Kapitel 1 – Identität
Bin ich Veteran?
Die offizielle Definition des Begriffs ist klar, doch wie sehr kann sich die Truppe damit identifizieren? Wir haben zwei Soldaten gebeten, uns ihre Meinung zu sagen und ihren ganz persönlichen Umgang mit dem Wort „Veteran“ zu erläutern. Sind die Gegenpositionen am Ende vielleicht gar nicht so weit voneinander entfernt?
PRO

Stabsfeldwebel Frank N. (52) ist seit 1995 bei der Bundeswehr. Er hat seine Grundausbildung in Calw absolviert, wurde dann Fallschirmjäger, später Aufklärer und ist seit 2019 in Sondershausen Schießausbilder.
Fotos: Bundeswehr/Chris Schlätzer
Unter einem Veteranen verstehe ich einen erfahrenen Soldaten oder eine erfahrene Soldatin, die ihren Dienst für das Vaterland erbracht haben. Sie müssen nicht zwingend Einsatzerfahrung haben, obwohl es den Aspekt „Dienst“ meiner Meinung nach deutlicher macht.
Ja, ich bin Veteran!
Ich sehe mich als Veteran. Denn ich bin bereits im 31. Dienstjahr und habe auch Auslandserfahrung. Insgesamt komme ich auf 1.129 Einsatztage, den Großteil davon in Afghanistan. Mein erster Einsatz war als Fallschirmjäger und Patrouillenführer, die folgenden als Aufklärer und Feldnachrichtenfeldwebel.
In meiner Bundeswehrzeit gab es viele Ereignisse, die mir das Gefühl geben, ein echter Veteran zu sein.
Eins davon war der Absturz eines Transporthubschraubers CH-53 in Kabul bei meinem ersten Einsatz. Sieben deutsche Soldaten verloren am 21. Dezember 2002 ihr Leben. Damals gab es noch keine Möglichkeit, in die Heimat zu kommunizieren. In den Nachrichten wurde davon gesprochen, dass ein oder zwei der toten Soldaten aus Nordhausen, meinem Heimatstandort, kommen sollten. Wer genau wurde natürlich nicht gesagt. Das hat meine Familie daheim extrem belastet – und damit auch mich.
Für mich zählen Einsätze
Mit der weitläufigen Definition des Veteranenbegriffs tue ich mich deshalb auch etwas schwer. Die breite Verwendung des Begriffs schmälert in meinen Augen das Ansehen eines Veteranen und einer Veteranin. Ich kann mich eher mit der ursprünglich geplanten Veteranendefinition des früheren Verteidigungsministers Thomas de Maizière identifizieren:
Veteran oder Veteranin ist, wer ehrenvoll aus dem aktiven Dienst der Bundeswehr entlassen wurde und an mindestens einem Einsatz für humanitäre, friedenserhaltende oder -schaffende Maßnahmen teilgenommen hat.
Also eine auf Einsätze fokussierte und deutlich exklusivere Definition.
PRO

Ich fühle mich geehrt
Ich habe mich von Anfang an mit dem Begriff Veteran identifiziert. Wenn ich darauf angesprochen werde, fühle ich mich geehrt und als „altgedient“ wahrgenommen.
Ich war 2019 auch einer der ersten, der das Veteranenabzeichen beantragt hat.
Übergeben wurde es mir von meinem damaligen Kompaniechef. Es ist okay für mich, dass es Kameradinnen oder Kameraden gibt, die sich so sehen, selbst wenn sie nicht im Einsatz waren oder schon lange bei der Truppe sind. Jeder soll das für sich entscheiden. Aber vielleicht denken sie ja zum Dienstzeitende oder zum 25. Dienstjubiläum einmal darüber nach, dass die Bezeichnung Veteran oder Veteranin eine Wertschätzung für den geleisteten Dienst ist.
Ich glaube auch, dass sich mehr Kameradinnen und Kameraden damit identifizieren, wenn die Verleihung des Veteranenabzeichens offizieller und öffentlicher wäre.
Wir haben Anerkennung verdient!
Im Familien- und Freundeskreis spreche ich regelmäßig über die Bedeutung von Veteraninnen und Veteranen. Durch die derzeitige sicherheitspolitische Lage steht die Bundeswehr wieder mehr im Fokus und ist auch häufiger in den Medien vertreten. Der Großteil meiner Angehörigen und Freunde findet, dass es sehr gut und wichtig ist, dass die Bundeswehr öffentlich sichtbarer wird – auch durch den Veteranentag oder das Veteranenabzeichen.
Ich würde mir wünschen, dass der Veteranenbegriff noch stärker in der Gesellschaft verankert wird. Dass vor allem diejenigen, die in Auslandseinsätzen waren, mehr Anerkennung und Wertschätzung erfahren.
Es muss ja nicht so heroisch inszeniert sein wie in den USA. Aber es ist wichtig, dass ihr Einsatz überhaupt wahrgenommen wird und man darüber ins Gespräch kommt. Noch besser wäre es, wenn man das Veteranenabzeichen nicht selbst beantragen müsste, sondern es einem offiziell verliehen würde, zum Beispiel wenn man die Truppe verlässt oder bei öffentlichen Veranstaltungen.
PRO

Es bleibt viel zu tun
Es ist in den letzten Jahren schon einiges passiert: die Eröffnung des Veteranenbüros, die Gründungen diverser Veteranenverbände, die Einführung des Veteranenabzeichens oder auch die Bestimmung eines Veteranentags. Aber ich denke es ist wichtig, dass es deutschlandweit noch weiter gestreut wird, dass die Menschen zum Beispiel wissen, welche Veteranenverbindungen oder -treffen es bei ihnen in der Region gibt.
Es gibt bestimmt auch Soldatinnen oder Soldaten, die die Bundeswehr verlassen haben, ohne ihre Einsatzerlebnisse verarbeitet zu haben und sich allein gelassen fühlen.
Wie schön wäre es, wenn die wüssten, wo sie Anschluss finden könnten.
Was ich mir wünsche
Die Veranstaltungen zum Veteranentag sollten nicht nur in Großstädten stattfinden, sondern auch an kleineren Standorten wie beispielsweise in Hagenow. Natürlich ist es wichtig, dass diese Veranstaltungen dann auch medial bekannt gemacht werden.
Außerdem wäre es schön, wenn für Veteraninnen und Veteranen noch mehr getan würde.
Vielleicht könnte man dafür sorgen, dass sie Vergünstigungen oder freien Eintritt zum Beispiel in Museen oder Kinos erhalten. Ich bin mir sicher, dass der Veteranenbegriff die Bundeswehr für die Gesellschaft greifbarer macht – und er es deswegen verdient hat, weiter öffentlich gemacht zu werden.
KONTRA

Stabsfeldwebel Dennis P. (52) hat von 1993 bis 1994 seinen Wehrdienst bei der Marine als Schreibfunker absolviert. 1997 kam er als Wiedereinsteller in die Bundeswehr zurück, wurde IT-Feldwebel, später Redakteur und ist seit 2019 in der Redaktion der Bundeswehr in Berlin.
Fotos: Bundeswehr/Christian Vierfuß
Ein Veteran oder eine Veteranin ist für mich eine Person, die durch außerordentliche Taten oder Geschehnisse im Dienst einen Status hat, durch den man zu ihr oder ihm aufblickt. Meine persönliche Meinung ist, dass wir denen, die Außergewöhnliches geleistet, erlebt und ertragen haben, durch die sehr großzügig formulierte Definition keinen Gefallen getan haben.
Wieso sind alle gleich?
So wird ein Soldat oder eine Soldatin mit über tausend Einsatztagen in Afghanistan, Mali oder Kosovo – ich habe einige davon kennengelernt – mit Soldaten oder Soldatinnen auf eine Stufe gestellt, die nur zehn Monate Wehrdienst in irgendeinem Geschäftszimmer abgeleistet haben. Das soll nicht respektlos klingen, denn auch sie haben ihren Dienst geleistet und sind Kameraden und Kameradinnen.
Aber es fühlt sich für mich einfach nicht richtig an.
Vermutlich ist es ein Problem der persönlichen Wahrnehmung und wie „aufgeladen“ der Begriff für uns alle ist.
Ich habe im Einsatz viel erlebt
Der Anstand und mein berufliches Verständnis von Kameradschaft und Loyalität bringen mich in eine sehr unangenehme Situation, weil ich anfange, meine Kameraden und Kameradinnen zu bewerten. Ich möchte das gar nicht, aber so ganz komme ich nicht drum herum. Denn ich bin selber „betroffen“: Ich war knapp 250 Tage in Westafrika. 2014 habe ich in Monrovia gegen Ebola gekämpft. 2015 flog ich einen Tag nach den Terroranschlägen von Paris nach Mali. Eine Woche später wurden bei einem Anschlag auf das Radisson Blu Hotel in Bamako, das nur 500 Meter von unserem Hauptquartier entfernt war, zahlreiche Menschen ermordet. 2019 wurde das EUTM-Camp in Koulikoro durch Selbstmordattentäter angegriffen. Am nächsten Tag führte ich den Verteidigungsausschuss und tags darauf Außenminister Heiko Maas durch die Trümmer.
Und das soll gleichwertig mit dem Ableisten von zehn Monaten Wehrdienst sein?
Nein, das kann es auch gar nicht.
KONTRA

Ich fühle mich nicht als Veteran
Bin ich mit meinen bisherigen vier Einsätzen ein Veteran? Nach der offiziellen Definition bin ich es auf jeden Fall. Für mich persönlich: nein. Dafür ist der Begriff für mich viel zu sehr mit einem gewissen Heldenstatus verbunden und ich bin kein Held.
Die, die wirklich gekämpft haben und Tod oder Verwundung in ihrem direkten Umfeld erfahren haben, das sind für mich Heldinnen und Helden und „echte“ Veteraninnen und Veteranen.
Zu ihnen blicke auch ich nach 30 Dienstjahren und vier Einsätzen auf. Sie verdienen unsere breite gesellschaftliche Anerkennung, alle Hilfe, die sie brauchen, und keine verallgemeinernden Begriffsbestimmungen.
Vielleicht hilft uns der Begriff
Die Absicht, die zu der sehr allgemeinen Definition geführt hat, liegt für mich auf der Hand. Zehn Millionen Menschen kann man in einem Land, in dem etwa 83 Millionen leben, nicht ignorieren. Das finde ich gut, weil ich glaube, dass der „Dienst an der Waffe“ dadurch eine höhere Akzeptanz bekommt. Wir alle, die die Uniform tragen oder getragen haben, machen über zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Eine Zahl über die ich mir vorher noch nie Gedanken gemacht habe.
Es macht uns sichtbarer und genau deswegen streite ich im Gespräch mit anderen auch nie ab, ein Veteran zu sein.
Für die Gesellschaft bin ich es und das ist okay – aber ich selbst fühle mich nicht so. Ich denke, wir müssen das eigene Berufs- und Selbstverständnis von dieser Definition abkoppeln und uns einfach darüber freuen, dass wir mehr wahrgenommen werden. Es ist schön, dass die Gesellschaft nun einen Begriff hat, mit dem sie uns Respekt erweisen kann. Denn abfällig kann man den Begriff nicht nutzen.
KONTRA

Wir tragen alle dazu bei
Im Grunde ist es bei der Veteranendefinition ein bisschen wie mit der Fußball-Nationalmannschaft: Während des Spiels stehen elf Personen auf dem Platz. Aber am Ende werden alle 25 Spielerinnen oder Spieler Weltmeister. Niemand macht nach dem Schlusspfiff einen Unterschied, ob jemand hunderte Minuten, 30 Minuten oder gar nicht gespielt hat. Alle waren dabei und haben dazu beigetragen.
Jeder ist ein Teil des großen Ganzen, jeder hat seine Aufgabe.
Wenn sich alle in den Dienst der Mannschaft stellen, dann ist das Team am erfolgreichsten. Das gilt auch in der Truppe.
Zu Opfern bereit sein
Der preußische Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke, der Erfinder des Konzepts „Führen mit Auftrag“, hat Bescheidenheit als eine Soldatentugend bezeichnet.
Eine ruhmvolle Tat benötigt kein Eigenlob, die Tat spricht für sich.
Diese Haltung habe ich verinnerlicht: Ich trage die Uniform seit 30 Jahren mit Stolz und stehe für die Werte unserer Demokratie ein. Ich mag zwar keine „ruhmvollen“ Taten vollbracht haben, aber darum geht es am Ende nicht. Sondern darum, ob ich sie tun würde, wenn es sein muss. Diese Frage kann ich mit einem ganz klaren „Ja!“ beantworten.
Vielleicht denke ich irgendwann anders
Es freut mich sehr, dass uns ein Stück mehr Respekt entgegengebracht werden kann, indem man uns Veteraninnen oder Veteranen nennt. Meine persönliche Einstellung lässt es bisher nicht zu, mich selbst so zu sehen. Vielleicht sehe ich es in zwei Jahren anders, dann verlasse ich die Bundeswehr.
Ein Veteran ist ja im Wortsinn jemand, der schon etwas älter ist und viel Erfahrung hat. Vielleicht lässt mich das noch mal anders auf den Begriff schauen.
Als ehemaliger Soldat, der einiges gesehen und erlebt hat – und spätestens dann Veteran ist.
PRO

Stabsfeldwebel Frank N. (52) ist seit 1995 bei der Bundeswehr. Er hat seine Grundausbildung in Calw absolviert, wurde dann Fallschirmjäger, später Aufklärer und ist seit 2019 in Sondershausen Schießausbilder.
Fotos: Bundeswehr/Chris Schlätzer
Unter einem Veteranen verstehe ich einen erfahrenen Soldaten oder eine erfahrene Soldatin, die ihren Dienst für das Vaterland erbracht haben. Sie müssen nicht zwingend Einsatzerfahrung haben, obwohl es den Aspekt „Dienst“ meiner Meinung nach deutlicher macht.
Ja, ich bin Veteran!
Ich sehe mich als Veteran. Denn ich bin bereits im 31. Dienstjahr und habe auch Auslandserfahrung. Insgesamt komme ich auf 1.129 Einsatztage, den Großteil davon in Afghanistan. Mein erster Einsatz war als Fallschirmjäger und Patrouillenführer, die folgenden als Aufklärer und Feldnachrichtenfeldwebel.
In meiner Bundeswehrzeit gab es viele Ereignisse, die mir das Gefühl geben, ein echter Veteran zu sein.
Eins davon war der Absturz eines Transporthubschraubers CH-53 in Kabul bei meinem ersten Einsatz. Sieben deutsche Soldaten verloren am 21. Dezember 2002 ihr Leben. Damals gab es noch keine Möglichkeit, in die Heimat zu kommunizieren. In den Nachrichten wurde davon gesprochen, dass ein oder zwei der toten Soldaten aus Nordhausen, meinem Heimatstandort, kommen sollten. Wer genau wurde natürlich nicht gesagt. Das hat meine Familie daheim extrem belastet – und damit auch mich.
Für mich zählen Einsätze
Mit der weitläufigen Definition des Veteranenbegriffs tue ich mich deshalb auch etwas schwer. Die breite Verwendung des Begriffs schmälert in meinen Augen das Ansehen eines Veteranen und einer Veteranin. Ich kann mich eher mit der ursprünglich geplanten Veteranendefinition des früheren Verteidigungsministers Thomas de Maizière identifizieren:
Veteran oder Veteranin ist, wer ehrenvoll aus dem aktiven Dienst der Bundeswehr entlassen wurde und an mindestens einem Einsatz für humanitäre, friedenserhaltende oder -schaffende Maßnahmen teilgenommen hat.
Also eine auf Einsätze fokussierte und deutlich exklusivere Definition.
KONTRA

Stabsfeldwebel Dennis P. (52) hat von 1993 bis 1994 seinen Wehrdienst bei der Marine als Schreibfunker absolviert. 1997 kam er als Wiedereinsteller in die Bundeswehr zurück, wurde IT-Feldwebel, später Redakteur und ist seit 2019 in der Redaktion der Bundeswehr in Berlin.
Fotos: Bundeswehr/Christian Vierfuß
Ein Veteran oder eine Veteranin ist für mich eine Person, die durch außerordentliche Taten oder Geschehnisse im Dienst einen Status hat, durch den man zu ihr oder ihm aufblickt. Meine persönliche Meinung ist, dass wir denen, die Außergewöhnliches geleistet, erlebt und ertragen haben, durch die sehr großzügig formulierte Definition keinen Gefallen getan haben.
Wieso sind alle gleich?
So wird ein Soldat oder eine Soldatin mit über tausend Einsatztagen in Afghanistan, Mali oder Kosovo – ich habe einige davon kennengelernt – mit Soldaten oder Soldatinnen auf eine Stufe gestellt, die nur zehn Monate Wehrdienst in irgendeinem Geschäftszimmer abgeleistet haben. Das soll nicht respektlos klingen, denn auch sie haben ihren Dienst geleistet und sind Kameraden und Kameradinnen.
Aber es fühlt sich für mich einfach nicht richtig an.
Vermutlich ist es ein Problem der persönlichen Wahrnehmung und wie „aufgeladen“ der Begriff für uns alle ist.
Ich habe im Einsatz viel erlebt
Der Anstand und mein berufliches Verständnis von Kameradschaft und Loyalität bringen mich in eine sehr unangenehme Situation, weil ich anfange, meine Kameraden und Kameradinnen zu bewerten. Ich möchte das gar nicht, aber so ganz komme ich nicht drum herum. Denn ich bin selber „betroffen“: Ich war knapp 250 Tage in Westafrika. 2014 habe ich in Monrovia gegen Ebola gekämpft. 2015 flog ich einen Tag nach den Terroranschlägen von Paris nach Mali. Eine Woche später wurden bei einem Anschlag auf das Radisson Blu Hotel in Bamako, das nur 500 Meter von unserem Hauptquartier entfernt war, zahlreiche Menschen ermordet. 2019 wurde das EUTM-Camp in Koulikoro durch Selbstmordattentäter angegriffen. Am nächsten Tag führte ich den Verteidigungsausschuss und tags darauf Außenminister Heiko Maas durch die Trümmer.
Und das soll gleichwertig mit dem Ableisten von zehn Monaten Wehrdienst sein?
Nein, das kann es auch gar nicht.
PRO

Ich fühle mich geehrt
Ich habe mich von Anfang an mit dem Begriff Veteran identifiziert. Wenn ich darauf angesprochen werde, fühle ich mich geehrt und als „altgedient“ wahrgenommen.
Ich war 2019 auch einer der ersten, der das Veteranenabzeichen beantragt hat.
Übergeben wurde es mir von meinem damaligen Kompaniechef. Es ist okay für mich, dass es Kameradinnen oder Kameraden gibt, die sich so sehen, selbst wenn sie nicht im Einsatz waren oder schon lange bei der Truppe sind. Jeder soll das für sich entscheiden. Aber vielleicht denken sie ja zum Dienstzeitende oder zum 25. Dienstjubiläum einmal darüber nach, dass die Bezeichnung Veteran oder Veteranin eine Wertschätzung für den geleisteten Dienst ist.
Ich glaube auch, dass sich mehr Kameradinnen und Kameraden damit identifizieren, wenn die Verleihung des Veteranenabzeichens offizieller und öffentlicher wäre.
Wir haben Anerkennung verdient!
Im Familien- und Freundeskreis spreche ich regelmäßig über die Bedeutung von Veteraninnen und Veteranen. Durch die derzeitige sicherheitspolitische Lage steht die Bundeswehr wieder mehr im Fokus und ist auch häufiger in den Medien vertreten. Der Großteil meiner Angehörigen und Freunde findet, dass es sehr gut und wichtig ist, dass die Bundeswehr öffentlich sichtbarer wird – auch durch den Veteranentag oder das Veteranenabzeichen.
Ich würde mir wünschen, dass der Veteranenbegriff noch stärker in der Gesellschaft verankert wird. Dass vor allem diejenigen, die in Auslandseinsätzen waren, mehr Anerkennung und Wertschätzung erfahren.
Es muss ja nicht so heroisch inszeniert sein wie in den USA. Aber es ist wichtig, dass ihr Einsatz überhaupt wahrgenommen wird und man darüber ins Gespräch kommt. Noch besser wäre es, wenn man das Veteranenabzeichen nicht selbst beantragen müsste, sondern es einem offiziell verliehen würde, zum Beispiel wenn man die Truppe verlässt oder bei öffentlichen Veranstaltungen.
KONTRA

Ich fühle mich nicht als Veteran
Bin ich mit meinen bisherigen vier Einsätzen ein Veteran? Nach der offiziellen Definition bin ich es auf jeden Fall. Für mich persönlich: nein. Dafür ist der Begriff für mich viel zu sehr mit einem gewissen Heldenstatus verbunden und ich bin kein Held.
Die, die wirklich gekämpft haben und Tod oder Verwundung in ihrem direkten Umfeld erfahren haben, das sind für mich Heldinnen und Helden und „echte“ Veteraninnen und Veteranen.
Zu ihnen blicke auch ich nach 30 Dienstjahren und vier Einsätzen auf. Sie verdienen unsere breite gesellschaftliche Anerkennung, alle Hilfe, die sie brauchen, und keine verallgemeinernden Begriffsbestimmungen.
Vielleicht hilft uns der Begriff
Die Absicht, die zu der sehr allgemeinen Definition geführt hat, liegt für mich auf der Hand. Zehn Millionen Menschen kann man in einem Land, in dem etwa 83 Millionen leben, nicht ignorieren. Das finde ich gut, weil ich glaube, dass der „Dienst an der Waffe“ dadurch eine höhere Akzeptanz bekommt. Wir alle, die die Uniform tragen oder getragen haben, machen über zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Eine Zahl über die ich mir vorher noch nie Gedanken gemacht habe.
Es macht uns sichtbarer und genau deswegen streite ich im Gespräch mit anderen auch nie ab, ein Veteran zu sein.
Für die Gesellschaft bin ich es und das ist okay – aber ich selbst fühle mich nicht so. Ich denke, wir müssen das eigene Berufs- und Selbstverständnis von dieser Definition abkoppeln und uns einfach darüber freuen, dass wir mehr wahrgenommen werden. Es ist schön, dass die Gesellschaft nun einen Begriff hat, mit dem sie uns Respekt erweisen kann. Denn abfällig kann man den Begriff nicht nutzen.
PRO

Es bleibt viel zu tun
Es ist in den letzten Jahren schon einiges passiert: die Eröffnung des Veteranenbüros, die Gründungen diverser Veteranenverbände, die Einführung des Veteranenabzeichens oder auch die Bestimmung eines Veteranentags. Aber ich denke es ist wichtig, dass es deutschlandweit noch weiter gestreut wird, dass die Menschen zum Beispiel wissen, welche Veteranenverbindungen oder -treffen es bei ihnen in der Region gibt.
Es gibt bestimmt auch Soldatinnen oder Soldaten, die die Bundeswehr verlassen haben, ohne ihre Einsatzerlebnisse verarbeitet zu haben und sich allein gelassen fühlen.
Wie schön wäre es, wenn die wüssten, wo sie Anschluss finden könnten.
Was ich mir wünsche
Die Veranstaltungen zum Veteranentag sollten nicht nur in Großstädten stattfinden, sondern auch an kleineren Standorten wie beispielsweise in Hagenow. Natürlich ist es wichtig, dass diese Veranstaltungen dann auch medial bekannt gemacht werden.
Außerdem wäre es schön, wenn für Veteraninnen und Veteranen noch mehr getan würde.
Vielleicht könnte man dafür sorgen, dass sie Vergünstigungen oder freien Eintritt zum Beispiel in Museen oder Kinos erhalten. Ich bin mir sicher, dass der Veteranenbegriff die Bundeswehr für die Gesellschaft greifbarer macht – und er es deswegen verdient hat, weiter öffentlich gemacht zu werden.
KONTRA

Wir tragen alle dazu bei
Im Grunde ist es bei der Veteranendefinition ein bisschen wie mit der Fußball-Nationalmannschaft: Während des Spiels stehen elf Personen auf dem Platz. Aber am Ende werden alle 25 Spielerinnen oder Spieler Weltmeister. Niemand macht nach dem Schlusspfiff einen Unterschied, ob jemand hunderte Minuten, 30 Minuten oder gar nicht gespielt hat. Alle waren dabei und haben dazu beigetragen.
Jeder ist ein Teil des großen Ganzen, jeder hat seine Aufgabe.
Wenn sich alle in den Dienst der Mannschaft stellen, dann ist das Team am erfolgreichsten. Das gilt auch in der Truppe.
Zu Opfern bereit sein
Der preußische Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke, der Erfinder des Konzepts „Führen mit Auftrag“, hat Bescheidenheit als eine Soldatentugend bezeichnet.
Eine ruhmvolle Tat benötigt kein Eigenlob, die Tat spricht für sich.
Diese Haltung habe ich verinnerlicht: Ich trage die Uniform seit 30 Jahren mit Stolz und stehe für die Werte unserer Demokratie ein. Ich mag zwar keine „ruhmvollen“ Taten vollbracht haben, aber darum geht es am Ende nicht. Sondern darum, ob ich sie tun würde, wenn es sein muss. Diese Frage kann ich mit einem ganz klaren „Ja!“ beantworten.
Vielleicht denke ich irgendwann anders
Es freut mich sehr, dass uns ein Stück mehr Respekt entgegengebracht werden kann, indem man uns Veteraninnen oder Veteranen nennt. Meine persönliche Einstellung lässt es bisher nicht zu, mich selbst so zu sehen. Vielleicht sehe ich es in zwei Jahren anders, dann verlasse ich die Bundeswehr.
Ein Veteran ist ja im Wortsinn jemand, der schon etwas älter ist und viel Erfahrung hat. Vielleicht lässt mich das noch mal anders auf den Begriff schauen.
Als ehemaliger Soldat, der einiges gesehen und erlebt hat – und spätestens dann Veteran ist.
© Y – Das Magazin der Bundeswehr 2026