Kapitel 3 – Respekt

Auftrag: Runway

Ruben Nowak hat zwölf Jahre in der Bundeswehr gedient, bevor er Modedesigner wurde und das Berliner Label NOWRUBI gründete. Dass diese Zeit den Veteranen geprägt hat, zeigt sich auch in seiner Mode deutlich.

TEXT Beate Schöne

Auf großer Bühne Mit seiner Herbst/Winter-Kollektion 2026 gab Ruben Nowak auf der Berlin Fashion Week im ehemaligen Münzprägewerk in Berlin-Mitte sein Debüt. Die Kollektion seines Labels NOWRUBI erzählt in drei Phasen vom Erwachsenwerden: von kindlicher Träumerei über Rebellion bis hin zur Selbstfindung. 350 nationale und internationale Gäste aus Mode, Kreativszene und Medien verfolgten die Show. Foto: Alamy Live News/Felix Wolf

Es ist der 1. Februar 2026, die letzten Minuten Backstage, gleich geht es los. Models stehen konzentriert in einer Reihe, um sie herum schwirren Hände, die die Stoffe noch einmal glätten und Kragen zurechtrücken. Ein Stylist ruft die Reihenfolge durch. Mitten in diesem kontrollierten Chaos steht Ruben Nowak. Er beobachtet, korrigiert Details und spricht mit ruhiger Stimme mit seinen Models. Der Berliner Modedesigner und Gründer des Modelabels NOWRUBI eröffnet dieses Jahr die Berlin Fashion Week und präsentiert seine aktuelle Kollektion „Innocence“. Die Medien sprechen danach von einem „Highlight der Fashion Week“ und von einem „authentischen Berliner Zeitgeist“. Nowak wird immer bekannter in der Branche: Projekte mit Künstlern wie Cro oder Luciano, Auftritte in Zeitschriften und im Fernsehen gehören mittlerweile dazu. Zuletzt stand er bei Germany’s Next Topmodel mit Heidi Klum vor der Kamera: Nowak suchte in der Sendung ein Model für seine Kollektion.

Training in der Wüste

Für Nowak gehörten körperliche und mentale Fitness immer dazu. Besonders vor seinen Auslandseinsätzen trainierte er intensiv. Foto: Privat

Die USA als zweites Zuhause Einen Großteil seiner Dienstzeit verbrachte Nowak in El Paso. Auch sein Sohn kam in der sechstgrößten Stadt des US-Bundesstaates Texas zur Welt und besuchte ihn schon wenige Wochen nach der Geburt an seinem Arbeitsplatz. Foto: Privat

Erste Nähmaschine im Einsatz

„Wenn ich mich für etwas entscheide, ziehe ich es durch“, erklärt der Designer. Die Entscheidung für die Mode traf er 2014 – nicht in Paris oder Mailand, sondern während eines Militäreinsatzes in der Türkei. Denn vor der Modekarriere war Nowak Offizier der Luftwaffe. Er wollte Pilot werden, bestand jedoch nicht die entsprechende Eignungsprüfung. Daher entschied er sich für die Flugabwehrraketentruppe und wurde in El Paso im US-Bundesstaat Texas zum Feuerleitoffizier ausgebildet.

2014 ging er während des Einsatzes AFTUR (Active Fence Turkey) in die rund 500.000 Einwohner große türkische Stadt Kahramanmaras, knapp 100 Kilometer von der syrischen Grenze und dem dortigen Bürgerkrieg entfernt. Die Türkei wurde mehrfach beschossen und bat die NATO um Unterstützung bei der Luftverteidigung. Die deutschen Kräfte sollten die Stadt vor dem weiteren Beschuss mit Raketen schützen. Der Auftrag erforderte Konzentration, aber auch viel Warten, erinnert sich Nowak: „Wir hatten Zwölf-Stunden-Schichten, zu dritt in einem sehr engen Raum. Da hatte man viel Zeit und hat viel gesprochen.“ Dabei entsteht eine Idee: Ein Kamerad bringt betriebswirtschaftliches Wissen mit, Nowak hat ein gutes Gespür für Mode. „Irgendwann kam die Frage: Warum nicht beides miteinander verbinden?“

Die beiden Soldaten wollen eine Sportmarke gründen. „Für mich war klar, wenn ich den modischen Part übernehme, dann muss ich nähen lernen“, erinnert sich Nowak. Kurzerhand bestellt er sich eine Nähmaschine in den Einsatz. Zwischen Dienst und Freizeit bringt er sich mit Youtube-Videos das Nähen bei. Das geplante Sportlabel werden die beiden nie realisieren, aber für Nowak ist es die Grundlage für alles, was danach kommt.

„Mir war schon als Soldat wichtig, welche Energie im Team herrscht.“

Ruben Nowak, Modedesigner und Veteran

Gefragter Designer

Kurz vor Beginn der Berlin Fashion Week gab Nowak zahlreiche Interviews. Das Interesse von Medien und Kreativszene ist groß und die Aufmerksamkeit für das Label wächst sichtbar. Foto: Nowrubi/Aino Ahola

Zwischen Militär und Kreativität

Struktur, Disziplin und Durchhaltefähigkeit – vieles von dem, was Nowak als Designer auszeichnet, hat er bei der Bundeswehr gelernt. Auch die Kameradschaft in der Truppe hat ihn geprägt. „Mir war schon damals als Soldat wichtig, welche Energie im Team herrscht“, sagt er. Seine militärische Prägung hat er auf seine heutige Arbeit übertragen. Bei der Planung einer neuen Kollektion denkt er in Einheiten und Gesamtkonzepten. „Ich entwerfe nicht einzelne Teile, sondern komplette Looks von Kopf bis Fuß.“ Besonders deutlich wird Nowaks Hintergrund in seiner früheren Kollektion „Confidential“. Hier verarbeitete der frühere Soldat seine Erfahrungen bei der Truppe. Er nutzte viele militärische Elemente: Pilotenschnitte, Fliegertaschen, funktionale Materialien, Camouflage. Aber statt diese einfach zu übernehmen, veränderte er sie. Schnitte wurden weiter, Formen freier und Materialien neu interpretiert. Die Funktionalität blieb, aber sie wurde Teil eines individuellen Ausdrucks, eines Looks. „Die Kollektion erzählt vom Wandel und vom Mut, bekannte Strukturen zu verlassen, sowie vom Spannungsfeld zwischen Anpassung und Individualität“, erklärt Nowak.

Wahl des richtigen Materials Neben den Schnitten kommt es Nowak auch auf die Materialien an: Wie fassen sie sich an? Wie fallen sie und welche Farben drücken das aus, was er sagen möchte?

Foto: Bundeswehr/Christian Vierfuß

Kreativität mit Konzept Jedem Outfit gehen Skizze und Idee voraus. Gelernt hat Nowak diesen Prozess während des Modedesignstudiums an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin.

Foto: Bundeswehr/Christian Vierfuß

Bei seinem Runway-Debüt auf der Berlin Fashion Week geht er noch einen Schritt weiter. Die Kollektion „Innocence“ erzählt vom Erwachsenwerden. Der Runway wird zur Erzählfläche für seine drei zentralen Lebensphasen: Kindheit, Rebellion und Erwachsensein. „Ich bin kein Kind mehr und auch kein Soldat“, sagt Nowak. „Ich bin heute Familienvater und Unternehmer.“ Die aktuelle Kollektion veranschaulicht nicht nur Nowaks kreatives Schaffen, sondern auch seine persönlichen Wendepunkte.

„Mir war lange Zeit gar nicht bewusst, dass ich ein Veteran bin.“

Ruben Nowak, Modedesigner und Veteran

Foto: Bundeswehr/Christian Vierfuß

Ein besonderer Veteran

Die Bundeswehr hat Nowak geprägt, sie gehört zu seiner DNA. Zwölf Jahre hat er gedient. Nach der Ausbildung an der Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck war er lange Zeit als Flugabwehrraketenoffizier in Bad Sülze, El Paso und Rostock. Seit Oktober 2021 ist er raus. An die Zeit in der Truppe denkt er gerne zurück. „Mir war lange gar nicht bewusst, dass ich jetzt ein Veteran bin“, sagt er. Veteraninnen und Veteranen sind für ihn eigentlich diejenigen, die oft im Einsatz waren, „altgedient“ sind und besonders viel erlebt haben. „Ich habe auch meinen Einsatz geleistet, aber andere haben die Bezeichnung sicher mehr verdient.“ Über die aufkommende Veteranenkultur in Deutschland freut sich der Designer aber sehr. Er erwartet – wie viele aktive und ehemalige Bundeswehrangehörige – von der Gesellschaft, dass sie ihre Soldatinnen und Soldaten für ihren Dienst würdigt. Das neue Bewusstsein für Veteraninnen und Veteranen wird das gesellschaftliche Verständnis auf jeden Fall stärken, ist sich Nowak sicher. „Das wünsche ich mir, denn der Auftrag der Truppe ist wichtig.“

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