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Outro
Veteranen vom alten Rom bis heute
Veteranen gibt es, seit es Kriege gibt. Der Umgang von Staaten und Gesellschaften mit ihnen pendelte zwischen Vergessen, Fürsorge und politischer Instrumentalisierung. Nicht selten nahmen sie ihr Schicksal selbst in die Hand.
TEXT Michael Schulz
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Fotos: Getty Images/Brendan Hunter (o.), British Museum/Anonymous (u.)
Um 100: Römisches Kaiserreich
Das Römische Reich behandelte seine Veteranen abhängig von ihrem Status als Bürger oder Nichtbürger sehr unterschiedlich. Die übliche Dienstzeit lag für Soldaten bei 25 Jahren. Diejenigen, die römische Bürger waren, erhielten während ihrer Dienstzeit ein regelmäßiges Gehalt und nach der Pensionierung eine Abfindung in Höhe des Lohns für ein Jahrzehnt, was ihnen ein Stück Land und ein gesichertes Leben ermöglichte. Auch Nichtbürger konnten in die Armee eintreten, erhielten jedoch einen geringeren Sold. Ein weiterer Unterschied bestand darin, dass sie nach dem Militärdienst als Belohnung die römische Staatsbürgerschaft erhielten. Diese Aufwertung galt auch für ihre Familien und verbesserte die soziale Stellung deutlich. Im Übrigen: Der Begriff Veteran stammt vom lateinischen „vetus“ ab und bedeutet „alt“ oder „erfahren“.
Harter Dienst
Dieses Marmorrelief zeigt eine intensive Kampfszene mit römischen Soldaten. Auf ihren Schilden prangt Medusa, um die Gegner einzuschüchtern. Der Alltag der Soldaten war auch ohne Schlachten hart, da sie beispielsweise Wälle und Befestigungen bauen mussten. Foto: Shutterstock/Nuntiya (2023)
Zweites Leben Römische Veteranen konnten sich mithilfe ihrer Abfindung als Landbesitzer, Bauern oder Viehzüchter niederlassen (Darstellung aus dem 19. Jahrhundert). Das sicherte ihnen die Existenz und band sie als loyale Siedler ans Reich. Foto: mauritius images/Lebrecht Music & Arts/Alamy Stock Photo
Frühe Glaubenskrieger
Papst Urban II. ruft 1095 in Clermont zum Ersten Kreuzzug auf (Darstellung aus dem 19. Jahrhundert). Ziel war es, Jerusalem und andere heilige Stätten unter christliche Kontrolle zu bringen. Viele Kreuzfahrer zogen aus religiösen Motiven in den Kampf und in der Hoffnung auf Vergebung ihrer Sünden. Foto: IMAGO/Photo12/Ann Ronan Picture Library
1096–1291: Kreuzzüge
Als das Oberhaupt der Christenheit zum Kreuzzug gegen Andersgläubige und zur Eroberung des „Heiligen Landes“ aufforderte, zog das eine große Zahl an Kämpfern an. Die riesige Schar der sogenannten Kreuzfahrer, die sich aus Europa zu Fuß und mit Schiffen auf den Weg machten, war alles andere als homogen. Sie setzte sich zusammen aus kampferprobten Rittern, Adligen und – zum größten Teil – aus einfachem Fußvolk mit eher begrenzter Kampferfahrung. Schon die Reise dorthin war beschwerlich und kostete viele Leben. Doch was erwartete diejenigen als Dank, die Reise, Kämpfe und den Rückweg überstanden hatten? Durch die Teilnahme an den Kreuzzügen wurde ihnen der Ablass, also der Erlass von Sündenstrafen, durch den Papst versprochen. Zudem hofften viele, an Land oder Beute zu gelangen und sozial aufzusteigen, um so ihre Existenz nach dem Kriegsdienst zu sichern – eine Hoffnung, die vor allem für die Teilnehmer aus dem einfachen Volk nur selten in Erfüllung ging.
1337–1453: Hundertjähriger Krieg
Im Mittelalter bestanden kriegerische Heere zu einem großen Teil aus Söldnern. So auch im Hundertjährigen Krieg, einem langwierigen Konflikt zwischen England und Frankreich um Herrschaftsansprüche. Die Anwerbung von Kämpfern, deren Loyalität vor allem dem eigenen Profit galt, barg jedoch Risiken: Sobald sie keinen Sold oder neue Aufträge mehr erhielten, schlossen sich viele der Söldner in Banden zusammen, die in Frankreich als Grandes Compagnies bezeichnet wurden. Sie plünderten die Zivilbevölkerung aus, auch unter Anwendung schwerer Gewalt, um ihr eigenes Überleben zu sichern. Die Grandes Compagnies verdeutlichen, wie gefährlich es sein kann, wenn ehemalige Kämpfer nicht staatlich eingebunden werden und eine soziale Absicherung fehlt.
Unstetes Leben
Im Hundertjährigen Krieg kämpften riesige Heere in großen Schlachten wie der Schlacht von Crécy (Darstellung aus dem 19. Jahrhundert), aber es gab Phasen, da waren vielen Söldner ohne Auftrag und auf sich gestellt. Foto: mauritius images/PBArchive/Alamy Stock Photo

Plündernde Truppen
Wurden Söldner während des Dreißigjährigen Kriegs nicht mehr bezahlt, raubten sie oft die Zivilbevölkerung aus (zeitgenössische Darstellung). Foto: bpk/Deutsches Historisches Museum/Arne Psille
1618–1648: Dreißigjähriger Krieg
Was als Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Protestanten im Heiligen Römischen Reich begann, entwickelte sich zu einem Macht- und Territorialkonflikt von europäischer Dimension. Es kam zu Plünderungen, bei denen ganze Landstriche verwüstet wurden. Das lag auch an der gewaltigen Größe der Heere, die überwiegend aus Söldnern bestanden. Einige Befehlshaber konnten ihre Truppen nicht entlohnen und duldeten daher Plünderungen. Davon betroffen war nicht nur der Feind, sondern auch die eigene Zivilbevölkerung. Das Schicksal vieler Veteranen war ebenfalls hart. Nach dem Verlust ihrer militärischen Bedeutung wurden sie oft sich selbst überlassen. Verwundete blieben auf den Schlachtfeldern zurück. Wer es schaffte, sich aus der Gefahrenzone zu retten, bekam in der Regel keine besondere medizinische Behandlung. Wessen Einheit aufgelöst wurde, der stand häufig mittellos und fern der Heimat da.
1670: Hôtel des Invalides in Paris
Der „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. hatte eine Vorliebe für opulente architektonische Anlagen. Dies bewies er mit Schloss Versailles, aber auch mit einem der ersten großen, staatlich organisierten Invalidenheime, dem Hôtel des Invalides (auch einfach Les Invalides genannt). In der Anlage wurden ab den 1670er-Jahren verwundete, dienst- oder arbeitsunfähige Soldaten betreut. Die prächtige Architektur sollte den Staat als großzügigen Versorger seiner Krieger inszenieren. Da mit der Einrichtung zahlreiche Veteranen von den Straßen geholt wurden, wo sie potenziell für Unruhe hätten sorgen können, wurde die öffentliche Ordnung stabilisiert und zugleich ehemalige Soldaten an die Krone gebunden. Les Invalides kann daher als frühes Beispiel dafür gesehen werden, wie staatliche Fürsorge und Machtpolitik ineinandergreifen.

Prunkbau für Veteranen
König Ludwig XIV. und sein Hofstaat besuchen das Hôtel des Invalides am 28. September 1706. Im Hintergrund erhebt sich der Invalidendom über alle anderen Gebäude (zeitgenössische Darstellung). Foto: picture alliance/akg-images
1775–1783: Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg
Bereits in ihrer Gründungszeit hatten die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Veteranen im Blick. Das lag vor allem daran, dass man sich noch mitten im Krieg mit Großbritannien befand, von dem sich die Kolonisten unabhängig gemacht hatten. Der junge Staat beschloss bereits 1776 Landzuteilungen für Soldaten, die bis Kriegsende dienten. Die Größe der Fläche variierte je nach Dienstgrad und reichte von 100 Hektar für Soldaten und Unteroffiziere bis zu 500 Hektar für Oberste und 1.100 Hektar für Generalmajore. Jahrzehnte später, als der Unabhängigkeitskrieg längst Geschichte war, waren viele Veteranen mittlerweile nicht nur alt, sondern litten immer noch unter den Verwundungen aus dem Krieg und waren in die Armut abgerutscht. Daher sah der „Revolutionary War Pension Act“ im Jahr 1818 lebenslange Renten von 20 Dollar pro Monat für Offiziere und acht Dollar pro Monat für einfache Soldaten und Matrosen vor. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Monatseinkommen von Arbeitern betrug damals 16 Dollar.

Verarmter Soldat
Porträt eines obdachlosen US-amerikanischen Veteranen des Unabhängigkeitskriegs (Gemälde aus dem Jahr 1830). Foto: Alamy Stock Photo/mauritius images/Gem Archive
Aufständische Kolonisten
Im Unabhängigkeitskrieg kämpften die amerikanischen Soldaten für ihre eigene Zukunft. In dieser Darstellung (aus dem späten 19. Jahrhundert) greift die Kontinentalarmee unter George Washington eine britische Kolonne an. Foto: Alamy Stock Photo/mauritius images/PRISMA ARCHIVO
1789–1799: Französische Revolution
Mit den Koalitionskriegen gegen das revolutionäre Frankreich begann das Zeitalter der Massenheere. Viele der eingezogenen Wehrpflichtigen kehrten verwundet oder verarmt nach Hause zurück. Die französische Regierung erlies ab 1793 Gesetze, die die Not der Betroffenen lindern sollten. Bei den Ansprüchen waren Rang oder Dienstzeit weniger entscheidend als die Schwere der Verletzungen. Zudem wurde eine staatliche Witwen- und Hinterbliebenenrente eingeführt. Der Staat präsentierte sich als fürsorglich, um sich die Loyalität seiner Soldaten zu sichern und die Ordnung zu erhalten. Das passte außerdem gut zu den Ideen von Gleichheit und Bürgerrechten, für die das revolutionäre Frankreich eintrat.

Kampf für Bürgerrechte Revolutionäre stürmen im August 1792 die königliche Residenz von Paris. Die vielen verletzten und getöteten Kämpfer sorgen für ein neues Bewusstsein für Verwundete und Hinterbliebene (zeitgenössische Darstellung). Foto: Alamy Stock Photo/mauritius images/Gem Archive
1918: Nach dem Ersten Weltkrieg
Millionen versehrte Soldaten machten nach dem Ersten Weltkrieg in vielen Ländern den Aufbau einer umfassenden Versorgung von Veteranen und ihren Angehörigen notwendig. Allein in Deutschland hatten rund 2,7 Millionen Soldaten Verletzungen mit dauerhaften Folgen erlitten. Die Weimarer Republik reagierte darauf mit umfangreichen staatlichen Hilfen, darunter Rentenzahlungen, die nach dem Grad der Behinderung und dem sozialen Status vor dem Krieg gestaffelt waren. Hinzu kamen Maßnahmen, die klar auf das Ziel der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt ausgerichtet waren. Dazu gehörten Unterstützung bei der Ausbildung und Arbeitsplatzsuche sowie die gesetzliche Vorgabe, mindestens zwei Prozent der Arbeitsplätze an Schwerbeschädigte zu vergeben. Dennoch gab es Veteranen, die durch das soziale Auffangnetz fielen und in die Armut abrutschten.

Zahlreiche Kriegsversehrte Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg besucht 1917 im Kurort Bad Kreuznach verwundete Soldaten. Schon während des Krieges wird deutlich, dass sich die Gesellschaft auf eine große Zahl körperlich und seelisch beeinträchtigter Veteranen einstellen muss. Foto: LWL-Medienzentrum für Westfalen

Platz in der Gesellschaft Zwei kriegsblinde Veteranen sind in Berlin als Straßenmusikanten unterwegs (Foto nachkoloriert). Foto: Picture Alliance/akg-images

Auf Hilfe angewiesen Um Geld bittende Veteranen des Ersten Weltkriegs gehörten in der Weimarer Republik zum Stadtbild. Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1972-062-01/Georg Pahl
Demonstration von Kriegsinvaliden Rund 2,7 Millionen Soldaten mit dauerhaften Verletzungen prägten nach dem Krieg das Straßenbild in Deutschland. Foto: Alamy Stock Photo/Imago Europe Collection
1945: Nach dem Zweiten Weltkrieg
Die Art und Weise, wie die Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Veteranen behandelten, unterschied sich zum Teil erheblich. Während die Alliierten ihre Heimkehrer als Helden feierten, standen in der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland zunächst Integration und Versorgung im Vordergrund. Eine offene gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Schuld und Verbrechen blieb lange aus. In den USA verstärkte der Zweite Weltkrieg den Sonderstatus der Veteranen in der Gesellschaft. Dazu trugen das Bundesgesetz „G. I. Bill“ von 1944, das den im Zweiten Weltkrieg dienenden Soldaten die Wiedereingliederung in das Berufsleben erleichtern sollte, sowie der seit 1954 gefeierte „Veterans Day“ bei.

Veteranenverehrung
James S. Hufnall (links) kämpfte für die USA im Zweiten Weltkrieg. An seinem 100. Geburtstag im Jahr 2022 gab es eine große Feier mit Mitgliedern seiner 1st Cavalry Division. Foto: Alamy Stock Photo/mauritius images/Operation 2022

Teilnehmer des D-Day Der französische Veteran Leon Gautier bei einer Gedenkfeier 2019. Er gehörte zur ersten Welle alliierter Truppen, die am 6. Juni 1944 in der Normandie landeten. In Frankreich hat die Ehrung von Veteranen hohen Stellenwert. Foto: ddp/Pool/ABACA/Witt Jacques
1965–1973: Die USA im Vietnamkrieg
Viele Kriegsheimkehrer aus Vietnam erlebten in den USA eine deutlich reserviertere, teils sogar feindselige Aufnahme. Das war ganz anders als bei früheren Soldatengenerationen, etwa den Veteranen des Zweiten Weltkriegs. Ein wesentlicher Grund dafür war die breite Antikriegsbewegung. Der Krieg war gesellschaftlich stark umstritten, öffentlich bekannt gewordene Verbrechen – etwa das Massaker von My Lai – erschütterten das Vertrauen in die militärische Führung und die moralische Selbstwahrnehmung der USA zusätzlich. Der Einsatz in Vietnam hinterließ bei vielen ehemaligen Soldaten tiefe Spuren. Die traditionell große Unterstützung der USA für ihre Veteranen erreichte nicht alle gleichermaßen: Viele kämpften allein mit PTBS und Drogenproblemen, manche ihr ganzes Leben lang. Mehr als 60.000 Veteranen sollen sich das Leben genommen haben. Noch im Jahr 2008 wurde die Zahl der obdachlosen Vietnam-Veteranen auf rund 62.000 geschätzt.

Antikriegsbewegung Der Vietnamkrieg wird in der US-Gesellschaft heftig diskutiert. Im Bild blockieren Friedensaktivistinnen und -aktivisten im Dezember 1967 ein Einberufungszentrum in Oakland. Foto: Getty Images/MediaNews Group/East Bay Times/Leo Cohen, Getty Images/Stuart Lutz/Gado (Bild im Bild)
Ungewohntes Bild
Auch unter den US-Soldaten erhitzt der Vietnamkrieg die Gemüter – mit Folgen für Moral und Ordnung. Im Bild trägt ein US-Soldat keine korrekte Uniform, sondern ein Peace-Zeichen um den Hals. Foto: mauritius images/JT Vintage/Circa Images

Im sozialen Abseits Ein obdachloser Vietnam-Veteran bittet 1988 vor der Penn Station in New York um Unterstützung. Viele ehemalige Soldaten litten unter den Folgen des Krieges. Foto: Alamy Stock Photo/mauritius images/Operation 2022

Gedenken Anlässlich des Memorial Days wurden auf dem Nationalfriedhof von Los Angeles an jedem Grab Flaggen zu Ehren der US-amerikanischen Veteranen aufgestellt. Foto: Getty Images/Karol Franks
1990er–heute: Auslandseinsätze
Seit den 1990er-Jahren waren europäische Staaten, darunter auch Deutschland, an UN-, NATO- und EU-Einsätzen beteiligt, zum Beispiel auf dem Balkan, in Afghanistan, in Mali und im Irak. Dadurch rückte die Frage nach dem Status, der Fürsorge und der gesellschaftlichen Anerkennung von Veteranen wieder stärker in den Fokus von Politik und Öffentlichkeit. Im Gegensatz zum US-amerikanischen Modell der staatlichen Sonderbehandlung von Veteranen erfolgt die Versorgung der Veteranen in den europäischen Ländern meist über allgemeine sozialstaatliche Strukturen. Auch ist der Veteranenstatus in Europa nach wie vor gesellschaftlich weniger stark verankert als in den USA, wenngleich es neue Formen des Gedenkens gibt, wie zum Beispiel den Nationalen Veteranentag in Deutschland am 15. Juni.

Tag für die Veteranen Am 25. April 2024 verfolgten Veteranen im Bundestag gerührt, wie die Einführung eines Nationalen Veteranentags beschlossen wurde. Am 15. Juni 2025 fand er zum ersten Mal statt. Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Einsatzveteranen Teile der deutschen Einsatzbrigade KFOR in Kosovo 1999. Seit den großen Auslandseinsätzen ist die Zahl der Veteraninnen und Veteranen mit Einsatzerfahrung in Deutschland stark gestiegen. Foto: Bundeswehr/Detmar Modes
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