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Kenntnisstand auffrischen

Von alten Hasen lernen

Von alten Hasen lernen

Datum:
Ort:
Hammelburg
Lesedauer:
4 MIN

An zwei Tagen Ende Oktober ging es darum, das Verständnis und die Handlungssicherheit von Ausbilderinnen und Ausbildern in der Landes- und Bündnisverteidigung zu verbessern. Das Beziehen eines Verfügungsraumes sowie Gefechtsschießen waren die Kerninhalte des Ausbilderseminar „Gutes Führen“ an der Infanterieschule im bayerischen Hammelburg.

Die Stellungen des Feldpostens vor der malerischen Kulisse der Rhön

Ein Gefechtsschießen ist die Königsdisziplin des militärischen Schießens. Es vereint taktische Elemente mit der Schießausbildung. Nahkampfsituationen oder der Einsatz von Verwundeten lassen sich ebenfalls gut in ein Szenario einbinden.

Bundeswehr/Andrea Rippstein

„Die Erfahrungen aus dem Übungszentrum Infanterie zeigen uns, dass es in beiden Themenbereichen, Beziehen eines Verfügungsraumes sowie Gefechtsschießen, leider nur einen unzureichenden Kenntnisstand gibt. Aus diesem Grund müssen wir hier an der Wurzel ansetzen und dieses Wissen wieder etablieren. Denn nur so können die Ausbilder der Infanterie genau dieses Wissen weitertragen“, leitet Oberst Stefan L. aus dem Bereich Lehre und Ausbildung das Seminar ein. Die Teilnehmer der Ausbildung sind Soldaten in Führungsverantwortung, die mit ihrem Wissen wiederum andere Soldaten ausbilden werden.

Der Ukrainekonflikt zeige es allzu deutlich, wie wichtig es ist, die Grundlagen zu beherrschen, so der Oberst weiter. „Das jeweilige Vorhaben muss geplant, durchgeführt, aber auch nachbereitet werden. Außerdem brauchen wir einen gemeinsamen Zeichenvorrat zur Verständigung“, erläutert er den Grundgedanken der Ausbildung.

Zurück zu den Anfängen

Ein gepanzertes Transportkraftfahrzeug steht im Wald unter Tarnnetzen. Darauf hockt ein Soldat.

Silhouetten verschleiern: Um die Aufklärung aus der Luft zu erschweren, werden zusätzlich Flachnetze über dem Fahrzeug aufgehängt

Bundeswehr/Andrea Rippstein

Brigadegeneral Michael Matz, General der Infanterie und Kommandeur Infanterieschule, begrüßt die Teilnehmer und leitet ins Seminar ein: „Manche Dinge, die für mich zum Grundhandwerkszeug gehören, kennen Sie nicht oder können Sie gar nicht kennen. Das liegt daran, dass Sie einer anderen Generation angehören und in einer anderen Lage dem Militär beigetreten sind, als ich es damals bin.“ Alarmierungen gehörten sozusagen zum Tagesgeschäft, wie Matz es bezeichnet. „Es wurde alles gepackt, die Kasernen waren leer und wir bezogen einen Verfügungsraum. Stellen Sie sich das unter jetzigen Umständen einmal vor. Wir müssen wieder dahin, wo wir einmal waren und Dinge wieder erlernen, die wir bereits einmal beherrschten.“

Inspektionschef und Major Andreas M. erläutert an seiner Station zunächst grundsätzliche Verfahren und Rahmenbedingungen. Kurz darauf hören die Soldaten die Motoren des Führungsfahrzeugs Wolf und das Wummern der Gepanzerten Transportkraftfahrzeuge (GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug) Boxer. Der eingesetzte Kompanieeinsatzoffizier trifft ein und erklärt den Teilnehmern, auf was es bei der Erkundung von Verfügungsräumen ankommt. Neben der reinen Gangbarkeit von Wegen für die Gefechtsfahrzeuge müssen diese Geländeabschnitte für die unterschiedlichen Züge, Sicherungsbereiche, den Kompaniegefechtsstand und für die logistischen Versorgungspunkte erkundet werden.

Lösungen und Problem

Die Station Verfügungsraum ist in mehrere Abschnitte unterteilt und soll verschiedene Möglichkeiten der Geländeeinnahme aufzeigen. Bei einem Verfügungsraum ist es wichtig, dass die Truppe schnell, effektiv und ohne zu stocken aus einem Marsch in ihren vorbestimmten Raum, einem Geländeabschnitt, meist im Wald, mit ihren Gefechtsfahrzeugen einfließen kann. Eine Goldrandlösung gebe es dabei nicht, betont der Leitende der Station. Wichtig sei es, wendet Oberstleutnant Andreas E., Kommandeur der Lehrgruppe A ein, die Stetigkeit des Marsches und des anschließenden Einfließens zu gewährleisten. Dazu tauge beispielsweise „ein Kradmelder wunderbar. Ein Soldat auf einem Motorrad ist schnell, beweglich und kann die Kräfte ohne Geschwindigkeitsverlust zu ihren Stellungsbereichen führen“, so der Oberstleutnant.

Von Knicklichthaltern bis zur Kriegerlatte, die nach General Werner Krieger benannt wurde, thematisiert diese Station die Möglichkeiten des Ein- und Ausfließens aus Stellungen. An einer Kriegerlatte etwa sind die Höhen von Bordmaschinenkanonen oder Zieloptiken markiert, damit in der Erkundung schon festgelegt werden kann, ob dieses Gelände zu den Fahrzeugen passt. Wie Fahrzeuge getarnt werden müssen, wie sie und die Soldaten sich im Verfügungsraum verteilen und wie die Befehlsgebung abläuft, werden ausführlich behandelt.

Auch Probleme werden angesprochen: So gibt es für den Boxer, egal in welcher Version, noch immer keine Tarnnetze, in der Version A1 nicht einmal eine Möglichkeit, diese auf der Oberseite des Fahrzeugs zu befestigen. Daher nutzen die mit dem GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer ausgestatteten Truppenteile Restbestände von Tarnnetzen des Schützenpanzers Marder oder des Transportpanzers Fuchs.

Ausbildungsstand beachten

Ein Soldat mit grünem Barett steht vor einer Wand mit Formularen.

Der Chef erklärt: Ein Gefechtsschießen muss mit zeitlichem Vorlauf angeordnet werden, um ein Erfolg zu werden. Es gehört mehr dazu, als eine Schießanmeldung auszufüllen und Munition anzufordern.

Bundeswehr/Andrea Rippstein

Oberstleutnant Andreas W., Kommandeur der Lehrgruppe B, bekräftigt, worauf es bei einem Gefechtsschießen ankommt: „Was wir nicht machen dürfen, ist, eine Trennung zwischen Ausbildung und Schießen vorzunehmen. Ein Gefechtsschießen ist Gefechtsdienst im scharfen Schuss und damit der krönende Abschluss einer jeden Gefechtsdienstausbildung.“ Die Station Gefechtsschießen sei bewusst auf einer der ältesten Schießbahnen auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg gelegt worden. Man müsse immer den Brückenschlag zwischen der taktischen Idee hinter dem Gefechtsschießen und den jeweiligen Auflagen und Sicherheitsbestimmungen schaffen. Vor jedem Gefechtsschießen müsse man sich vor Augen führen, welches Personal man vor sich habe und wie dessen Ausbildungsstand sei. Hierzu müsse eine Lerngruppenanalyse erfolgen. Major Jan Eric von Z. sagt, auch Lage und Befehlsgebung müssten an Ausbildungsstand und Führungsebene angepasst sein. „Die passende Zielauswahl und ein taktisch aus Feindsicht geplanter Phasenablauf bilden den Abschluss der Planung und somit eine solide Grundlage für das Gefechtsschießen.“

Mit diesem Seminar in Hammelburg haben die Ausbilder ihre Grundlagen erweitert, gefestigt und optimiert und können nun ihr Wissen an andere Soldatinnen und Soldaten weitergeben.

von Thomas Heinl

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