem, was immer passiert ist – auch Abstürze von Kameraden, die auch zum Teil tödlich ausgegangen sind, sind wir sofort wieder ins nächste Flugzeug gestiegen und weitergeflogen. Das war damals so üblich. Also, für posttraumatische Belastungsstörungen hat man uns damals keine Zeit gegeben.

RA: In der Bundesrepublik wird die Lockheed F-104 wohl nicht mehr fliegen. Am Boden ist sie aber immer noch zu bewundern. Zum Beispiel im Technikmuseum im rheinland-pfälzischen Speyer.

von Janette Wieland