Cyber- und Informationsraum

Feldwebel Kemp – Spezialist für den digitalen Richtfunk

Feldwebel Kemp – Spezialist für den digitalen Richtfunk

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Cyber- & Informationsraum
Datum:
Ort:
Kastellaun
Lesedauer:
3 MIN

Mit dem Terrestrischen Übertragungssystem und seinem 25 Meter hohen Antennenturm kann Feldwebel Kemp digitale Richtfunkverbindungen von bis zu 80 Kilometern herstellen. Gerade im Hinblick auf die Landes- und Bündnisverteidigung und die Vorbereitung auf die Nato Response Force#en eine der Voraussetzungen, um einzelne Gefechtsstände anzubinden und so die Führungsfähigkeit sicherzustellen.

Soldat mit Helm steht vor einer abgetarnten Richtfunkkabine, seinem Arbeitsplatz als Netzwerkadministrator.

Feldwebel Marcel Kemp ist Netzwerkadministrator für das digitale Richtfunksystem.

Bundeswehr/Stefan Uj

Feldwebel Marcel Kemp hat gerade einen sehr begehrten Arbeitsplatz. Bei über 30 Grad Hitze sitzt er in der angenehm klimatisierten TÜtrSysTerrestrisches Übertragungssystem-Funkkabine und erklärt, dass „wir mit unserem System schnell verlegefähig sind. Das bedeutet, dass wir unser System ab Erreichen des Aufbauplatzes innerhalb von 30-40 Minuten aufbauen und konfigurieren können, sodass wir den Gefechtsstand schnell anbinden können. Innerhalb von 30-40 Minuten haben wir unser System wieder abgebaut und können so schnell zu anderen Aufbauplätzen springen.“ Kemp ist seit April in der 5. Kompanie im Informationstechnikbataillon 282, die als ITInformationstechnik-Kompanie zu einem Service Delivery Point (SDP) bei den nationalen Unterstützungskräften (NUK) für die Very High Readiness Joint Task Force#en neu zusammengesetzt wurde. Der 23-Jährige ist einer von zwei TÜtrSysTerrestrisches Übertragungssystem-Netzwerkadministratoren, die zu diesem Richtfunk-Trupp gehören. Dazu kommen noch ein Kraftfahrer und ein weiterer Soldat, die auch beim Aufbau des Systems helfen. „Wir können uns 24 Stunden lang autark bewegen, ohne auf eine Diesellieferung angewiesen zu sein“, fügt Kemp hinzu. Das funktioniert, da das System über ein eigenes Stromerzeugeraggregat verfügt.

Störsender sind kein Problem

Ein 25 Meter hoher Antennenturm des Terrestrischen Übertragungssystems für digitalen Richtfunk .

Digitaler Richtfunk im Umkreis von 80 Kilometern: der 25 Meter hohe Antennenturm.

Bundeswehr/Stefan Uj

Insgesamt besteht das Terrestrische Übertragungssystem aus einem Antennenturm, einem Führungsfahrzeug, einem LkwLastkraftwagen und der Richtfunkkabine, dem eigentlichen Arbeitsplatz der Admins. „Mit einem eingespielten Team bauen wir den Antennenturm innerhalb einer halben Stunde bis vierzig Minuten auf, so wie heute Morgen“, erzählt Kemp grinsend. Der Antennenturm verfügt über zwei Antennen mit einer Übertragungsrate von je 65 Mbit und zwei Gitternetzantennen mit je 52 Mbit pro Sekunde. In der Kabine selbst befinden sich die Richtfunkgeräte, Verschlüsselungsgeräte und der Netzwerkschrank mit Routern und Switch. „Hier in der Kabine nehme ich die Systemkonfiguration vor. Für den Fall, dass die Übertragung zum Beispiel durch Jammer, also Störsender, gestört wird, können wir auf vorher eingestellte Reservefrequenzen ausweichen, sodass die Kommunikation in jeder Lage funktioniert und wir jederzeit die Führungsfähigkeit sicherstellen können“, so der Admin. Dieses Verfahren nennt sich frequency evasion (fev).

Außerdem kann das System mit der Funktion APC (Automatic Power Control) die minimalste erforderliche Sendeleistung einstellen, bei der eine Übertragung noch funktioniert, um für feindliche EloKaElektronische Kampfführung-Kräfte schwerer aufklärbar zu sein. Im Gegensatz dazu wird bei einem Jammer-Angriff die Sendeleistung solange erhöht, bis eine Übertragung wieder möglich ist. „Vorteile des ITInformationstechnik-Systems sind die schnelle Verlegefähigkeit, die hohe Übertragungskapazität sowie die geringe Latenz“, erklärt Kemp.

Konkrete Aufgaben bei der Landes- und Bündnisverteidigung

Soldat steht in einer Richtfunkkabine neben einem Netzwerkschrank.

Bis zu 1000 Clients müssen angebunden werden.

Bundeswehr/Stefan Uj

Der Feldwebel ist seit 2017 bei der Bundeswehr und von Anfang an beim ITInformationstechnik-Bataillon 282 in Kastellaun eingesetzt. Nach diversen Fachlehrgängen, unter anderem zum ITInformationstechnik-Systemelektroniker, ist er nun als Netzwerkadministrator auf das digitale Richtfunksystem spezialisiert.

Die Vorbereitung auf NRFNATO Response Force motiviert Kemp besonders. „Ich sehe, dass meine Aufgabe vor dem Hintergrund der Landes- und Bündnisverteidigung einen konkreten Sinn hat.“ Noch sind er und seine Kameradinnen und Kameraden in der Warm-up-Phase der NRFNATO Response Force und bereiten sich auf eine Übung im Oktober vor, für die der Betrieb der ITInformationstechnik-Systeme reibungslos laufen muss: „Hier geht es nicht nur um den schnellen Aufbau und die Inbetriebnahme des Systems, sondern mit der NRFNATO Response Force kommt noch mehr auf uns zu: Neue technische Herausforderungen, beispielsweise mit nur einer Gegenstelle gleichzeitig drei Richtfunkverbindungen aufzubauen und so die Übertragungskapazität zu bündeln.“

Schließlich muss die 5. Kompanie als ITInformationstechnik-Servicebereitsteller für die Logistiker der Streitkräftebasis die Anbindung von circa 1000 Clients an die ITInformationstechnik-Services sicherstellen. Dafür werden Lokal Verlegefähige Netze (LVN) eingesetzt, an die über 90 Teilnehmerschaltmodule (TAM) – vergleichbar mit einem Switch – angeschlossen sind. Darüber werden die Nutzer angebunden und die Daten verteilt. „Es ist das erste Mal, dass wir so viele TAMs einsetzen“, so Kemp. Ihn reizen die technischen Herausforderungen in der Erprobungsphase. „Wir können Neues ausprobieren und unseren Service damit noch besser machen, damit die Truppe in der entscheidenden Phase der NRFNATO Response Force die bestmögliche ITInformationstechnik-Unterstützung bekommt.“

von Martina Pump  E-Mail schreiben
Soldat hockt vor einem der sechs DSE-Segmente.

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