Klingende Tradition: Militärmusik einst und heute

Klingende Tradition: Militärmusik einst und heute

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Ob zum Tag der Bundeswehr, beim DFBDeutscher Fußball-Bund-Pokalfinale, zur Begrüßung von Staatsgästen oder während des Heavy Metal Open Airs in Wacken: Berührungspunkte mit Militärmusik gibt es viele. Doch was hat die Musik eigentlich mit Militär zu tun? Wie fing alles an, und welche Bedeutung hat Militärmusik heute?

Militärmusik ist eine Tradition, deren Ursprung weit in die Geschichte zurück reicht. Bereits in der Antike waren Blasinstrumente und Trommeln als hörbare Signal- und Nachrichtenübermittler unverzichtbarer Bestandteil der Kriegsführung. Vom Mittelalter bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts unterschied man zwischen militärischer Gebrauchsmusik und Musik zur Unterhaltung Motivation und Repräsentation.

Fußball Länderspiel Deutschland gegen Frankreich

Großer Auftritt: Bei Länderspielen präsentieren oft Musikkorps der Bundeswehr die Nationalhymnen der Mannschaften.

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Trommler und Pfeifer geben den Ton an

Die Gebrauchsmusik, auch Ordonnanzmusik genannt, übersetzte Kommandos in akustische Signale. Jedes Regiment und oft jede Teileinheit hatte einen speziellen „Ruf“, ein Erkennungssignal. Im Lärm einer Schlacht war die Signal- und Ordonnanzmusik von großer Bedeutung. Außer durch Melder gab es bis zur Erfindung der Fernmeldetechnik keine andere Möglichkeit, ein Gefecht aus größerer Entfernung zu leiten.

Signal- und Ordonnanzmusik wurde stets von Soldaten gespielt. In einem Fähnlein, einer Untereinheit des Landknechtsregiments, bildeten gewöhnlich Trommler oder „Tambours“ und Querpfeifer gemeinsam mit dem Fähnrich das Zentrum des Kriegshaufens. Das sogenannte „Spil“ der Landsknechte bildete so die Musik der Fußtruppen. Bei den berittenen Truppen gaben traditionell Trompeter und Pauker die Signale.

Feldtrompeter und Heerpauker gehörten im Heiligen Römischen Reich einer einst von Kaiser Karl V. (1500-1558) privilegierten Zunft an, die 1806 mit dem Ende des Reiches erlosch. In anderen Ländern gehörten Trompeter und Pauker zwar keinen speziellen Vereinigungen an, wirkten aber als Angehörige der „ritterlichen“ Waffengattung – der Kavallerie – vornehmer als etwa die Tambours der Infanterie.

Kavallerie-Trompeter waren „Gelernte“ und mussten besonders sattelfest sein, weil sie ihr Instrument in jeder Situation und bei jedem Tempo spielen können mussten.

Zeichnung von mehreren Männern mit Flöten und Trommeln

Mit Flöten und Trommeln: Die Musik der Fußtruppen zur Zeit der Landesknechte.

Wikipedia/Daniel Hopfer

Militärmusik zur Unterhaltung

Neben der Signal- und Ordonnanzmusik gab es auch Musik, die zur Unterhaltung dargeboten wurde. Dabei wurden – neben Märschen – grundsätzlich Stücke, die der jeweilige Kommandeur zu hören wünschte, oder die der Musikmeister eines Regiments eingerichtet hatte, gespielt.

So gehörten Lieder, Serenaden, Opernmelodien und sogar Tanzmusik zum geläufigen Repertoire. „Militärmusik“ wird heute fälschlicherweise mit „Marschmusik“ gleichgesetzt. Dabei vermittelt der Begriff lediglich, dass es sich um Musik handelt, die in militärischen Kontexten gespielt wird.

Im Gleichschritt Marsch

Mit den Wandlungen des Kriegsbildes gewann Marschmusik als besondere Form von Militärmusik an Bedeutung. Mit den gleichmäßigen metrischen Akzenten der Marschmusik fiel es den Infanteristen leichter, Gleichschritt zu halten – eine Voraussetzung für das Manövrieren in großen Truppenverbänden.

Außerdem sorgten die Signale der Pfeifer, Trommler und Trompeter für einen geordneten Tagesablauf der Soldaten. Deutliche Veränderungen der Heeresorganisationen zogen auch klangliche Wandlungen der Militärmusiken nach sich.

Der Kontakt mit dem Osmanischen Reich während der Türkenkriege im 16. und 17. Jahrhundert wirkte sich nachhaltig auf die europäische Militärmusik aus. Deren Instrumente, wie der Schellenbaum mit Glöckchen und Rossschweif, Pauken, Becken und Triangel, als Stilmittel der sogenannten Janitscharenmusik, fanden Eingang in das musikalische Repertoire. Sie bildeten fortan bei Märschen das charakteristische „Tschingderassabum“.

Soldaten spielen Musikinstrumente auf einem Sportplatz

Gleichklang und Gleichschritt: Das Ausbildungsmusikkorps Siegburg übt 1964 beides.

Bundeswehr/Oed

Mehr Holz als Blech

Harmonie- oder Gelegenheitsmusiken gehörten zum Aufgabenbereich der sogenannten Hoboistenkorps (vom französischen Wort „hautbois“ für „Oboe“) beziehungsweise der „Banda“, wie man Militärkapellen in Österreich nannte.

Ihre Grundausstattung umfasste im 18. und frühen 19. Jahrhundert Holzblasinstrumente und nur wenig Blech. Nach den Befreiungskriegen wurden diese, heute so benannten Musikkorps, immer stärker besetzt und mit Instrumenten ausgestattet, die ihr Klangvolumen deutlich erweiterten.

Wilhelm Wieprecht: Reformer der Militärmusik

Ab dem 19. Jahrhundert erfolgte eine deutliche Professionalisierung der Militärmusik, indem sie sich nun mit eigenem künstlerischem Anspruch präsentierte. Durch öffentliche Konzerte repräsentierte Militärmusik einer breiten Öffentlichkeit auf ansprechende Art das Militär und trat mit ihren Streicherbesetzungen sogar immer stärker in Konkurrenz zu zivilen Kapellen.

Dem Musiker und Organisator Wilhelm Wieprecht ist es zu verdanken, dass die noch uneinheitlich besetzten Musikkorps zunächst der preußischen Armee reformiert wurden und später eine einheitliche Instrumentation für die verschiedenen deutschen Armeen richtungsweisend wurde.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden auch bei Spielleuten der Infanterie Signalhörner eingeführt, weil ihr Klang weitertrug als Flötentöne mit begleitendem Trommelschlag.

Nach den Einigungskriegen (1864-1871) veränderte sich die Funktionalität von Militärmusik zwischen Exerzierplatz, Konzertsaal und Schlachtfeld. Sie blieb jedoch das wichtigste Mittel militärischer Selbstdarstellung.

Soldaten mit Instrumenten auf der Wiese vor dem Reichtsag

Würdiger Rahmen: Das Stabsmusikkorps der Bundeswehr spielt vor dem Reichstag auf.

Bundeswehr/Andrea Bienert

Übergang zur Moderne

Im Ersten Weltkrieg spielte Militärmusik zwischen Front und Heimat. Sie diente so der Ablenkung sowohl der Soldaten als auch der Bevölkerung Zuhause.

In der Weimarer Republik kam es dann zu musikalischen Experimenten, denen sich auch die Militärmusik der Reichswehr nicht verschloss. Als besonders empfänglich für zeitgenössische Töne erwies sich später die neu aufgestellte Luftwaffe, die als jüngste Teilstreitkraft so die militärmusikalische Moderne einleitete.

Völliger Neubeginn

Die Aufstellung der Bundeswehr mehr als zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bedeutete auch für die (west-) deutsche Militärmusik einen völligen Neubeginn, der Traditionen der Vorgängerarmeen zum Teil kappte.

Der neu geschaffene Militärmusikdienst der Bundeswehr führte die Musikkorps der damals drei Teilstreitkräfte fachlich eigenständig. Seit 2009 ist die gesamte Militärmusik in die Streitkräftebasis integriert und wird durch das Zentrum Militärmusik der Bundeswehr fachlich und truppendienstlich geführt. Das heißt: Auch das Marinemusikkorps und ihre Pendants bei Heer und Luftwaffe gehören organisatorisch zur Streitkräftebasis.

Video: Musik verbindet – auch in Wacken

Die Militärmusik der Bundeswehr spielt mit ihrem Repertoire zwischen Tradition und Moderne immer am Puls der Zeit.  So gelingt es ihr, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Soldaten zu festigen und das Ansehen der Bundeswehr in der Bevölkerung zu steigern.

Als unverzichtbarer Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit der Streitkräfte verbindet sie Menschen aus aller Welt.

von Beate Schöne