Heer

„Nutzt die Freiheiten, die Ihr habt“

„Nutzt die Freiheiten, die Ihr habt“

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Vorlesungen, Prüfungen, Hausarbeiten und Seminare – Alltag an den beiden Universitäten der Bundeswehr in München und Hamburg. Doch wie bleibt der studierende Offizieranwärter daneben fit und körperlich leistungsfähig? Darüber berichtet der 21-jährige Fähnrich Alexander Evert.

Porträtfoto eines Soldaten mit einem schwarzen Barett

Alexander Evert studiert seit 2019 Management und Medien an der Universität der Bundeswehr in München.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Wie verlief Dein Werdegang in der Bundeswehr?

2017 bin ich als Freiwillig Wehrdienstleistender bei der Marine eingetreten. Dort gefiel es mir. Die täglichen, abwechslungsreichen Herausforderungen machten sehr viel Spaß und ich habe mich daher für insgesamt 14 Jahre verpflichtet. An der Laufbahn der Offiziere haben mich die Verantwortung und die anspruchsvolle Ausbildung gereizt. 2018 wechselte ich zum Heer und begann die Offiziersausbildung im Offizieranwärter-Bataillon in Munster (Niedersachsen). Dann ging es an die Offizierschule des Heeres in Dresden (Sachsen). Nach dem Offizierlehrgang Teil 1 und einem Englisch-Kurs begann ich  2019 Management und Medien an der Bundeswehruniversität in München zu studieren.

Wie lange wird Dein Studium dauern und welchen Abschluss kannst Du erreichen?

Ein Soldat sitzt an einem Schreibtisch vor ihm stehen zwei Bildschirme und liegt eine Tastatur.

Nicht Leben im Felde, sondern Leben am Schreibtisch. Für einen Soldaten an der Universität ist dies der gewöhnliche Arbeitsplatz.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Das Studium dauert in der Regel vier Jahre und studiert wird in Trimestern. Das bedeutet, dass drei Prüfungsphasen im Jahr vorgesehen sind und es keine Trimesterferien gibt. Die Prüfungen werden in einem Zeitraum von zwei Wochen nach der Vorlesungszeit geschrieben. Lediglich das Sommertrimester ist frei oder wie bei mir für Praktika vorgesehen. Ziel ist der Masterabschluss. Die Studieninhalte gleichen den Inhalten, die auch an zivilen Universitäten vermittelt werden. Mein Studium ist eine Kombination aus Betriebswirtschaft und Journalismus. In beiden Fächern werden fortgeschrittene Kenntnisse vermittelt. Ich lerne das Erstellen von journalistischen Beiträgen und die Inhalte der typischen BWL Betriebswirtschaftslehre-Fächer, wie zu Beispiel Rechnungswesen.

Thema körperliche Leistungsfähigkeit: Wie läuft das an der Uni?

Grundsätzlich ist jeder selbst verantwortlich. Die Uni in München hat viele Sportmöglichkeiten. Neben einem Kraftraum, einem Sportplatz, zwei Sporthallen, einer Schwimmhalle, einem Kletterturm gibt es auch Kurse, die den Studierenden angeboten werden. Auch werden in einzelnen Fachbereichen etwa Skitouren und Bergmärsche organisiert. Die Teilnahme ist freiwillig. Ich persönlich gehe gern Laufen oder in den Kraftraum. Außerdem spiele ich Football bei einem Verein in München. Für uns gelten dieselben Vorgaben in Bezug auf die individuellen Grundfertigkeiten (IGF). Das sind die allgemeinen militärischen Grundfertigkeiten, die jeder Soldat beherrschen muss und die er jährlich nachweisen und erbringen muss.

Ein Soldat rennt über eine rote Kunststoffbahn, vorn links steht eine Sporttasche, ein Handtuch hängt über zwei Barren.

Fähnrich Alexander Evert joggt und spielt gern Football neben seinem Studium.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Wie sieht normalerweise ein Tag an der Uni aus? Wie organisiert man sich selbst als Student?

Als Studierende haben wir viele Freiheiten. Das bedeutet, man kann theoretisch aufstehen, wann man will. Ich stehe immer um sieben Uhr auf, um eine gewisse Regelmäßigkeit in den Tag zu bringen. Danach gehe ich zu allen Vorlesungen, die an dem Tag anstehen. Wenn die Veranstaltungen vorbei sind, bereite ich die Inhalte nach. Danach beginnt die Freizeit. Während der Dienstzeit darf man in der Uni zivil tragen. Es ist auch erlaubt, das Unigelände zu verlassen. Man darf sich aber nur im Großraum München aufhalten. Auch die Teilnahme an Vorlesungen ist freiwillig. Sport können wir machen, wann immer wir möchten oder eben auch nicht. Diese Freiheit birgt natürlich viel Potenzial für Schludrigkeit oder Faulheit, sowohl im Studium als auch beim Sport. Man ist also gezwungen sich selbst zu organisieren, wenn man körperlich nicht abbauen will. Das schult die Selbstdisziplin eines Soldaten. Fleiß und Disziplin sind wichtige Voraussetzungen, um das Studium erfolgreich zu bestehen. Hier ist jeder für sich selbst verantwortlich. Einzig das tägliche Überprüfen, des digitalen schwarzen Bretts und des Mail-Accounts gehören zu den gewöhnlichen Pflichten. Befehle werden normalerweise über diese Plattformen gesendet und sind selbstverständlich zu befolgen.

Wie ist das Ablegen der IGF-Leistungen an der Uni organisiert?

Drei Soldaten machen Liegestütz auf einer Kunststoffbahn. Im Hintergrund steht ein Fußballtor, ein Mann rollt einen Reifen.

Nicht nur die geistige Fitness ist wichtig, sondern auch die körperliche. Das Training kann von den Studierenden individuell gestaltet werden.

Bundeswehr/Stephan Ink

Jeder Fachbereich der Uni hat Termine, die an einem digitalen schwarzen Brett ausgehängt werden. Wir tragen uns zu den Terminen ein, an denen wir Zeit haben. Die Kameraden, die eine Berechtigung zum Abnehmen der Leistungen erworben haben, organisieren diese Termine und nehmen auch die Leistungen ab. Innerhalb des Jahrgangs gibt es Kameraden, die diese IGF-Unterlagen mit den Sportdaten für alle anderen führen. Normalerweise gibt es solche Angebote fast jeden Mittwochnachmittag, da zu dieser Zeit nie Vorlesungen sind. Für die Schießleistungen gibt es einen uniinternen Schießzug, der das Schießen organisiert. Mit verschiedenen Interessengemeinschaften und Stammpersonal werden so auch die abzulegenden Prüfungen Sanität und ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr organisiert. Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist ebenfalls freiwillig. Wir müssen nur aufpassen, dass wir am Ende des Jahres alle Leistungen erbracht haben.

Welche soldatentypischen Ausbildungen bietet Dir Deine Uni, um die körperliche Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten oder auch auszubauen?

Die Fachbereiche organisieren regelmäßig Bergmärsche oder andere Aktivitäten. Bei meinem Fachbereich steht einmal im Jahr eine Woche Übungsplatz auf dem Plan. Der Fachbereichsleiter oder die Gruppenleiter sind dabei auf die Zusammenarbeit und das Engagement der Studierenden angewiesen. Das Angebot von Ausbildungen aller Art steht und fällt mit dem Engagement von uns Studierenden. Wir können auch besondere Trainingslehrgänge besuchen, wenn Zeit dazu ist und die Noten stimmen. Es gibt Studierende, die den Einzelkämpfer-, den Ranger-, den Dschungelkampflehrgang oder andere Lehrgänge besucht haben. Hierzu muss ein Antrag beim Gruppenleiter gestellt werden. Er entscheidet dann, ob der Antrag bearbeitet wird und es die Chance gibt, auf einen Lehrgang zu kommen.

Als Fazit: Wie passen das Studium und die körperliche Leistungsfähigkeit zusammen?

Ich kann nur empfehlen: Nutzt die Zeit, die Ihr habt, denn Ihr habt sehr viel davon und achtet darauf, dass Ihr Eure Fitness erhaltet oder verbessert. Es erfordert viel Selbstdisziplin, regelmäßig zum Sport zu gehen. Aber es wird sich später rächen, wenn nicht wenigstens ein bisschen was getan wird. Falls Ihr es nicht schafft, Euch fit zu halten, kann es auf jeden Fall nicht an der fehlenden Zeit gelegen haben. Irgendwann werden wir die Uni verlassen und in die Truppe kommen. Wenn wir hier nicht fit sind, können wir unsere Aufträge nicht erfüllen.

von PIZ Heer
Auf eine Wiese macht ein Soldat in Uniform Liegestütz.

Fitness im Heer

Sport gewinnt in der Grundausbildung und im Dienstalltag enorm an Bedeutung.