Heer

Handlungssicher für den Ernstfall

Handlungssicher für den Ernstfall

  • Digitalisierung
  • Heer
Datum:
Ort:
Letzlingen
Lesedauer:
2 MIN

Das Erste-Hilfe-Training in der Grundausbildung bildet die Basis der sanitätsdienstlichen Ausbildung aller Soldatinnen und Soldaten. Im Gefechtsübungszentrum Heer müssen simulierte Verwundungen bestmöglich und unter Zeitdruck versorgt werden. Eine neu erstellte Bilderdatenbank soll nun Maßstäbe setzen und die Ausbildung praxisnaher gestalten.

Zwei Soldaten liegen an einem Hügel bei einem roten Haus. Einer von beiden hat sein Sturmgewehr im Anschlag.

Die Übungsstadt Schnöggersburg liegt in der Letzlinger Heide. Sie ist für den Orts- und Häuserkampf der Bundeswehr ausgelegt und die größte Anlage ihrer Art in Europa.

Bundeswehr/Marco Dorow

Ein Zug Infanteriesoldaten hat sich zur zeitlich begrenzten Verteidigung in einer kleinen Ortschaft eingerichtet. Die Lage scheint ruhig zu sein. Plötzlich bricht ein Schuss. Einer der Soldaten wird verwundet, er hat einen Oberarmdurchschuss. Schnelles Handeln seiner Kameraden ist nun gefragt. Im Gefechtsübungszentrum Heer in der Altmark ist die Versorgung von Verwundeten ein integraler Bestandteil von Ausbildungen und Übungen. Dabei wird mithilfe des Systems AGDUS (Ausbildungsgerät Duellsimulator) in einer Zwei-Parteien-Übung gekämpft. Beispielsweise wird ein Treffer an einem einzelnen Soldaten durch direkte feindliche Waffenwirkung „erzeugt“. Es gilt dann Erste-Hilfe-Maßnahmen richtig anzuwenden, um den Verwundeten zu stabilisieren.

Detaillierte Bilderdatenbank angelegt

Am rechten Oberarm eines Soldaten ist mit Modelliermasse und Kunstblut ein Durchschuss aufgeschminkt worden.

Eine zivile Firma schminkt Soldaten, die sich freiwillig dafür gemeldet haben, mit detailgetreuen Schusswunden, Verbrennungen und Amputationen.

Bundeswehr/Andrea Rippstein

Wie so ein Oberarmdurchschuss aussehen kann, sollen die neuen, realitätsnahen Bilder veranschaulichen. Im fränkischen Hammelburg ist kürzlich eine Bilderdatenbank erstellt worden, die verschiedenste Verwundungs- und Verletzungsmuster abbildet. Eine zivile Firma hat die detailgetreuen Verwundungen wie Verbrennungen, Frakturen, Schusswunden und Amputationen an freiwillig teilnehmenden Soldaten geschminkt. Die Schminkprofis haben dabei mit viel Kunstblut und Modelliermasse gearbeitet. Vorab wurde eine Verwundungsmatrix erstellt, die genau aufschlüsselt, an welchen Körperstellen welche Verwundungen mit welchem Schweregrad dokumentiert werden sollen. So werden beispielsweise Fotos von Verbrennungen 1. Grades am Bein, schwere Brustkorbverletzungen oder ein stark blutender, offener Oberarmbruch erstellt.

Kunstblut gegen Gefechtsstress

An einer aufgerissenen Uniformjacke ist eine simulierte Verletzung des rechten Brustkorbes zu sehen.

Die Maßnahmen der Ersten Hilfe unter Gefechtsbedingungen müssen immer wieder trainiert werden. Dazu sind einsatznahe Bilder von Verletzungen nötig, damit sich die Soldaten an verschiedene Verwundungen gewöhnen und im Ernstfall handlungssicher sind.

Bundeswehr/Andrea Rippstein

Die Projektverantwortliche im Ausbildungskommando, Oberfeldarzt Vanessa Wittke, erklärt die Hintergründe des Projekts: „Um auch die Maßnahmen der Verwundetenversorgung unter Gefechtsbedingungen trainieren und geeignete Erste-Hilfe-Maßnahmen schnell einleiten zu können, bedarf es realitätsnaher Bilder von Verletzungen, die typischerweise in einem Gefecht auftreten können. So werden die Soldaten an verschiedene Verwundungsmuster herangeführt und visuell in Stresssituationen versetzt; im Ernstfall erzeugt das Handlungssicherheit.„ Darüber hinaus kann mit einer Bilddatenbank die sanitätsdienstliche Ausbildung im Heer weiter standardisiert und harmonisiert werden. Das erhöht den Wiedererkennungswert für den einzelnen Soldaten in allen Ausbildungsabschnitten erheblich.

Welche Wunde wird wie versorgt?

Ein Mann beugt sich über einen Soldaten, um Kunstblut aufzutupfen. Ein weiterer Soldat beobachtet die Szene.

An Modelliermasse und Kunstblut wird nicht gespart: Die Schminkkünstler arbeiten mit einer „Verwundungsmatrix“. Die gibt genau vor, an welcher Körperstelle welche Verwundung mit welchem Schweregrad aufgetragen werden muss.

Bundeswehr/Fachmedienzentrum Hammelburg

Zunächst sollen die Fotos für die Ausbildung und während der Übungen im Gefechtsübungszentrum Heer in Letzlingen zur Verfügung stehen. Sie sollen den Soldaten auf einem Smartphone angezeigt werden, nachdem im System AGDUS ein Treffer simuliert wird. Die detaillierte Art und Schwere der Verwundung wird dabei per Zufallsgenerator ausgewählt und soll die Kameraden zum lageangepassten Verhalten sowie zur richtigen Versorgung der jeweiligen Verletzung zwingen. In einem weiteren Schritt, der allerdings noch in der Zukunft liegt, sollen die Verwundungsfotos aus der Bilderdatenbank dann auch für die anderen Ausbildungseinrichtungen im gesamten Bereich des Ausbildungskommandos nutzbar gemacht werden. Ziel bleibt dabei stets, die sanitätsdienstliche Ausbildung zu verbessern und  gefechtsnahe Bilder für Ausbildungen und Übungen aller Soldaten des Heeres zu schaffen.

Um Maßnahmen der Verwundetenversorgung unter Gefechtsbedingungen trainieren zu können, bedarf es realitätsnaher Bilder von Verletzungen, die typischerweise in einem Gefecht auftreten können.
von Susanne Rehwagen

mehr lesen