Karriereberatung aus 800 km Entfernung

Karriereberatung aus 800 km Entfernung

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Es ist kalt an diesem frühen Donnerstagmorgen im Oktober. Sechs Grad zeigt das Thermometer an, als Hauptfeldwebel Alexander Esser in sein Auto steigt, um ins Büro zu fahren. „Heute findet das Event des Jahres statt“, sagt er. „Die erste Onlinemesse der Bundeswehr startet und ich darf als einer von 40 Karriereberatern bei diesem Highlight dabei sein.“

Die virtuelle Messehalle mit Ständen und Exponaten.

Die virtuellen Messehallen der Online-Karrieremesse bieten zahlreiche Möglichkeiten


Unter dem Motto: „Drei Uniformen - eine Bundeswehr“ beteiligen sich Heer, Luftwaffe und die Marine an dieser Messe und zeigen, welche Berufsbilder es bei ihnen in der Dimension Luft gibt. Luftfahrzeugbesatzungen und technisches Personal berichten im Internet immer wieder live vom Marinestützpunkt in Nordholz und Karrieraterinnen und Karriereberater aus dem gesamten Bundesgebiet stehen online für Karrierefragen zur Verfügung - auch Esser.  

Karriereberater mit IT-Erfahrung

Der Hautpfeldwebel ist seit 15 Jahren Soldat bei der Bundeswehr. Anfangs als Wehrpflichtiger im Grundwehrdienst, später war er dann viele Jahre als Zeitsoldat im IT-Bereich der Bundeswehr im In- und Ausland eingesetzt. Hauptsächlich war Esser für die Kommunikation von und in die Einsatzgebiete zuständig. Seit zwei Jahren ist er nun als Karriereberater für die Bundeswehr auf Messen, bei Berufsinformationsabenden an Schulen, aber auch für individuelle Beratungen im Karriereberatungsbüro in Weilheim tätig. „Nach Jahren im Umgang mit Bits und Bytes spürte ich den Drang nach etwas Neuem. Ich liebe neue Herausforderungen und genieße den Umgang mit Menschen“, erzählt er. „Da ist die Tätigkeit als Karriereberater genau das Richtige für mich.“

Ein Soldat in hellblauem Uniformhemd sitzt vor einem PC und tippt auf der Tastatur.

Auch wenn auf der virtuellen Messe der persönliche Kontakt fehlt, kann Stabsfeldwebel Kühme im Chat viele Fragen der Besucherinnen und Besucher klären

Gut vorbereitet zur Onlinemesse

Inzwischen ist Esser im Beratungsbüro angekommen. In der Agentur für Arbeit in Weilheim hat die Bundeswehr vor einigen Jahren Büroräume angemietet, um von hier aus die Präsenz und Ansprechbarkeit vor Ort zu gewährleisten. Im Büro wartet schon sein Kamerad Stabsfeldwebel Sebastian Kühme. Er ist ebenfalls Karriereberater. Sie haben sich hier verabredet, um gemeinsam für die Onlinemesse zu arbeiten. „Hier können wir dieses Event gemeinsam erleben und uns gegenseitig bei der Beantwortung detaillierter Fragen unterstützen“, begründet Esser. Tatsächlich ist es in Zeiten von Abstandsregeln und Hygienevorschriften gar nicht so einfach gemeinsame Erlebnisse zu schaffen. Strenge Vorschriften müssen umgesetzt und beachtet werden. Akribisch wurden deshalb zuvor bereits die Räumlichkeiten dem Hygienekonzept entsprechend angepasst. Die Tische auseinandergezogen, Trennwände eingezogen - das regelmäßige Lüften steht ganz oben auf der Agenda. „So ist das eben in Zeiten von Corona. Aber mir ist es lieber gemeinsam unter strengen Auflagen zu arbeiten, als alleine zu Hause im Homeoffice“, so Esser. Wie ernst die Beiden diese Veranstaltung nehmen, zeigt die konzentrierte Vorbereitung. Es werden Monitore angeschlossen, Internetverbindungen überprüft und die letzten Netzwerkkabel verlegt. „Hier kommen meine jahrelangen Erfahrungen im IT-Bereich wieder zum Tragen. Dabei wollte ich doch eigentlich Veränderung“, scherzt Esser zwischendurch.

Schwerpunkt: Airbus A400M

Nun ist es kurz vor zehn. Alles ist vorbereitet. Internetverbindungen stehen stabil, beide Karriereberater sind online auf der Messeplattform angemeldet und startklar. Sie sind heute Ansprechpartner für Fragen rund um den Airbus A400M. Fragen zu Berufsbildern, zu Ausbildungsgängen und Karrieremöglichkeiten, aber auch die eine oder andere Frage zu technischen Aspekten  erwarten die Beiden. „Zum Glück ist Sebastian ehemaliger Flugzeugtechniker“, bemerkt Esser und zeigt dabei auf seinen Kameraden. Jetzt als Karriereberater eingesetzt, war Kühme vorher jahrelang als Techniker auf der C-160 Transall weltweit mit der Bundeswehr unterwegs. „So hat jeder seine eigenen Fachkenntnisse, die man jetzt in die eigene Beratung einfließen lassen kann“, fügt Kühme hinzu.

Die Oberfläche der Onlinemesse mit dem A400 M und den verschiedenen anklickbaren Möglichkeiten ist zu sehen.

Infos rund um den Airbus A400 M: Auf der Onlinemesse können sich Interessierte selbst über Berufe informieren und ihre Fragen im Chat auch direkt an die Karriereberatenenden stellen

Bundeswehr


Es ist soweit. Die Onlinemesse ist gestartet und die erste Anfrage im Chat poppt auf. Ein Interessent möchte wissen, wieviel Tonnen Last der A400M transportieren kann. Hauptfeldwebel Esser, der diese Chatanfrage beantwortet, hält kurz inne. Er schaut zu seinem Kameraden rüber und fragt nach, ob er er das aus dem Kopf beantworten könne. „Antworte ihm ca. 37 Tonnen. Da ist der Treibstoff aber noch nicht mit dabei. Aber ich denke mit 37 Tonnen wird er zufrieden sein“, antwortet Stabsfeldwebel Kühme. Nun zeigt sich der große Vorteil der Arbeit im Duo. Sich gegenseitig unterstützen und Erfahrungen teilen – das kam ihnen an diesem Tag noch öfter zu Gute.

Attraktiver Arbeitgeber Bundeswehr

Ein weiterer Besucher der Onlinemesse möchte etwas später wissen, wie er Pilot bei der Bundeswehr werden kann und welche Voraussetzungen er dafür mitbringen muss. Stabsfeldwebel Kühme übernimmt die Anfrage und antwortet routiniert mit den wichtigsten Informationen. Schnell entwickelt sich ein vertrautes Fachgespräch zwischen den Messebesucher und Berater. Der Interessent ist derzeit Flugschüler bei einer zivilen Airline und steckt mitten in seiner Pilotenausbildung. Bedingt durch die Auswirkungen der Coronakrise bangt er nun um seinen Arbeitsplatz. Dies scheint an diesem Tag wohl kein Einzelfall zu sein. „Ungefähr ein Drittel der Anfragen bei uns hier kommen heute von Flugschülern oder gar von berufserfahrenen Piloten“, wirft Esser ein. „Sie sehen sich überwiegend mit Stellenstreichungen und Personalabbau bei ihren derzeitigen Arbeitgebern konfrontiert und suchen nun Alternativen um ihren Traum vom Fliegen weiterleben zu können.“

Ein Soldat blickt auf einen Monitor. Hier ist eine Halle der virtuellen Messe zu sehen.

Hauptfeldwebel Esser beobachtet die Eingangshalle der Messe. Hier kann er auch selbst Messebesucherinnen und Messebesucher kontaktieren.

Bundeswehr


Nach vielen interessanten Beratungsgesprächen neigt sich der erste Tag der Onlinemesse dem Ende zu. „Es war einiges los heute. Wir haben viele ernsthafte Unterhaltungen gehabt“, berichtet Hauptfeldwebel Esser. Die Teilnehmenden der Onlinemesse konnten sich den ganzen Tag über neben den Chats mit Karriereberatenden und Luftfahrzeugbesatzungen, auch in unzähligen Videobeiträgen und Liveschaltungen nach Nordholz über die verschiedenen Berufsbilder in der „Dimension Luft“ bei der Bundeswehr informieren. „Wenn wir heute den einen oder anderen Besucher für ein individuelles Beratungsgespräch in einem Beratungsbüro begeistern konnten, dann haben wir unseren Job gut gemacht“, resümiert Esser. Und weiter: „Wir haben heute bewiesen, dass die Bundeswehr trotz der schwierigen Gesamtsituation in Deutschland kreativ und vor allem innovativ auf ihre Zeilgruppen zugehen kann und den Arbeitgeber Bundeswehr umfangreich und authentisch darstellen kann.“ Auch am Freitag werden Hauptfeldwebel Esser und Stabsfeldwebel Kühme wieder vor ihren Computern sitzen und bei der ersten Onlinemesse der Bundeswehr Antworten geben auf die neugierigen Fragen der Messebesucher.

von Sebastian Moldan/Alexander Esser   E-Mail schreiben