Cyber- und Informationsraum

CWIX 2021: Das Zusammenspiel üben

CWIX 2021: Das Zusammenspiel üben

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Cyber- & Informationsraum
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Lesedauer:
5 MIN

Major Sascha Dehnert aus dem Informationstechnikbataillon 381 ist Abteilungsleiter der Einsatzzentrale Informationstechnik. Während der Übung CWIX sind er und seine Administratoren für die technische Unterstützung verantwortlich. Im Interview erklärt er den Übungsanteil seines Teams und welche Ziele während der CWIX verfolgt werden.

Der Soldat sitzt lächelnd vor seinem Arbeitstisch.

Major Sascha Dehnert ist mit seinem Team für die Administration der Übung zuständig.

Bundeswehr/Au

Herr Major, Sie sind im ITInformationstechnik-Bataillon 381 für die Planung und Durchführung der Übung CWIX verantwortlich. Welche Bedeutung hat die Übung für Sie?

CWIX beschäftigt sich ja im Schwerpunkt mit Interoperabilität von ITInformationstechnik-Systemen zwischen Teilnehmern der NATO und den Partnern der Allianz.

Viele Jahre war die Bereitstellung von ITInformationstechnik-Services – trotz multinationaler Einbindung – immer eine nationale Angelegenheit. Da der Informationsaustausch so zum Teil erschwert war, hat die NATO ein Konzept entwickelt, wie nationale ITInformationstechnik-Infrastrukturen zukünftig zusammenarbeiten sollen: Federated Mission Networking, kurz FMN. Eine FMN-ITInformationstechnik-Infrastruktur basiert auf Standards für den Aufbau, den Betrieb und den Abbau der ITInformationstechnik-Systeme und -Services.

Das heißt, die an einer Mission beteiligten Streitkräfte bilden nicht nur auf technischer Ebene ein Netzwerk, sondern vernetzen sich auch in den Aufbau- und Betriebsabläufen. Dies stellt hohe Anforderungen an die beteiligten Soldaten und an die Technologie, da diese auf mehreren Ebenen verschiedenste Anforderungen entsprechen müssen. Menschen, Partner und Technologie müssen harmonisch zu einem informationstechnischen Öko-System zusammenwachsen.

Bei dieser Übung können Nationen nicht nur ihre ITInformationstechnik-Systeme im Bereich Interoperabilität erforschen, entwickeln und testen. Darüber hinaus geht es auf der CWIX auch um die Überprüfung der technischen Interoperabilität, an deren Ende eine Zertifizierung stehen kann.

Welche Aufgaben übernehmen Sie persönlich rund um die Übung?

Während der Vorbereitung war ich für die Planung der Übung innerhalb des ITInformationstechnik-Bataillon 381 verantwortlich. In meiner Abteilung arbeiten wir in einem Projektteam an zwei Teilaspekten der Übung: zum einen beschäftigen wir uns mit der Aus- und Weiterbildung an der eingesetzten German Mission Network Service Referenzanlage (GMN SRA). In meinem zweiten Handlungsfeld beschäftigte ich mich mit der multinationalen Zusammenarbeit innerhalb unserer Arbeitsgruppe FMN Core Services Focus Area (FMNCS FAFeldwebelanwärter) auf der CWIX.  

Im Verlauf der ersten multinationalen Besprechung übernahm ich als Service Lead die Verantwortung in allen Bereichen der Betriebsführung innerhalb meiner Testgruppe. Das Umfasst die Koordination und Steuerung meiner Gruppe und allen für die Testvorbereitung anfallenden Aufgaben. Dazu gehörten beispielsweise die Zusammenstellung der Testgruppen mit allen multinationalen Partnern (MNP) sowie die Zuweisung und später die Auswertung aller Testszenarien für den Bereich Service Management & Control (SMC). Zudem musste ich Informationen einfordern um ein sogenanntes Einsatzdokument, die Joining, Membership and Exiting Instruction (JMEI) zu erstellen. Dieses Dokument ist die Handlungsanweisung für alle MNP, damit während der Übung alle nach demselben Verfahren und derselben Planung ihre eigenen Systeme konfigurieren, um sich an das Missions-Netzwerk anzuschließen und eine Verbindung zu den MNP herzustellen.

Welche Herausforderungen gibt es dabei?

Zu allererst müssen Sie wissen, dass die eingesetzte GMN SRA kein ITInformationstechnik-System der Bundeswehr (ITInformationstechnik-SysBw) aus dem Portfolio des Kommandobereich Cyber- und Informationsraum (CIRCyber- und Informationsraum) ist. Somit existiert keine Ausbildung aller eingesetzten ITInformationstechnik-Services auf der GMN SRA an der ITInformationstechnik-Schule der Bundeswehr. Neben dem erstmaligen Eintauchen in das Federated Mission Networking müssen die Administratoren auch die technische Seite beigebracht bekommen, da sich ihr originäres Tun und Handeln an den ITInformationstechnik-SysBw von der an der GMN SRA stark unterscheidet. Es gibt kein Lehrbuch für dieses System, da es sich um eine Entwicklungsstudie in Vorgriff auf das Harmonisierte Führungsinformationssystem der Bundeswehr (HaFIS) handelt.

Die Administratoren müssen aber in der Lage sein beim Troubleshooting selbstständig Lösungen und Ideen zu entwickeln. Daher war es in der Vorbereitung auf die Übung wichtig, dass richtige Personal aus mehreren ITInformationstechnik-Bereichen zu finden und dieses gezielt fachlich zu schulen. Schon bei der Auswahl meines Teams kam es mir daher besonders auf ITInformationstechnik-Affinität und hohe Eigenmotivation jedes einzelnen Administrators an. Unter der Anleitung von Soldaten des Zentrum Softwarekompetenz der Bundeswehr (ZSwKBw) erhielt mein Team die nötige Ausbildung und wuchs zudem zu einer homogenen Einheit zusammen.

Welche weiteren Ziele verfolgen Sie auf dieser Übung?

Unser Auftrag in dieser Übung ist die Validierung und Verifizierung der gesamten ITInformationstechnik-Infrastruktur der GMN SRA, inklusive aller zur Verfügung gestellten ITInformationstechnik-Services. Dies ist sehr wichtig für die bevorstehenden Übungen, wie STEADFAST COBALT und somit für die Vorbereitung auf die Very High Readiness Joint Task Force (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ) 2023. Die erfolgreiche Abnahme durch die NATO ist die Voraussetzung, um mit diesem zertifizierten System daran teilzunehmen. Denn nur mit einem interoperablen ITInformationstechnik-System, das mit anderen MNP abgestimmt, getestet und zertifiziert wurde, besitzt Deutschland die Bestätigung der eigenen Fähigkeiten und das Vertrauen einen multinationalen Einsatz, basierend auf den Richtlinien des FMN, technisch zu führen und als Provider aufzutreten zu können.

Für uns heißt das, innerhalb von knapp drei Wochen 1121 Testszenarien erfolgreich durchzuführen, zu dokumentieren und in eine Testumgebung einzutragen. Diese Testszenarien sind auf zwölf ITInformationstechnik-Services verteilt, die zur Kategorie Core Services gehören und fundamentale Kernfähigkeiten für alle weiterführenden COI-Service (Community of Interest – Services) notwendig sind. Wenn diese nicht stabil betrieben werden, hat das signifikante Auswirkungen auf das gesamte Einsatznetzwerk in einer Mission.

Welchen Einfluss hatte die Remote-Veranstaltung auf die Übungsdurchführung?

Statt wie ursprünglich geplant am Joint Forces Training Center in BYDGOSZCZ (POLPetroleum, Oil and Lubricants) zu üben, haben wir unsere Systeme aus einer Test-Site in WILHELMSHAVEN an das NATO Netzwerk angeschlossen.

Diese Art von Übung hat Vor– und Nachteile. Zum einen haben wir den Aufbau und Betrieb wie in einem Einsatz geübt, wo man davon ausgehen kann, dass sich nicht alle Nationen an einem Standort befinden und dennoch mit ITInformationstechnik-Service versorgt werden wollen. Insbesondere ist es dann der Fall, wenn wir uns nicht in einer Stabilisierungsmission, sondern im Bereich der Landes- und Bündnisverteidigung befinden.

Auf der anderen Seite waren schnelle Absprachen wie in früheren Jahren nicht möglich. Es ist schließlich relativ einfach, wenn der Administrator einer anderen Nation am Nachbartisch sitzt und ihm einfach etwas entgegengerufen werden kann oder ihm direkt etwas gezeigt werden kann. Diesen Unterschied haben wir jeden Tag gespürt.

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Ein ausländischer Soladt arbeitet an einem Server.

CWIX 2021

Auf der CWIX 2021 arbeiten Nationen und Organisationen zusammen, um ihre Systeme auf Interoperabilität zu testen und zu optimieren - dieses Jahr als Remote-Event.

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